Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll62. Sitzung, 17. bis 19. November 2020 / Seite 572

HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite

EU, welches auch der Bundesregierung als Vorbild dient: „Everyone should feel free to be who they are – without fear [...]. This is what Europe is about [...].“ – Ja, natürlich: In einer freien, freiheitlichen, demokratischen Gesellschaft, wie wir sie die letzten Jahr­zehnte genossen haben, ist das selbstverständlich, da hat niemand etwas dagegen. Wir sollen alle nach unserer Fasson leben, uns weiterentwickeln sowie unsere Leistungen erbringen können und tolerant sein.

Bei dem, was hier unter diesem Titel gemacht wird und sich auch in diesem Strategie­papier versteckt, ist jedoch die Geschlechtergerechtigkeit nur ein Vorwand. Es geht um ideologische Umerziehung, und dieser stellen wir uns entgegen! Schauen wir uns nur ganz kurz die wesentlichen Punkte an: Wenn es um die Auflösung der biologischen Geschlechter geht, kann ich nur sagen: Was soll das? Sie können sich bei der Natur oder der göttlichen Schöpfung darüber beschweren, dass es Frauen und Männer gibt, aber bitte nicht hier, nicht in Wien und auch nicht in Brüssel. Es gibt Frauen und Männer, wir haben ein biologisches Geschlecht. Ich bestehe darauf: Ich bin biologisch eine Frau, und ich halte das Frausein nicht sozusagen für eine schlechte soziale Angewohnheit. (Beifall bei der FPÖ.)

Ich möchte auch als Frau behandelt werden. Dieser Ansatz, dass das Geschlecht sozu­sagen nur ein soziales Konstrukt ist, vernichtet alle Errungenschaften der Emanzipation der Frau. (Abg. Heinisch-Hosek: Das ist peinlich!) – Peinlich ist, wie Sie jetzt feststellen, die Gendersprache! (Neuerlicher Zwischenruf der Abg. Heinisch-Hosek.) Ich spreche das Projekt nur an, weil es Tausende Seiten füllt, weil Brüssel damit beschäftigt ist und Wien damit beschäftigt ist. Dafür werden Stellen und Professorenstühle finanziert, und dann kommen merkwürdige Sachen heraus wie etwa – das ist alles nicht ausgedacht und nicht populistisch –, dass wir uns folgendermaßen äußern sollen: der Bund der SteuerzahlerInnen. – Das umfasst alle. Ich würde sagen: Da ist es gleich viel leichter, die Steuern zu zahlen!

Die deutsche Bundeswehr beschäftigt sich mit dem Ausdruck der weiblichen Dienst­grade, damit das mehr zur Geltung kommt. Es wird diskutiert, ob es Oberstleutnantin, Feldwebelin oder Brigadegeneralin heißen soll. – Na, da wird die Bundeswehr sicher gleich viel wehrhafter werden! Übrigens scheitert die Einführung dieser weiblichen Dienstgrade an den Soldatinnen, weil sie das nicht wollen. Ihnen geht es nämlich um die echte Gleichberechtigung, darum, dass sie diese Funktionen erlangen können. (Zwi­schenrufe bei der SPÖ.) Es geht um den Inhalt, es geht um die Funktion, aber nicht um die Bezeichnung, nicht um die ewig angesprochene Herkunft und das Geschlecht. Sie wollen das einfach sein können – darum geht es. (Beifall bei der FPÖ.)

Wir hier sagen Gott sei Dank alle noch: Sehr geehrte Damen und Herren! – In vielen deutschen Städten ist das verpönt und gilt als ganz, ganz schlecht. Die Bezeichnung der Zukunft ist: Sehr geehrte Menschen! – Auch in der Verwaltungssprache wird das ausge­führt: Es geht nicht mehr, zu sagen: Herr Schulz, was haben Sie für Anliegen?, oder: Frau Schulz, was möchten Sie bitte von mir? – Ganz falsch! Es sollen nur mehr die Vor- und Nachnamen verwendet werden. In Zukunft soll es dann, um das Geschlecht nicht zum Ausdruck zu bringen, weil das diskriminierend ist, offensichtlich heißen: Sie, Schulz, was woll’n S’? (Heiterkeit der Abgeordneten Belakowitsch, Brandstötter und Scherak.)

Wie gesagt: All diese Ansätze finden sich tatsächlich. Ich weiß nicht, ob wir in Österreich etwas davon haben, wenn im Zusammenhang mit dem 2.11., diesem schrecklichen Tag, auch im öffentlich-rechtlichen Fernsehen von Terroristinnen und Terroristen gesprochen wird. Ich weiß nicht, ob wir darauf stolz sein können. Die Gendersprache hilft niemandem und versteckt nur die wahren Probleme. Es ist sehr bezeichnend, dass im Frauenbudget die Rolle der Frau als Mutter der Kinder überhaupt nicht vorkommt und nicht relevant ist. Das gehört offensichtlich zur neuen Vielfalt nicht dazu. Mit dieser Floskelpolitik und auf diesem Irrweg wird es nichts mit diesem Wirkungsziel werden, dem wir uns eigentlich


HomeGesamtes ProtokollVorherige SeiteNächste Seite