Ernst KRAMMER: Zunächst einmal hatte ich Bedenken gegen den Computer, ich bin aber dann ein ausgesprochener Computerfan geworden, indem ich mich eben mit der Textverarbeitung angefreundet habe.
Leopold FRUHMANN: (…) das ist alles immer effizienter geworden und hat uns tatsächlich die Möglichkeit gegeben, die unglaublich zunehmenden Aufgaben zu bewältigen, die wir hatten. Da hatte Präsident Fischer schon das Amt übernommen und hat eine PR-Offensive sondergleichen gestartet, das war eine großartige Sache. Wir mussten da dabei sein.
Olga VIKLICKY: Ich habe immer sehr, sehr gern gearbeitet, aber wenn du dann einen ganzen Tag arbeitest und am Abend sind zwei Drittel davon weg, und du bist aber nicht schuld, sondern der EDV-Mann sagt: "Ja, da könn‘ ma nix machen, der hot si‘ hoit heute aufg’hängt!"
HAIPL: Die technische Entwicklung bleibt nicht stehen und macht auch vor dem Parlament nicht Halt. Nein, heute geht es nicht um künstliche Intelligenz und wie sie Abgeordnete ersetzen könnte,...
KI: … oder wie Künstliche Intelligenz den tollen Sprecher dieses wunderbaren Podcasts ersetzen könnte.
(Scheppern, Krach)
HAIPL: Moment… wir haben da ein kleines technisches Problem gehabt. So. Wo waren wir… technischer Fortschritt, genau. Und was das für Herausforderungen für Beamtinnen und Beamten bringt, aber auch was für Vorteile.
[Jingle]
HAIPL: In diesem Podcast hören Sie Anekdoten und persönliche Erinnerungen von ehemaligen Mitgliedern des National- und Bundesrats, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der parlamentarischen Klubs und der Parlamentsdirektion. Die Aufnahmen stammen aus den Archiven des Parlaments aus den letzten Jahren. Und dieses Mal erfahren wir, wie sich technische Neuerungen auf die Arbeit im Parlament ausgewirkt haben – vorab: die Belegschaft hat sich nicht immer über diese gefreut.
Fernschreiber, Xerokopie, Fax, liebe Gen Z, habt ihr schon davon gehört? Das war alles vor dem Computer. Ja, sogar vor den ganz langsamen Computern, die mit den groben Pixeln. Sogar vor den Konsolen, UND vor den Gameboys. Sehr, sehr lange her, wirklich! Und auch in der Parlamentsdirektion hat sich da natürlich einiges getan bei der Arbeit im Dienste der Demokratie. Auch das ist Geschichte. Und deshalb lassen wir heute hauptsächlich ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Geschichten erzählen. Denn die können sich da an einige interessante Details erinnern…
Zum Beispiel Olga Viklicky, sie ist 1967 in die Parlamentsdirektion eingetreten, als Sekretärin des damaligen Präsidenten Maleta. Sie hat so einige technische Entwicklungen durchgemacht, was nicht immer leicht war, wie sie sich erinnert:
VIVIKLICKY: Wir haben ja einen Fernschreiber gehabt mit Lochstreifen, und der Lochstreifen war dann oft schon so lang, der ist dann oft gerissen, und da kam dann auch schon so etwas wie ein kleiner Computer mit einem kleinen Bildschirm. Das war ein Fernschreiber mit einem kleinen Bildschirm, war auch sehr kompliziert, und da hatte ich auch die Ehre, alle Journaldienstkräfte einzuschulen. Denn ein Fernschreiber war meistens sehr wichtig an Journaldiensttagen, wenn zum Beispiel ein Staatsoberhaupt gestorben ist, und man musste dann für den Herrn Präsidenten dringend kondolieren, das ist ja früher mit dem Fernschreiber erfolgt. Und da weiß ich noch, alle habe ich abgehakerlt, alle habe ich eingeschult, und dann kam der Herr Kanzleidirektor und sagte: "Wir brauchen das Gerät nicht mehr, wir bekommen ein Fax." Wieder ein neues Wort: Fax. Dann haben wir halt gefaxt. Oder auch später mit dem Einscannen – wieder ein neues Gerät, oder auch bei den ganz normalen Kopiergeräten, früher haben wir ja Xerokopie gesagt, dann war es die Photokopie, es waren auch immer wieder neue Geräte, und ich kann mich erinnern, das allerletzte Kopiergerät war schon so kompliziert, da hast du wirklich eine Einschulung bekommen von dem Mann der Firma, denn sonst hättest du dieses Gerät nicht bedienen können. Natürlich konnte das Gerät wahnsinnig viel, es konnte schon zusammentragen, man konnte Fotos kopieren für die Abgeordnetenausweise, also, es ist schon großartig gewesen, was da die Technik bewirkt hat, es ist eben ein Für und Wider. Aber besonders für die älteren Kolleginnen war es oft wirklich der Grund, um in Frühpension zu gehen. Wenn einer 58 oder 59 war, der hat das oft wirklich nicht mehr geschafft.
HAIPL: Trotz Xerokopie- ganz ohne Bastelarbeit ist es auch damals nicht gegangen, wenn man ein Gesetz schreiben wollte, so Peter Kostelka ehemaliger Sekretär für die Parlamentspartei, Bundesrat, Nationalrat und Klubsekretär der SPÖ und ab 1974 im Parlament:
Peter KOSTELKA: Also ich kann mich erinnern, für mich, für den Sekretär, war es damals, weil ich relativ viele Gesetze geschrieben habe, sehr problematisch, die Gesetzestexte zu produzieren. Da musste alles ausgeschnitten und wieder zusammengeklebt werden, da hat es beim UOG aber auch in anderen Zusammenhängen Gesetzesseiten gegeben, die eine beachtliche Dicke von drei, vier, fünf Blatt gehabt haben, und die hat man dann kopiert – die Xerokopie war Gott sei Dank schon erfunden –, aber ich habe dann in den 90er-Jahren den ersten Schreibautomaten bekommen, das war ein erstaunliches Wunderwerk und hatte seinesgleichen in der ganzen Parlamentsdirektion nicht, auch dort hat es erst langsam begonnen, die Wunder der IT in den parlamentarischen Alltag einzuspielen. Aber das hat nicht vor der Mitte der 90er-Jahre wirklich eingesetzt.
HAIPL: Ernst Krammer hat schon 1952, noch während der Schulzeit mit dem Parlamentsstenographenkurs begonnen. Wunderschönes Wort: Parlamentsstenographenkurs. Und ist dann 1958 in den Dienst für die Stenographie in die Parlamentsdirektion eingetreten. Er war in den 80ern, also am Anfang noch skeptisch gegenüber der Einführung des Computers.
KRAMMER: Zunächst einmal hatte ich Bedenken gegen den Computer, ich bin aber dann ein ausgesprochener Computerfan geworden, indem ich mich eben mit der Textverarbeitung angefreundet habe. Und es war für mich schon fantastisch. Zunächst einmal hat man ein Wort, das falsch geschrieben war, durchgeixt, und dann hat man es ganz einfach auf einfache Weise geschrieben, da hat man den Cursor zu Hilfe gezogen – das ist schon ein Riesenfortschritt. Ich habe ja diese armen Teufel noch miterlebt in der Staatsdruckerei, die im Bleisatz gearbeitet haben, die haben die Bleidämpfe eingeatmet, das war ja Gift, und insofern war das natürlich schon ein großer Fortschritt, insgesamt gesehen, und vor allem die Vervielfältigung.
HAIPL: Maria-Luise Janota hat zuerst für einen Parlamentsklub gearbeitet und hat dann später in die Parlamentsverwaltung gewechselt. Sie hat somit auch einige technische Entwicklungen miterlebt:
Maria-Luise JANOTA: Ich bin am 1. September 1981 reingekommen, die neueste Büroerrungenschaft war ein Faxgerät, darauf war man ganz stolz, und ein, zwei Jahre später hat es im Sekretariat Schreibmaschinen gegeben mit einem Display, wo man ein, zwei Zeilen gespeichert hat, da konnte man sehen, ob ein Fehler war, den konnte man dann noch korrigieren, bevor das dann aufs Papier gedruckt wurde. Also, das waren die neuesten Errungenschaften.
Ich habe dann – man braucht ja ein gewisses Archiv, heute drückt man auf ein Knopferl, Kasterl, es ist ja alles da, ob es richtig oder falsch ist, ist etwas anderes – in meinem Kasten ein Zettelarchiv gehabt. Da hat es diese Hängemappen gegeben, und da habe ich Zeitungsausschnitte oder bestimmte Berichte oder Studien zu detaillierten Themenkreisen eingeordnet, damit ich das immer hatte. Und so ein Zettelarchiv habe ich lange, lange Zeit gehabt, eigentlich bis 1999. Und das hat sich sehr bewährt, es war aber viel Arbeit.
HAIPL: Ein einfaches "Delete" gab es früher nicht. Fürs Löschen von Tippfehlern brauchte man einen Gehörschutz. Olga Viklicky erzählt:
VIKLICKY: Schon im Büro des Herrn Präsidenten hatte ich die Ehre, auf einer elektrischen Maschine zu schreiben, die hatte sogar schon ein Korrekturband, das war eine Sensation….
Am Anfang haben wir eben auf der elektrischen Maschine noch immer Stahlmatrizen eingespannt, und zwar bei den Tagesordnungen für das Plenum, denn da hat es immer geheißen, das ist besser für unsere Hausdruckerei, weil man mehr Abzüge machen kann. Und das war sehr kompliziert, wenn man sich da vertippt hatte, man konnte nicht radieren, da gab es einen Spezialstift, mit dem musste man den Buchstaben wegkratzen, den man nicht wollte – das war so ein grausliches Geräusch. Also, man hat sich sehr bemüht, langsam zu schreiben, um ja keinen Tippfehler zu machen, weil das Entfernen des falschen Buchstabens war wirklich grauslich, es waren entsetzliche Geräusche, und das wollte man eben vermeiden.
HAIPL: Doch dann, so Olga Viklicky:
VIKLICKY: … dann war schon der Fortschritt da, dann kam die Wachsmatrize. Da hat man aber eher auch noch langsam geschrieben, denn da musste man einen Buchstaben, den man nicht wollte, wo man sich vertippt hatte, weglackieren. Das war so wie Nagellack, so ein leicht rosa Lack, der musste aber wieder so lange trocknen, vielleicht 10 Minuten, aber das ist ja auch lange, wenn man weiterschreiben möchte. Ja, da hat man sich eben auch sehr bemüht, keinen Fehler zu machen. Etwas später, das war dann schon eine Sensation, bekam die Druckerei neue Geräte, wo man schon die Tagesordnungen auf normalen Papier schreiben konnte. Das war dann schon sehr, sehr angenehm.
HAIPL: Doch es wurde noch besser.
VIKLICKY: Viel, viel später kam dann das erste Textverarbeitungsgerät: Das war ein Riesenkasten mit einem großen Bildschirm, einer großen Diskettenstation mit Arbeits- und Systemdiskette und einem riesigen Drucker, und der war so laut, da hat uns die Firma gesagt, ihr könnt euch einen Schallschluckdrucker nehmen, also eine Schallschluckhaube, ja, das haben wir dann natürlich bestellt. Dann kam das Ding, aber wir mussten bei jeder Seite immer auf- und zumachen.
HAIPL: Solche technischen Umstellungen können schon schlaflose Nächte bereiten. Olga Viklicky weiter:
VIKLICKY: Ja, es war sehr, sehr schwierig, und es sind sehr viele Tränen geflossen, und ältere Beamtinnen sind dann oft sogar in Frühpension gegangen, sie konnten nicht mehr schlafen. Früher hat man noch nicht "Burnout" gesagt, aber das war sicher schon so ähnlich, denn wenn ich schlaflose Nächte habe, Herzbeschwerden und so weiter, oder Kopfweh oder ich mich nicht mehr rühren kann, weil das Kreuz so weh tut – man sagt ja immer, man trägt einen großen Rucksack und darum hat man dann Kreuzweh, und das stimmt wirklich, bei vielen Personen war das so ... also, es war manchmal direkt unmenschlich. Als wir unseren ersten Computer bekommen haben, haben wir nur drei halbe Tage Einschulung gehabt, und dann hätten wir alles wissen sollen – also, es war wirklich unmenschlich. Wir durften aber immer bei der EDV-Abteilung anrufen, und diese Menschen waren wirklich so geduldig und lieb und nett, aber natürlich, bei dringenden Arbeiten, wenn dann ein Absturz war, konnten sie uns auch oft nicht helfen, oder es waren nur mehr Fragmente da, da waren schon auch die Nerven sehr, sehr angespannt.
HAIPL: Und schon damals war die Frage: welches System ist besser? Apple, Windows, Linux? Nein, nein, damals gab es noch viel mehr und ganz andere Systeme. Ernst Krammer erinnert sich:
KRAMMER: Wir haben zunächst einmal den "820er" gehabt und den "860er", die gibt es ja heute alle nicht mehr, und dann sind im Haus verschiedene Systeme verwendet worden – jeder Klub hat ein anderes System gehabt. Ich weiß gar nicht mehr, welches System der ÖVP-Klub gehabt hat, der hat, glaube ich, IBM gehabt, und der Dr. Kostelka war auf einsamem Posten, der war Klubsekretär, das wissen Sie ja, der hat auch da herumprobiert. Und der Dr. Wasserbauer hat schon in Richtung heutiges System gearbeitet, der hat schon eingesehen, dass jeder Klub ein und dasselbe System braucht. Und allmählich mit dem Bill Gates, mit dem Windows-System, ist dann ein System eingeführt worden, das wirklich brauchbar war.
HAIPL: Leopold Fruhmann, ehemaliger Stenograph und Redakteur der Parlamentskorrespondenz erinnert sich an den Zugzwang zur Digitalisierung für die Pressearbeit in der Parlamentsdirektion:
FRUHMANN: Das war sehr spannend. Der Dr. Hirczy hat sein Amt angetreten als Chefredakteur und hat zunächst nicht gewusst, dass die APA sich sehr rasch digitalisieren wird, bin dahin, nämlich bis 1985, ist die APA auf Papier erschienen und hat kurzfristig ein Projekt der digitalen Vernetzung mit den Medien gestartet vor allem, aber auch mit großen Verbänden, Regierungsstellen. Und das hat für uns ein Riesenproblem bedeutet, denn die Parlamentskorrespondenz, die noch auf Papier erscheint, für die hätte sich überhaupt niemand mehr interessiert – wir mussten uns damals digitalisieren. Und das Problem war, dass es schon fürs Haus damals ein Digitalisierungskonzept gegeben hat, das war schon auf Schiene, hat aber logischerweise – ein Riesenapparat – gedauert bis 1993. Wir sind jetzt im Jahr 1986 gewesen, und da hat sich Hirczy damals dazu entschieden, gemeinsam mit der APA, mit der er personell sehr gut konnte – wir haben überhaupt mit der APA sehr gute Beziehungen gehabt, damals haben die APA-Redakteure und auch der Chef noch viel mit der Parlamentskorrespondenz zu tun gehabt die APA hat uns in ihr Digitalisierungsprojekt einbezogen. Das heißt, die Firma, die die APA digitalisiert hat, hat so quasi – Vorsicht –, als wären wir eine "Filiale" der APA, PCs zur Verfügung gestellt.
HAIPL: Schnelles Internet, immer und überall verfügbar? Leider nein. Das gabs damals nicht.
FRUHMANN: Ich war damals noch dabei, das war sehr interessant zu sehen: Der hat einfach den PC mit dem Telefon verbunden. Den PC aufgeschraubt und das Telefon aufgeschraubt – das war noch das mit der Wählscheibe –, angeschlossen, und wir konnten einen Text vom PC über die Telefonleitung an die APA schicken. Das war die Lösung – hervorragend! –, gut, dass das funktioniert hat. Und wir haben auf diese Weise in einem oder zwei Jahren eine komplette EDV-Insel geschaffen. Wir waren die ersten im Parlament, die auf diese Weise digitalisiert waren.
HAIPL: Doch das kennt man als Beta-Tester: ein Problem gelöst, ein anderes aufgeworfen:
FRUHMANN: Das Problem war, zuerst hatten wir nur dieses eine Gerät, und die anderen Geräte ... wir haben noch weiter auf Kugelkopfmaschinen geschrieben, es war schwierig umzusetzen. Wir brauchten alle PCs, damit wir auf Disketten dann den digitalisierten Text zum Chefredakteur gebracht haben, dann ist er an die APA gegangen. Aber das haben wir durchgebracht. Das war eine der großen Erfolgsstories der PK. Wir waren Ende der 80er-Jahre voll digitalisiert, mit der APA vernetzt, waren im Netz 2, so hat das geheißen, das Netz 1 waren ja die eigenen Meldungen der APA, und das hat deshalb funktioniert, weil die APA größtes Interesse an unseren Meldungen hatte.
