Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 492

HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite

Österreich schaffen auf der einen Seite Versorgungssicherheit in Krisenzeiten und andererseits Sicherheit für Arbeitsplätze – dort, wo uns vielleicht die einen oder anderen internationalen Konzerne schon längst verlassen haben. (Beifall bei der ÖVP sowie der Abg. Rössler.)

16.58


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Schnedlitz. – Bitte.


16.58.41

Abgeordneter Michael Schnedlitz (FPÖ): Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Frau Minister! Werte Sozialisten, ich glaube, wir müssen einmal etwas Grund­sätzliches klären, weil Sie den gestrigen und den heutigen Tag wieder dazu benutzt haben, um auf die Bauern zu schimpfen und die Landwirtschaft in ein schiefes Licht zu rücken. Ich sage Ihnen ganz deutlich: Ich schäme mich nicht dafür, dass ich ein Bauer bin. Ich bin sogar stolz darauf, dass ich von einem Bergbauernhof komme. Kein Bauer muss sich dafür schämen, dass er täglich – von Montag bis Sonntag – um 5 Uhr Früh in den Stall geht, damit Sie gesundes Essen auf dem Tisch haben. (Beifall bei der FPÖ sowie des Abg. Sieber.) Kein Bauer muss sich dafür schämen, dass er laufend dafür sorgt, dass die Wiesen, Felder und Agrarflächen in Schuss sind, damit Sie, wenn Sie auf Luxuserholungsurlaub fahren, einen Ausblick auf eine grüne, gepflegte Landschaft haben.

Sehr geehrte Damen und Herren, man muss sich nicht dafür schämen, dass es noch normal ist, wenn die Familie zusammenhilft, damit bei der Arbeit etwas weitergeht. Sie wollen eine Arbeiterpartei sein? Sie wissen doch nicht einmal mehr, was ehrliche Arbeit ist! Ich schäme mich nicht dafür, dass ich mir beim Arbeiten die Hände schmutzig mache, denn das ist das Zeichen dafür, dass man in diesem Land noch ehrlich arbeitet. Ich schäme mich für etwas ganz anderes: dass Nadelstreifpolitiker von diesem Podium aus auf die Bevölkerung, sprich auf die Bauernschaft, schimpfen.

Sehr geehrte Damen und Herren, Sie verteufeln jene, die sieben Tage in der Woche arbeiten und jeden Tag in den Stall gehen müssen. Was glauben Sie eigentlich, woher die frische Milch kommt? – Ich verrate Ihnen ein Geheimnis: Das Supermarktkühlregal ist es nicht. Damit Sie es vielleicht besser verstehen: Eine Kuh, sehr geehrte Damen und Herren, muss jeden Tag gemolken werden, sie kennt keinen Urlaub und kein Wochen­ende, ergo kennt auch der Bauer keinen Urlaub und kein Wochenende. Ein Bauer kann nicht in der Früh im Bett bleiben und sagen: Mir geht es heute nicht gut, ich gehe in den Krankenstand!, denn eine Kuh kennt auch keinen Krankenstand. (Präsidentin Bures übernimmt den Vorsitz.)

Die Realität ist: Damit Sie auf regionale Produkte zugreifen können und die klein­bäuer­lichen Strukturen aufrechtbleiben, gehen viele sogar, nachdem sie den Hof übernommen haben, noch nebenbei arbeiten, damit sie Geld in den Hof stecken können – also nicht Geld herausnehmen, sondern Geld hineinstecken können –, damit der Hof erhalten bleibt.

Sehr geehrte Damen und Herren, auch der Übergeber, der Altbauer, geht dann nicht in Pension. Altbauern arbeiten bis ins hohe Alter, damit sich der Laden überhaupt noch am Leben erhalten lässt. Da wird der Spruch: Arbeiten bis zum Umfallen!, wirklich zur Realität, sehr geehrte Damen und Herren.

Unsere Bauern brauchen keine Almosen, unsere Bauern brauchen zwei ganz einfache Dinge: Das ist auf der einen Seite, dass ihnen die Politik keine Prügel vor die Füße wirft –


HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite