Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 569

HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite

auch häufiger an einem Infarkt, obwohl das immer noch als typische Männerkrankheit gilt.

Das Beispiel Herzinfarkt ist das bekannteste, wenn es um Gendermedizin geht. Gen­dermedizin oder geschlechtsspezifische Medizin heißt Berücksichtigung der biologi­schen Unterschiede zwischen Mann und Frau in der Forschung und Behandlung von Erkrankungen.

Im Regierungsprogramm wird ein besonderer Fokus auf die Frauengesundheit gelegt. Ich zitiere: „Die Verbesserung von Frauengesundheit ist ein besonderes Anliegen [...]. Eine forcierte Umsetzung des Aktionsplans Frauengesundheit und die Erstellung eines jährlichen Frauengesundheitsberichts sowie die Weiterentwicklung und Anwendung von Gender-Medizin ist daher von besonderer Bedeutung.“

In der Medizin gilt nach wie vor der Mann als Prototyp. Die Unterrepräsentation von Frauen in Pharmastudien ist signifikant, und es sind auch hauptsächlich männliche Zel­len und Versuchstiere bei Studien in Verwendung. Frauen verteilen und bauen Medika­mente im Körper anders ab, da sich Muskelmasse, Körpergewicht sowie Wasseranteil bei Frauen und Männern unterscheiden. Es besteht nicht nur ein Unterschied in den Chromosomen, sondern auch auf Organ-, Hormon-, Stoffwechsel- und der sozialpsycho­logischen Ebene.

Die geschlechtsspezifische Medizin bedeutet auch eine präzisere Medizin, sie erlaubt eine individualisiertere Behandlung; wir wissen auch, dass Frauen und Männer auf Umwelt und Krankheiten völlig unterschiedlich reagieren. Viele verwenden statt Gender­medizin lieber den Begriff geschlechtsspezifische Medizin, da Gendermedizin von manchen irrtümlich als feministische Ideologie gesehen wird. Gendermedizin ist nur ein Teil der geschlechtsspezifischen Medizin, ein Begriff aus der Sozialwissenschaft im Hin­blick auf die Selbstwahrnehmung, das Selbstwertgefühl oder auch das Rollenbild.

Ein weiteres Beispiel sind Rauchen und Alkoholkonsum. Frauen sind empfindlicher für Nikotin und Rauchinhaltsstoffe. Schwere Asthma- und Bronchitisfälle treten früher als bei Männern auf. Es gibt auch unterschiedliche Risken bei Männern und Frauen bei Osteoporose, Nieren- und Leberfunktionsstörungen.

Unsere Frauenministerin Susanne Raab hat eine Aufstockung der Mittel im Frauen­budget von über 20 Prozent für 2021 erreicht, wobei schon 2020 erstmals seit vielen Jahren eine Aufstockung erfolgt ist. (Beifall bei der ÖVP.) Dieses Geld soll haupt­sächlich für Maßnahmen wie Gewaltschutz, zur Stärkung der Gleichstellung von Frauen sowie für Erhalt und Ausbau der frauenspezifischen Beratungs- und Betreuungseinrichtungen eingesetzt werden.

Statt dem üblichen Danke an die Frau Minister möchte ich das so formulieren und beschreiben: Schlau und zielgenau für die Frau – wow! – Danke. (Beifall bei der ÖVP und bei Abgeordneten der Grünen.)

10.12


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordneter Reimon. – Bitte.


10.12.37

Abgeordneter Michel Reimon, MBA (Grüne): Herr Präsident! Hohes Haus! Frauen­politik, Gleichstellungspolitik findet sich in vielen Budgetposten, Budgetpunkten, nicht nur in diesem. Wir haben schon etwas für eine Pensionsreform beschlossen und ver­suchen, die Situation von Frauen dort deutlich zu verbessern, und Gleiches gilt auch für andere Bereiche. Frau Kollegin Kucharowits hat vorhin gesagt, in dem Budget finde sich jetzt nichts gegen Hass im Netz. – Das gilt für das Frauenbudget, nicht aber für das


HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite