Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll71. Sitzung, 11. Dezember 2020 / Seite 284

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man sich Lebensmittel kaufen soll, wie man die Miete bezahlen soll et cetera. Man lässt die Studis im Regen stehen, das habe ich gestern schon betont.

Um zur Studierbarkeit zurückzukommen: Die Lebensrealitäten sind vielfältig. Es gibt den Studenten, der nach der Matura sein Studium beginnt und nebenbei in unterschiedlichs­tem Stundenausmaß arbeiten geht. Es gibt die Jungunternehmerin, die vielleicht gerade an ihrem Start-up feilt und nebenbei das Studium macht, um sich einfach noch mehr Expertise zu verschaffen. Es gibt die Mutter, die Betreuungspflichten hat und während der Karenz studieren geht. Es gibt den Arbeiter, der einen Studienbefähigungslehrgang gemacht hat und jetzt an der FH für ein Bachelorstudium inskribiert und sich dort durch­kämpft. Und das ist gut so, so will ich die Studierenden 2020 sehen. Das sollte noch viel vielfältiger werden – darauf werden wir auch schauen ‑, und deswegen braucht es best­mögliche Rahmenbedingungen beim Studieren, bei der Studierbarkeit im Regelstudium.

Nur noch eine Statistik, die das Momentum Institut diese Woche herausgebracht hat: 22 Prozent der ArbeiterInnenkinder beginnen ein Bachelorstudium, 7 Prozent beginnen ein Masterstudium, weniger als 1 Prozent beginnt ein Doktoratsstudium. – Ich glaube, das ist ein klarer Handlungsauftrag. Studieren darf einfach kein Elitenprogramm sein. Wir werden auf jeden Fall weiterhin den Finger in diese Wunde halten. – Danke. (Beifall bei der SPÖ.)

18.09


Präsidentin Doris Bures: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abgeordnete Maria Theresia Niss. – Bitte.


18.09.58

Abgeordnete Mag. Dr. Maria Theresia Niss, MBA (ÖVP): Frau Präsidentin! Sehr ge­ehrter Herr Minister! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Die Uni ist heute nicht mehr wie früher nur ein Ort, an den die Studenten nach der Matura kommen und an dem sie kürzer oder länger studieren. Herr Kollege Graf, in diesem Zusammenhang: Ihr Kommentar in Richtung des Herrn Marchetti ent­behrt ehrlich gesagt jeglicher Kommentierung (Abg. Kassegger: Warum?), aber ich muss ganz ehrlich sagen, das reiht sich natürlich in eine Serie von Experimenten, Kom­mentaren oder wirklich letztklassigen Reden aufseiten der FPÖ ein. (Beifall bei ÖVP und Grünen sowie des Abg. Hoyos-Trauttmansdorff. – Zwischenruf des Abg. Kassegger.)

Wie gesagt wird heutzutage auf den Universitäten nicht mehr nur ein Basisstudium ab­solviert, sondern sie sind auch ein Ort des lebenslangen Lernens geworden, und das nicht mehr nur in Richtung rein wissenschaftlicher Weiterbildung, sondern es geht na­türlich auch um Weiterbildung, die vor allem für den späteren Beruf notwendig ist und die auch den Beruf, den man davor ausgeübt hat, inkludiert.

Das ist wichtig, meine Damen und Herren, denn die Leute wollen und müssen sich wei­terbilden. Das ist kostenintensiv, und dieser Weiterbildungsbedarf wird auch noch weiter wachsen, wenn man zum Beispiel bedenkt, dass 90 Prozent der österreichischen Unter­nehmen weiterbildungsaktiv sind – im produzierenden Bereich ist der Anteil sogar noch höher –, und dieser Prozentsatz ist auch durch die Coronakrise nicht geringer geworden. Der Weiterbildungsbedarf wird natürlich auch noch weiter steigen, weil der technologi­sche Wandel das ganz einfach erfordert.

Klar ist aber auch, dass man heutzutage auf den Universitäten nicht unbedingt die opti­malen Voraussetzungen vorfindet. Es gibt eine sehr heterogene Ausbildungslandschaft, es gibt über 900 unterschiedliche Weiterbildungskurse auf 62 Hochschulen. Wir haben unterschiedliche Voraussetzungen für die Zugänge. Bei den einen Weiterbildungskursen braucht man eine Matura, bei den anderen braucht man keine Matura, also es ist ein bisschen schwierig, sich da sozusagen durchzuwühlen.

 


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