Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll71. Sitzung, 11. Dezember 2020 / Seite 221

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deswegen absolut unverständlich, weil es gerade wir zwei, ÖVP und FPÖ, waren, die das damals sogar für das Regierungsprogramm ausverhandelt haben. Kollege Haub­ner – er ist jetzt nicht da –, Kollegin Graf: Wir haben das damals ausgemacht. Sie waren damals begeistert, daher verstehe ich überhaupt nicht, warum Sie dem jetzt nicht zustim­men wollen, sehr geehrte Damen und Herren.

Ich kann es mir nur dadurch erklären, dass Sie insgesamt überhaupt keine Ahnung von der Realität von Sportvereinen in Österreich haben, dass Sie keine Ahnung davon ha­ben, wie es ist, in Österreich als Profisportlerin – Betonung liegt auf „in“, denn für Frauen ist es immer noch schwieriger als für Männer – in einem Verein auf der Suche nach einer geeigneten Sportstätte zu sein. Sie wissen anscheinend nicht, wie das ist, wenn man nach einigen Staatsmeistertiteln tatsächlich einmal international, im Europacup spielen möchte und dafür nicht die notwendige und geeignete Halle hat. Sie wissen anscheinend nicht, welche Auflagen da auf sie als Verein zukommen, wenn Sie international spielen wollen. Da wird einem alles vorgegeben, vom Dress über die Flasche über die Aufma­chung bis zur Länge der Socken.

Vor allem gibt es gewaltige Auflagen, was die Sportstätten anbelangt. Da gibt es ein dickes Buch darüber, wie die Sportstätte genau auszusehen hat, vom Fassungsvermö­gen über die Zuschaueranzahl bis hin zu Linien am Boden. Finden Sie einmal eine Halle in Österreich, die beispielsweise nur Basketballlinien hat! Die meisten haben wesentlich mehr Linien am Boden. Das geht weiter über Anzeigetafeln bis hin zu Garderoben und vielem, vielem mehr.

Wir haben damals zum Beispiel versucht, in Wien eine geeignete Halle für ein Europa­cupspiel zu finden, und ich kann Ihnen sagen, wie viele Hallen es in Wien gibt, die dafür geeignet sind: Es gab damals genau eine, und das war die Stadthalle. Und jetzt können Sie sich einmal vorstellen, wie schwierig es für einen Verein mit einem Jahresbudget von ungefähr 100 000 Euro ist, sich für ein Europacupspiel die Stadthalle zu leisten. Ich kann Ihnen sagen: Es ist nicht möglich, sehr geehrte Damen und Herren!

Warum Sie daher nicht zustimmen, dass genau diesen Vereinen bei ihren Ambitionen, international zu spielen, Österreich zu repräsentieren, geholfen wird, warum Sie nicht zustimmen wollen, dass mit einer einfachen Stelle im Ministerium diesen Vereinen ge­holfen wird, ist für mich absolut unerklärlich. Es kann nur damit erklärt werden, dass Sie überhaupt keine Ahnung von Sport haben.

Sehr geehrte Damen und Herren, überdenken Sie diese Vorgehensweise noch! Erfolge im Sport sind eng verbunden mit dem Vorhandensein von geeigneten Sportstätten. Nur mit einer geeigneten Infrastruktur ist eine Spitzenleistung möglich. Genau aus diesem Grund habe ich diesen Antrag eingebracht. Hören Sie auf jemanden wie mich, die als Sportlerin jahrelang unter diesen schrecklichen Zuständen in Österreich gelitten hat! Er­möglichen Sie zumindest den nächsten Generationen den Zugang zu ordentlichen Sport­stätten und damit auch die Verwirklichung des Traums von einer internationalen Karriere! (Beifall bei der FPÖ.)

14.24


Präsident Ing. Norbert Hofer: Zu Wort gelangt nun Frau Abgeordnete Mag.a Agnes Sirkka Prammer. – Bitte schön, Frau Abgeordnete.


14.24.20

Abgeordnete Mag. Agnes Sirkka Prammer (Grüne): Herr Präsident! Herr Bundesmi­nister! Geschätzte Zuseherinnen und Zuseher! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ja, vom Prinzip her ist diese Idee einer Sportstättenkoordinierungsstelle nicht schlecht, das habe ich auch schon früher gesagt. Das wäre so eine Art Vermittlungsagentur, die quasi ein Portfolio an Sportstätten zur Verfügung hat, und wenn eine Sportlerin, ein Sportler oder ein Verein kommt und sagt: Ich bräuchte für diese oder jene Sportart, für dieses oder jenes Ereignis eine Sportstätte!, dann kann diese vermittelt werden.

 


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