Nationalrat, XXVII.GPStenographisches Protokoll117. Sitzung, 8. Juli 2021 / Seite 270

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erreichen als ihre männerlastigen Mitbewerber – etwas, worauf die ÖVP und die FPÖ gerne verzichten.

Die Credit Suisse hat in ihrem Bericht Gender 3000 im Jahr 2019 erhoben, dass Unter­nehmen mit einem höheren Frauenanteil im Senior Management eine höhere Cash­flowrendite auf investiertes Kapital haben, weniger volatil sind und nachhaltiger agieren.

Die London School of Economics hat in ihrer Studie zur Krise des mittelmäßigen Mannes gezeigt, dass in der Politik ein um 10 Prozent erhöhter Frauenanteil den Anteil an kompetenten Männern um 3 Prozent erhöht (Abg. Amesbauer: So ein Blödsinn!), weil dann der Anteil an inkompetenten Männern anscheinend sinkt. (Heiterkeit und Beifall bei NEOS und Grünen.)

Die letzte Zeitverwendungsstudie der Jahre 2008/2009 hat gezeigt, dass in Österreich jährlich 9 Milliarden Stunden unbezahlte Arbeit verrichtet werden. Würde diese Arbeit bezahlt werden, würde unser BIP um 27 bis 35 Prozent wachsen.

In einer Befragung des International Social Survey Programme – ich komme schon zum Ende, keine Sorge – stimmten 52 Prozent der Frauen in Österreich der Aussage, dass das Familienleben leidet, wenn die Mutter Vollzeit arbeitet, zu oder stark zu. In Schwe­den stimmen dieser Aussage nur 15 Prozent der Frauen zu. In Schweden gibt es auch einen sehr hohen Anteil an Frauen in Führungsfunktionen, übrigens ganz ohne gesetz­liche Quote.

Also wir sehen schon, wo die Probleme liegen. Man müsste halt konkrete Schritte unternehmen und sich einfach nur all diese Studien durchlesen, die es schon gibt. – Vielen Dank. (Beifall bei den NEOS.)

22.47


Präsident Mag. Wolfgang Sobotka: Frau Abgeordnete Himmelbauer ist zu Wort ge­meldet. – Bitte.


22.47.29

Abgeordnete Eva-Maria Himmelbauer, BSc (ÖVP): Herr Präsident! Frau Ministerin! Werte Kolleginnen und Kollegen! Ich bin eigentlich sehr dankbar für diese sehr lebhafte Diskussion, die wir heute führen. Ich glaube, es ist ein sehr wesentlicher und wichtiger Beitrag, und sehr viel Richtiges ist heute schon gesagt worden, sehr vieles, auf das wir aufsetzen können, aber ich bin auch davon überzeugt, dass wir noch sehr viel mehr tun können und uns auch mehr an Wissen aneignen können. Ein paar Gedanken auch von meiner Seite dazu, die ich vielleicht in der gebotenen Zeit sehr kurz halte.

Sicherlich ein Faktor für viele Frauen in der beruflichen Karriere ist auch, die Themen Beruf und Familie zu verbinden und unter einen Hut zu bekommen, was ich persönlich jetzt auch sehr stark miterlebe. Ich möchte aber trotzdem den Versuch eines anderen Problemaufrisses machen, der uns hier hoffentlich auch zu Handlungsoptionen führt, die wir ja heute einfordern. Vielleicht sei der FPÖ noch einmal mitgegeben: Der Antrag zielt nicht auf die Einführung einer Quote oder auf eine Quotenanalyse ab, sondern es geht um Handlungsoptionen, um Maßnahmen im internationalen Vergleich, und da sollen die Gedanken frei sein und es soll auch alles betrachtet werden können. (Beifall bei ÖVP und Grünen.)

Worauf ich aber hinauswollte: Ich glaube nicht, dass es Frauen absichtlich schwer gemacht wird, in Führungspositionen zu gelangen. Es gibt keine Verschwörungstheorie in diesem Bereich, sondern es gibt immer noch stark eingeprägte Stereotypen, Rollen­klischees, Rollenbilder, die wir bewusst oder unbewusst einfach auch bedienen und die uns daran hindern, Fortschritte zu machen. Wenn wir heute über Frauen und Führungs­positionen reden, dann sehen wir, dass Führungspositionen gewisse Attribute zugeordnet


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