Damit die Bevölkerung draußen weiß, was ein Fristsetzungsantrag ist: Es geht darum, der Behandlung eines Themas eine Frist zu setzen, damit überhaupt darüber diskutiert werden kann – aber nicht einmal die Diskussion wird zugelassen! Deshalb möchte ich heute, um diesen Betrug an den Tieren nicht weiter durchgehen zu lassen, erneut drei Fristsetzungsanträge zu folgenden Anträgen einbringen: Antrag 854/A: Verbot der Tötung von männlichen Küken zur Gewinnmaximierung; Antrag 877/A: Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration; Antrag 878/A: Verbot von Vollspaltenböden in der Schweinehaltung mit zehnjähriger Übergangsfrist.
Um eines klarzustellen: Wenn Sie diesen Fristsetzungsanträgen, Kollege Riemer, heute zustimmen, dann haben wir die Chance, darüber zu diskutieren und nächste Woche, am 25. September, im Plenum inhaltlich darüber abzustimmen und sie zu einem Gesetz zu machen. Wenn Sie aber nicht zustimmen, wenn Sie heute nicht einmal der Fristsetzung zustimmen, dann sind Sie, Kollege Riemer, mitunter verantwortlich für 9,7 Millionen Küken (ein Foto von Küken auf einem Förderband in die Höhe haltend), die jährlich in Österreich direkt nach dem Schlüpfen – die sind nicht einmal 1 Minute auf der Welt! – von einem Förderband (ein Foto von Küken, die geschreddert werden, in die Höhe haltend) in einen Schredder fallen und geschreddert werden, oder vergast, je nachdem, wie lustig man gerade ist. All das passiert in Österreich: 9,7 Millionen Mal! Dieser Fristsetzung zuzustimmen würde nur bedeuten, dass wir darüber diskutieren und nächste Woche ein Gesetz beschließen können; aber nicht einmal die Diskussion wollen Sie!
Sie sind auch verantwortlich für den Schmerz (ein Foto von der Kastration eines Ferkels in die Höhe haltend), den ein Ferkel erleidet, wenn man ihm bei vollem Bewusstsein, ohne Betäubung die Genitalien, die Hoden, abschneidet – ohne Betäubung! –, eine betäubungslose Kastration durchführt! (Abg. Strasser: Mit Schmerzmittel!) All das passiert in Österreich und wird aktuell gemacht. Alle 12 Sekunden, Tag und Nacht, erfolgt eine betäubungslose Ferkelkastration. Das ist kein Zustand! Das kann doch nicht die Art sein, wie wir mit Lebewesen umgehen!
Noch etwas: Sie sind auch verantwortlich dafür (ein Foto eines auf einem Vollspaltenboden liegenden Schweins in die Höhe haltend), dass Hunderttausende Schweine monatelang – die kurze Zeit, die sie leben dürfen – im Ammoniakgestank leben, mit Wunden, verletzt, blutend, sich gegenseitig anknabbern, die Ohren, die Schwänze abkauen, weil ihnen auf Vollspaltenbetonböden so fad ist, weil sie kein Stroh, keine Einstreu haben. Für all das sind Sie verantwortlich, wenn Sie heute sogar diese Fristsetzungsanträge ablehnen, um jegliche Debatte darüber zu verhindern.
Noch einmal ganz zum Schluss: Ich habe heute Ihnen allen, allen Kolleginnen und Kollegen, eine Mail geschickt, in der ich Sie darum bitte, sich Gedanken darüber zu machen, wie Sie heute abstimmen werden. Und alle, die jeden Sonntag zur Kirche rennen, und alle, die immer am parlamentarischen Gebetsfrühstück teilnehmen, möchte ich ebenfalls bitten: Fragen Sie sich, ob Ihr Gott will, dass wir so mit der Schöpfung und den Lebewesen in diesem Land umgehen! – Vielen Dank. (Beifall bei JETZT und bei Abgeordneten der SPÖ.)
20.14
Präsidentin Doris Bures: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Erwin Preiner. – Bitte.
Abgeordneter Erwin Preiner (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Geschätzte Ministerinnen! Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuseher zu Hause vor den Fernsehapparaten! Ich möchte meine Ausführungen mit einem kurzen Zitat beginnen: „Rund
HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite