Ja, super Idee, und ich glaube, auch die Frau Staatssekretärin wird diesen Ball mit großer Freude aufnehmen und genau das auch tun.
Warum ist das wichtig? – Die Erklärung liegt auf der Hand und wurde ja von Kollegin Ecker gerade auch erwähnt: weil wir eine Schieflage zwischen den Geschlechtern haben. Und wenn wir aus der 150-jährigen Geschichte des Feminismus eines gelernt haben, dann das, dass abwarten nicht hilft, sondern das Einzige, das hilft, ist: genau nachzählen, genau nachmessen, genau nachschauen, welche Netzwerke, welche Abhängigkeiten es in einem Sektor gibt, welche Förderungen wirken, wie Entscheidungen fallen, wie die Posten besetzt werden und ganz speziell natürlich auch, wo das Geld und die Ressourcen hingehen. Genau das werden wir jetzt für alle Bereiche von Kunst und Kultur regelmäßig machen.
Ein paar Worte noch zur Filmwirtschaft, wo das ja schon in den letzten Jahren gemacht wurde, wo man weiß, dass das eine sehr männerdominierte Branche ist; aber wie sehr, das hat man erst in dem Moment gemerkt, als man wirklich mit dem doch erstaunlichen Ergebnis nachgezählt hat, dass 80 Prozent der Ressourcen beim Film an Männer gehen, und bei den TV-Serien – einem besonders öffentlichkeitswirksamen Segment dieser Branche – sind es sogar 92 Prozent. Das mögen ja zum Großteil auch nette Menschen sein, aber dennoch: Dieses Verhältnis entscheidet darüber, was als wichtig definiert wird, wie über Themen entschieden wird, wie Storys entwickelt werden, wie Charaktere und Rollen beschrieben werden, und selbstverständlich prägt das unsere Sicht auf die Welt und unseren Auftritt auf der Welt.
Deshalb ist nachzählen so wichtig, daher: Danke, NEOS, für diese Initiative. Ich freue mich auf das Ergebnis. – Danke schön. (Beifall bei den Grünen sowie bei Abgeordneten von ÖVP und NEOS.)
15.29
Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Zu Wort gemeldet ist Abgeordnete Becher. – Bitte.
Abgeordnete Mag. Ruth Becher (SPÖ): Herr Präsident! Frau Staatssekretärin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Viele österreichische Künstlerinnen sind weltberühmt und kunstschaffende Frauen, egal in welchem Zweig – bildende Kunst, Filmschaffen, Kino, Theater, Musik –, werden in der Öffentlichkeit wahrgenommen.
Es liegt natürlich nicht an der Leistung, aber Kunst hat auch eine finanzielle Dimension. Kunst ist ein Teil der Wirtschaft und da sieht die Sache – wie in den meisten Wirtschaftsbetrieben – natürlich anders aus. Bleiben wir beim Bereich Film – meine Kollegin hat das vorhin dargelegt, und es ist auch im Antrag sehr genau ausgearbeitet ‑: Nur einer von fünf Filmen bekommt eine Herstellungsförderung zugunsten von Frauen, vier von fünf Förderungen gehen an Männer. Das gleiche Verhältnis findet sich natürlich auch in den Entscheidungsgremien des Österreichischen Filminstituts: nur auf jedem fünften Sessel sitzt eine Frau, auf den vier anderen Sesseln sitzen Männer. Dass diese Umstände ans Licht kommen, ist natürlich diesem Report, dem Film Gender Report, zu verdanken. Ob das jetzt beim österreichischen Film besser oder schlechter ist als in anderen Bereichen, das wissen wir nicht, wir wissen nur, dass es da Transparenz gibt.
Für uns als SPÖ ist es wichtig, dass wir einen Einblick in die Positionen haben. Frauen sollen in allen Kunst- und Kulturbereichen gleichberechtigt sein und vor allem auch frei von Diskriminierung und Benachteiligung ihrem Beruf nachgehen können. Daher ist dieser Genderreport wichtig, egal, ob er alle zwei Jahre oder alle fünf Jahre gemacht wird, wie in dem Antrag gefordert. Der Bericht ist eine gute Grundlage für zukünftige Maßnahmen, aber, das möchte ich ausdrücklich sagen, mit dem Bericht alleine ist noch nichts geschehen.
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