oder ein enger Angehöriger. Das Zuhause ist statistisch gesehen der gefährlichste Ort für Frauen.
Wir haben heute auch schon gehört, dass jede zweite Frau in Europa seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt oder erlebt hat, aber nur jedes dritte Opfer meldet sich auch bei der Polizei oder einer entsprechenden Organisation. Und dann taucht zu allem Überfluss auch noch eine weltweite Pandemie auf. Corona ist für alle schrecklich und eine Zumutung, aber besonders betroffen sind wieder einmal die Frauen, und zwar gleich auf zwei Ebenen: zum einen durch häusliche Gewalt und zum anderen am Arbeitsmarkt.
Zum Ersteren, zu Corona und dem Zuhause: Wo ist man während einer Pandemie? Man ist zu Hause, und das bedeutet leider auch, dass die häusliche Gewalt zunimmt. Es ist auch die Zahl an Betretungsverboten in Österreich seit März um 13 Prozent gestiegen. In Italien übrigens war die Anzahl der Anrufe bei Antigewaltschutzzentren im März um 75 Prozent höher als zu Nichtpandemiezeiten. Corona multipliziert also häusliche Gewalt, das ist eine Tatsache. Auch eine Tatsache ist, dass unser Frauenbudget genau 0,015 Prozent des gesamten Budgets ausmacht, das wird bei der Umsetzung der Istanbulkonvention zum Schutz von Frauenrechten nicht besonders helfen.
Die zweite Folge der Pandemie ist für Frauen die hohe Gefahr von Jobverlust, von Arbeitslosigkeit. Wir alle wissen, Corona bedeutet Wirtschaftskrise, Corona bedeutet leider auch Arbeitslosigkeit. Wenn es knapp wird, dann sind die Frauen die Ersten, die draufzahlen: Sie werden zum Beispiel gekündigt, weil sie eh bald in Karenz gehen oder weil sie, wie das auch demnächst gewünscht ist, zwangsweise, wenn sie schwanger sind, ab der 14. Schwangerschaftswoche zu Hause bleiben sollen, wenn sie Kundenkontakt haben, oder sie stecken eben zurück und kümmern sich um Homeschooling und Co, weil es nicht anders geht, nicht anders zu schaffen ist und weil ja eh er mehr verdient.
Wenn es so weitergeht, dann sind wir auch bald im Gleichbehandlungsmittelalter. Wir kennen alle noch die Geschichten unserer Mütter und Großmütter von Frauen, die finanziell völlig von ihrem Mann abhängig waren, die wie ein Schulkind Taschengeld bekommen haben, ein monatliches Haushaltsgeld zugeteilt bekommen haben, die Abrechnungen, Belege dafür vorlegen mussten – und die sich natürlich auch nicht scheiden lassen konnten, denn: Wovon sollten sie leben?
Ich persönlich möchte nicht mehr dorthin. Ich will, dass die Reise für Frauen und Männer weg von Gewalt hin zu Gleichberechtigung und einem gewaltfreien Leben geht, und zwar in ganz Europa, in dem Europa, wo wir uns rühmen, die Menschenrechte erfunden zu haben, und auch sonst ganz gerne die Nase hoch tragen, wenn wir anderen Menschen erklären, wie sie zu leben haben. – Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS sowie der Abg. Disoski.)
11.21
Präsidentin Doris Bures: Nächste Rednerin: Frau Abgeordnete Michaela Steinacker. – Bitte.
Abgeordnete Mag. Michaela Steinacker (ÖVP): Sehr geehrte Frau Präsidentin! Frauen Ministerinnen! Geschätzte Kolleginnen und Kollegen im Hohen Haus und geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger! Ja, diese Europastunde ist ein ganz wichtiges Signal, ein ganz starkes Zeichen für all diejenigen, die in Österreich leben, für all diejenigen, die diese Fernsehübertragung sehen, ein starkes Zeichen im Rahmen der Kampagne Orange the World. Wir haben in den letzten zwei Wochen etliche öffentliche Gebäude in orangem Licht erstrahlen lassen. Es geht darum, aufmerksam zu machen – aufmerksam zu machen auf das Thema Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
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