Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 272

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Das Belvedere, das seine einzelnen Standorte gestaffelt öffnete, verzeichnet ähnlich harte Einbußen, wie die Juli-Zahlen belegen. Besuchten im Juli 2019 rund 150.000 Men­schen das Belvedere, waren es heuer nur mehr 30.000 Personen – also ein Fünftel. Verändert hat sich erwartungsgemäß der Anteil der heimischen Besucherinnen und Besucher. War das Verhältnis im Vorjahr bei 20:80, kommen mittlerweile bereits 45 Prozent der Besucher aus dem Inland.

Die Albertina, die ja auch die Eröffnung der Dependance Albertina modern verschieben musste, verzeichnete im Haupthaus ebenfalls einen Einbruch: Kamen im Juli 2019 rund 73.000 Besucher, waren es in diesem Juli lediglich 20.000.“

Am 15. Oktober 2020 berichtet orf.at, dass im Kunsthistorischen Museum (KHM) das Minus an Besucherinnen und Besuchern im ersten Halbjahr bis zu 80 Prozent betrug. Im Belvedere wurden im Jahr 2019 noch rund 1,7 Millionen Besucherinnen und Be­sucher im Belvedere gezählt, die Prognose für dieses Jahr beläuft sich auf nur mehr „circa 370.000“.

Dass sich die Situation nicht gebessert sondern weiter verschlechtert hat, veran­schau­licht der Direktor der Albertina Klaus Albrecht Schröder in einem APA-Interview vom 9. Oktober 2020 drastisch:

„Die Wiener Albertina erlebt coronabedingt einen dramatischen Einbruch bei den Be­sucherzahlen. "Wir befinden uns derzeit im freien Fall", sagt Generaldirektor Klaus Albrecht Schröder im APA-Interview. Lagen im August die durchschnittlichen täglichen Besucherzahlen bei über 1.100, seien sie im September auf unter 800 gesunken. In den vergangenen zwei Tagen hätten sich diese Zahlen nochmals halbiert, so der Museums­chef. Die Szenarien würden nahezu täglich nach unten revidiert. In den vergan­genen zwei Jahren erreichte die Albertina jeweils etwas über eine Million Besucher. Die Modellrechnungen gehen im Augenblick Richtung 350.000, (…). „Unkoordiniert, wider­sprüchlich und verunsichernd“ sei aber auch die Kommunikation der Bundesregierung. Das habe etwa dazu geführt, dass über 60-jährige Besucher weitgehend wegblieben und der Altersschnitt der Besucher auf 40-45 Jahre gesunken sei. (…) Für das gesamte Museum steuere man jedoch auf Ertragseinbußen von 12 Mio. Euro zu. "Die Erträge brechen uns rasant weg", sagt Schröder.“

Schröder, der in diesem Zusammenhang immer wieder eine Erhöhung der Basis­ab­geltung fordert, stellt klar, dass „das derzeitige Verhältnis von 7,5 Mio. Euro Basis­abgeltung und 15 Mio. selbst erwirtschafteten Erträgen künftig nicht zu halten sein wird“. APA0069 Fr, 09.Okt 2020

Es brauche für die Basisabgeltung „einen gerechten Verteilungsschlüssel“, sagte er im Interview mit dem „Kurier“ (Sonntagsausgabe) am 9. August 2020.

„Wenn wir unseren erfolgreichen Kurs wieder aufnehmen sollen, brauchen wir unbedingt eine Anhebung der Basisabgeltung - vor allem die großen drei Museen KHM, Albertina und Belvedere, die in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich gearbeitet haben“, so die Direktorin des KHM Sabine Haag in einem Interview am 31. März 2020.

Auch aus Sicht der Bundestheater ist eine Erhöhung der Basisabgeltung wohl dringen­der denn je. Bereits in der Zeit vor Corona, am 13. Februar 2020, stellte der Geschäfts­führer der Bundestheater-Holding GmbH, Christian Kircher gegenüber der Kleinen Zei­tung klar, dass „es den Bundestheatern nach wie vor sehr, sehr gut gehe, dennoch wird der im Juni zu erstellende nächste Drei-Jahres-Plan nicht ohne zusätzliches Geld vom Bund auskommen.“

Trotz dieser Fakten verschiebt die Bundesregierung die dringend notwendige Erhöhung der Basisabgeltung für Bundesmuseen und -theater auf die „Zeit nach Corona“, wie Staatssekretärin Andrea Mayer kürzlich feststellte.

 


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