Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 251

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grosso modo positive Arbeit. Gleichzeitig sieht man aber auch, dass Anregungen ange­nommen und umgesetzt werden.

Im heurigen Jahr ist die Lage sicherlich etwas anders. Daher ist es, glaube ich, not­wendig, dass man bei den Prüfungen auf die Herausforderungen der Pflegeheime im Zusammenhang mit der Covid-Pandemie Rücksicht nimmt und eingesteht, dass man dieses Jahr deshalb nicht eins zu eins mit jenen davor vergleichen kann.

Dabei ist die Pflege insgesamt eine Riesenherausforderung für die Zukunft. Ich hätte da eine Anregung für die Volksanwaltschaft – ich würde mir das wünschen und ich hoffe, dass das in der Volksanwaltschaft auch berücksichtigt wird –: dass zu den Überprü­fungen nicht nur Leute geschickt werden, die beim Thema Pflege nur in der Theorie darüber reden, wie es andere machen sollen, sondern solche, die Erfahrung im Pflege­bereich haben. Seien wir auch froh, dass so viele Leute privat daheim gepflegt werden! Die überwiegende Mehrheit der Leute, die Pflege brauchen, wird nämlich daheim gepflegt.

Erlauben Sie mir noch ein paar Gedanken zum Thema Coronapandemie und Pflege­heime. In Oberösterreich haben wir mehr als 130 Einrichtungen, in denen über 13 500 Men­schen betreut und gepflegt werden. Vom 12. November bis zum 16. November 2020 ist die Zahl der an Covid erkrankten Patientinnen und Patienten, also der Pflegeheim­bewohnerinnen und -bewohner, von 388 auf 494 gestiegen, bei den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist diese Zahl von 412 auf 470 gestiegen. Daher ist all das, was mit dem heutigen Tag wirksam wird, eine unbedingte Notwendigkeit und lässt sich nicht ver­meiden.

Eine Pandemie braucht gegenseitige Rücksichtnahme und Verantwortung. Auch wenn meine Redezeit eigentlich schon zu Ende geht, sage ich bewusst dazu: Vielleicht sollte man sich da ins Stammbuch und hinters Ohrwaschel schreiben: Meine persönliche Freiheit hört dort auf, wo ich die Freiheit des anderen eingrenze! Oder anders gesagt – die Bemerkung sei erlaubt –: Man beruft sich manchmal ja auch auf religiöse Bilder, etwa auf das christliche Menschenbild oder Sonstiges, und daraus lässt sich auch ableiten, dass man auf den anderen Rücksicht nehmen muss. Selbst dann, wenn man vielleicht nicht von allem tausendprozentig überzeugt ist, ist es aus Verantwortungsbewusstsein und Rücksichtnahme gut, gewisse Regeln einzuhalten.

Nach ein paar Reden, die wir heute gehört haben, seien es jene der Herren Kickl, Zanger, Wurm und Schnedlitz oder jene der Frau Belakowitsch, muss ich angesichts des Niveaus dieser Reden sagen: Parteipolitisch finde ich es super, aber das Bild, das dabei von uns, vom Parlament, entsteht, ist eigentlich verheerend. Demokratie und Pandemie brauchen Verantwortung und Rücksichtnahme. Es ist für mich jetzt nicht die Zeit der persönlichen Befindlichkeiten, sondern jene der Verantwortung, und als Volksvertreter sollten wir uns gemeinsam dieser Verantwortung bewusst sein. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

18.37


Präsidentin Doris Bures: Nächster Redner: Herr Abgeordneter Maximilian Köllner. – Bitte, Herr Abgeordneter.


18.37.40

Abgeordneter Maximilian Köllner, MA (SPÖ): Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Herr Vizekanzler! Wir haben Ihnen zwar öfters auf die Zehen steigen müssen, und es hat eine gefühlte Ewigkeit gedauert, bis es endlich so weit war, aber ich möchte mich gleich zu Beginn dafür bedanken, dass wir uns vor wenigen Tagen in der Runde der Sportsprecher austauschen konnten. Ich denke, Sie und meine Kollegen werden mir recht geben, dass es ein sehr konstruktives Gespräch war. Also lieber spät


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