Nationalrat, XXVI.GPStenographisches Protokoll88. Sitzung, 19. September 2019 / Seite 309

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20.18.45

Abgeordnete Dipl.-Ing. (FH) Martha Bißmann (ohne Klubzugehörigkeit): Frau Prä­sidentin! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Geschätzte Frauen Ministerinnen! Im Jahr 2015 wurden in der EU insgesamt 1,4 Milliarden lebende Tiere transportiert. Die Mitgliedsländer exportierten außerdem 238 Millionen lebende Tiere über die EU-Außen­grenzen hinweg. Das sind Zahlen, die auf eigenen Berechnungen des Deutschen Bun­destags basieren.

Abgesehen davon, dass die Tiere in klimaschädlichen Lkws durch die Gegend gefah­ren werden, sind Lebendtiertransporte Tierquälerei. Die Tiere werden auf engstem Raum zusammengepfercht, die Platzknappheit allein kann zu Beeinträchtigungen der Luftzirkulation führen und das Leben der Tiere gefährden. Ja, während der Tiertransporte sterben Tiere, viele Tiere sterben. Nebenbei erwähnt sei auch, dass die Maximaldauer der Tiertransporte nicht in der EU-Tiertransport-Verordnung definiert ist.

Die Tiere sterben an zu hohen oder zu niedrigen Umgebungstemperaturen, die zu Überhitzung oder Kälteschäden führen, oder sie dehydrieren oder verhungern durch unregelmäßige Fütterungen während der Transporte. Das sind nur einige Beispiele für das unvorstellbare Leid der Tiere. Dazu kommt bei weiblichen Transporttieren, dass Geburten während der Fahrt nicht selten sind. Die Tiere erleiden von der Beladung bis zur Entladung stressbedingt nicht nur psychische, sondern auch physische Schäden.

Die EU-Tiertransport-Verordnung verbietet eigentlich den Transport von verletzten Tieren – die Tiere verletzen sich, sie sterben –, trotzdem gibt es das täglich. Wie ist das möglich? – Ganz einfach: Es wird zu wenig kontrolliert. Aus diesem Grund unterstütze ich alle drei Anträge der SPÖ, die zu schärferen Kontrollen führen werden; erster Antrag: „Kontrollen von Lebendtiertransporten am Transportweg zur Verhinde­rung unnötigen Tierleids“; zweiter Antrag: „Entzug der Zulassung von Transport­unter­nehmen für Tiertransporte“; drittens: „Tiertransporte-Reduktionsplan“.

Meine Kolleginnen und Kollegen, auch liebe Bürgerinnen und Bürger, ich möchte auch gerne dazu ermuntern, das Tierschutzvolksbegehren zu unterschreiben, das Ähnliches fordert. – Vielen Dank.

20.21


Präsidentin Doris Bures: Zu Wort gemeldet ist Herr Abgeordneter Markus Vogl. – Bitte.


20.21.24

Abgeordneter Ing. Markus Vogl (SPÖ): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Frauen Ministerinnen! Kollege Lindinger hat behauptet: „Geht’s den Tieren gut, geht’s den Bauern gut“, und die Bäuerinnen und Bauern wüssten schon, was gut für die Tiere ist. – Ich glaube, die Diskussion hat gezeigt, dass man, solange es Vollspaltboden­haltung in der Schweinezucht gibt, nicht davon ausgehen kann, dass es diesen Tieren gut geht. Darum braucht es auch strengere Regelungen, und das ist das, was wir auch immer wieder fordern. Kollege Riemer sagt, dass das ein Wahnsinn ist, und fragt, wie das kontrolliert werden soll, schließlich sind Millionen von Tieren unterwegs. – Genau darum geht es in diesem Antrag: Wir wollen eine Reduktion der Tiertransporte, der Lebendtiertransporte. (Beifall bei der SPÖ.)

Wir reden immer darüber, regionale Wertschöpfungsketten zu stärken, und genau da­rum geht es. Das geht aber nur dann, wenn man eine vernünftige Herkunftskenn­zeich­nung hat. Wir haben zum Beispiel den Gailtaler Speck – geschützte geografische Angabe –, das heißt, wir wissen zwar, dass die Ferkel nicht aus dem Gailtal kommen, aber ansonsten ist alles, sowohl die Mast als auch die Schlachtung und die Verar-


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