Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll69. Sitzung, 10. und 11. Dezember 2020 / Seite 70

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Frauen. Das sind bestehende Machtverhältnisse, das ist die ungleiche Verteilung von Ressourcen, von Vermögen, von Einkommen, von Bildung, denn es kann nicht oft genug gesagt werden: Sozioökonomische Gleichstellung ist einer der Schlüssel für das Em­powerment von Frauen – weltweit, europaweit und auch in Österreich. (Beifall bei den Grünen und bei Abgeordneten der NEOS.)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sind noch lange nicht am Ziel. Das Europaparlament hat vor zwei Wochen mit einer starken Stimme für die sexuelle und reproduktive Gesund­heit als Menschenrecht und die Verurteilung der Handlungen in Polen gesprochen. Lassen Sie uns gemeinsam für eine starke feministische Frauenpolitik kämpfen! – Danke. (Beifall bei den Grünen.)

11.15


Präsidentin Doris Bures: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Henrike Brandstötter. – Bitte.


11.16.01

Abgeordnete Henrike Brandstötter (NEOS): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Kolle­ginnen und Kollegen! Sehr geehrte Damen und Herren zu Hause vor den Bildschirmen! Ich möchte vorweg kurz auf Herrn Haider eingehen: Gewalt – ja, die hat schon ein Mascherl, ein männliches Mascherl, aber sie hat keinen Pass. Ich kann Ihnen versichern, ich bin am Land aufgewachsen, zu einer Zeit, als es dort eigentlich niemanden mit Migrationshintergrund gab, und sowohl ich als auch meine Freundinnen können ein Lied davon singen, was denn im Umfeld von Feuerwehrfesten und Discos hinter den Haus­mauern im Dorf so abgeht. (Zwischenruf des Abg. Amesbauer.) Also hier wieder eine bestimmte Menschengruppe herauszupicken und dieser das in die Schuhe zu schieben ist ein wirklich billiges Ablenkungsmanöver, und ich zeige Ihnen gleich noch einmal, warum Gewalt keinen Pass hat. (Beifall bei NEOS und Grünen.)

Sie können sich jetzt mit mir auf eine kleine Reise durch Europa begeben. Vielleicht packen Sie auch etwas zum Schreiben ein, einen Notizblock, was man halt so braucht. Der erste Stopp führt uns nicht weit, er führt uns zu unserem Nachbarn Deutschland. Es ist die größte Volkswirtschaft Europas, hat eine Frau an der Spitze, man ist dort sehr korrekt. Pro Jahr werden dort 300 Mädchen und Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet.

Wir nehmen dann unsere Regenschirme und fliegen wie Mary Poppins nach Groß­britan­nien. In London trinkt man ständig Tee, isst dazu kleine Sandwiches und Shortbread. Es gibt eine Königin und 150 Femizide jedes Jahr.

Wir reisen weiter, wir überqueren den Ärmelkanal und landen in Frankreich, dem Land der Romantiker, wo alle Schriftsteller werden wollen und Liberté, also Freiheit, eines der höchsten Güter ist. Man isst Croissants, trinkt Rotwein und tötet durchschnittlich 150 Frauen und Mädchen jedes Jahr.

Es geht weiter nach Italien – eine wahre Schatzkiste für alle Kunstliebhaber, auch bekannt für die gute Küche und die exzellent gekleideten Fußballer. Dort werden pro Jahr um die 100 Femizide begangen.

Wir steigen dann in einen Nachtzug, dank ÖBB, fahren wieder nach Hause, und hier ist es ja auch sehr schön, wie wir wissen. Es gibt die Sisi, es gibt den Fritzl, wir haben das Schnitzel erfunden. Pro Jahr werden hier um die 40 Mädchen und Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet. (Abg. Amesbauer: Sie haben Schweden vergessen! Da ist die größte Migrantengewalt an Frauen!)

Zusammenfassend: In Europa werden jeden Tag durchschnittlich zehn Frauen aufgrund ihres Geschlechts getötet, und wir wissen, meist ist der Täter der Partner, Ex-Partner


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