Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 396

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aber sie ist weiterhin auf einem dramatisch hohen Niveau. Wir hatten heute in den letzten 24 Stunden 7 091 Neuinfektionen, die eingemeldet wurden.

Ich sage immer den Wochenvergleich dazu; da die Entwicklung auf Basis der Ein­meldungsstrukturen in das System unterschiedlich verläuft, ist das der beste Vergleich. Am vergangenen Mittwoch waren es 7 514, das heißt, doch deutlich mehr. Das bedeutet, es erfolgt eine Stabilisierung, aber wir sind noch nicht bei der notwendigen Trendwende, die wir für eine drastische Verringerung brauchen. Die Situation ist die, dass wir heute zugleich 6 251 neu Genesene zu vermelden haben. Das ist die aktuelle Datensituation, zu Ihrer Information.

Die Notlage in den Intensivstationen haben wir im Übrigen mittlerweile in ganz Europa. Das ist kein Trost für uns – ganz im Gegenteil. Ich telefoniere viel mit den Gesund­heits­ministerInnen in anderen Ländern. Die Schweiz ist mittlerweile im Bereich der Intensiv­pflege an der Grenze ihrer Kapazitäten. Wir haben dieselbe Situation in Tschechien, in Frankreich, in Spanien, in Italien – überall geraten die Gesundheitssysteme an ihre Grenzen. Das ist derzeit eine Herausforderung in jedem Land. Wir haben auch aus anderen Ländern Anrufe, ob wir helfen und unterstützen können, aber momentan ist die Situation in ganz Europa extrem angespannt. Es ist eine wirklich schwierige Notlage, die wir derzeit im Bereich unserer Gesundheitssysteme in Europa haben; ich hoffe, ich kann bald hatten sagen.

Unsere Prognose ist, dass wir im Bereich der intensivmedizinischen Betreuung in der kommenden Woche in die schwierigste Phase kommen werden. Es gibt ja zwischen dem Zeitpunkt der Neuinfektion und der Einlieferung und auch in der statistischen Berück­sichtigung im Bereich der Intensivmedizin einen Unterschied – eine Bremswirkung sozusagen – von rund zehn Tagen. Von daher ist zu erwarten, dass die hohen Zahlen sich kommende Woche noch einmal deutlich bemerkbar machen. Die Prognoseinstitute, die wir beauftragt haben, gehen davon aus, dass wir, wenn wir die Zahlen gegenwärtig schrittweise absenken können, Anfang Dezember eine Entspannung in der intensiv­medizinischen Betreuung erreichen. Ich hoffe, dass wir bis dahin alle, vor allem die Personen in den Spitälern, noch gut durchhalten.

Die letzten zwei Punkte von meiner Seite: Wir arbeiten derzeit sehr, sehr intensiv an der Frage, wie es nach dem 6. Dezember, nach dem Lockdown weitergehen kann. Wir haben dazu ein umfassendes Programm in Vorbereitung. Da wird es unter anderem um die Stärkung und Beschleunigung des Kontaktpersonenmanagements als erste Top­priorität gehen, es wird auch um zusätzliche Schutzmaßnahmen für Seniorinnen und Senioren gehen – und damit meine ich jetzt nicht prioritär den Bereich der Alten- und Pflegeheime, sondern auch Menschen, die eben nicht in Alten- und Pflegeheimen wohnen, aber dennoch zu dieser sogenannten Risikogruppe zählen. Ich mag das Wort überhaupt nicht; kein Mensch ist ein Risiko, deswegen nenne ich sie die Gruppe, die am verwundbarsten ist. Das sind die Menschen über 70, für sie erarbeiten wir derzeit zusätzliche Schutzmaßnahmen.

Es wird auch um mehr Testungen gehen, ja. Wir bauen derzeit schon die Testmög­lichkeiten und die Kapazitäten massiv aus. Es gibt derzeit täglich zwischen 30 000 und 40 000 Tests. Diese Zahl hätte sich vor einigen Monaten niemand auch nur erträumen können. 30 000 bis 40 000 Tests pro Tag sind derzeit in der Statistik verankert, und es werden dadurch deutlich mehr, dass wir die niedergelassenen Ärzte und nun auch die Apothekerinnen und Apotheker in die Testung integriert haben. Das sollte noch einmal eine starke Verbreitung und eine Verbesserung, Vereinfachung des Zugangs zur Testung für alle ermöglichen. Das heißt, ich gehe davon aus, dass sich diese Zahlen sehr rasch auf 40 000 bis 50 000 Testungen pro Tag in Österreich erhöhen werden.

 


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