HAIPL: Gerhard Horecky, ehemaliger Mitarbeiter der IT-Abteilung in der Parlamentsdirektion erinnert sich an viele technische Details. Zu sehr wollen wir hier aber nicht in die Tiefe gehen:
HORECKY: Ich bin 1989 in die Parlamentsdirektion gewechselt, weil ... es hat dieses Projekt PARLINKOM gegeben Parlamentarisches Informations- und Kommunikationssystem, das waren also drei Wörter, während das deutsche System PARLAKOM, also nur Parlamentarisches Kommunikationssystem geheißen hat. Die Zielsetzung dieses Systems war, heute würden wir wieder sagen: die Digitalisierung der Parlamentsdirektion. Es hatten damals zwar die Klubs schon eine IT, aber die Parlamentsdirektion war nur mit zwei Schreibgeräten Rank Xerox 860 ausgestattet. Das waren im Prinzip CBM-Rechner, aber das hat ja niemand gewusst, also CBM, ein Contract-Program von Mikroprozessors, das war quasi die Vorläuferversion des MS-DOS von der Firma Microsoft, beziehungsweise Microsoft hat ja MS-DOS zunächst von Tim Paterson gekauft. (…)
Die Zielsetzung von PARLINKOM war eben einerseits die Kommunikation mit den Klubs zu verbessern und andererseits dann später hin zur Bevölkerung, zu den Staatsbürgern.
HAIPL: Mit der Digitalisierung wurden auch die Kommunikationsmaßnahmen entsprechend erweitert, erinnert sich Leopold Fruhmann:
FRUHMANN: Wir haben einen PC auf den Tisch gestellt gekriegt, und dann haben wir nicht gewusst ... wir haben eingeschaltet und geschaut, was da passiert. Wie wir dazu gekommen sind, die ganze Arbeit auf dieses Gerät umzustellen, kann ich mir heute fast gar nicht mehr vorstellen. Aber es ist gelungen.
Das ist dann immer weitergegangen: Der PC ist immer leistungsfähiger geworden, die Möglichkeiten im Internet, das Recherchieren ... das ist alles immer effizienter geworden und hat uns tatsächlich die Möglichkeit gegeben, die unglaublich zunehmenden Aufgaben zu bewältigen, die wir hatten. Da hatte Präsident Fischer schon das Amt übernommen und hat eine PR-Offensive sondergleichen gestartet, das war eine großartige Sache. Wir mussten da dabei sein. Wie wir es bewältigt haben, war eine andere Frage. Wir haben ja die Kernaufgabe gehabt: Dokumentation, Ausschüsse, Plenum, Bundesrat, Besprechung der Vorlagen, und gleichzeitig ging es dann darum, internationale Konferenzen, Parlamentarische Versammlung der OSZE, Demokratisierungsseminare mit 50 Teilnehmern zu berichten, Dolmetscher ... natürlich enorm ausgebaute internationale Verflechtungen mit Parlamentsdelegationen, Vier-Augen-Gespräche des Präsidenten – er wollte alles dokumentiert haben und vor allem auch transparent nach außen kommuniziert haben.
HAIPL: Ja und in den 2000ern kamen dann - hurra- die ersten Laptops ins Haus. Karl Schweitzer, ehemaliger FPÖ-Abgeordneter und damals Staatssekretär im Bundeskanzleramt:
Karl SCHWEITZER: (...) in Japan haben wir so einen Laptop zur Verfügung gehabt, und da haben wir uns alle nicht wirklich ausgekannt, aber auf alle Fälle haben wir dann angefangen, mit dem Ding in Kyoto zu arbeiten, das war recht lustig. Und als das dann ins Parlament gekommen ist ... ja, ja, da hat jeder einen Laptop gekriegt – da habt‘s einen Laptop! Das war’s, soweit ich mich erinnern kann. Wir sind alle dagesessen mit einem Laptop, aber ich glaube, die meisten haben überhaupt keine Ahnung gehabt, wie man das Ding für die parlamentarische Arbeit verwendet, das war dann eher Learning by Doing. Ich weiß nur – ich war ja ab 2003 im Staatssekretariat, und da haben meine Mitarbeiterinnen Mails geschrieben von einem Büro ins andere, ins Büro nebenan, da habe ich gesagt: Habt ihr jetzt einen kompletten Vogel? Könnt ihr nicht rübergehen und miteinander reden? Dann habe ich erst angefangen, mich mit dem Ding wirklich auseinanderzusetzen. Natürlich ist das eine tolle Geschichte gewesen, keine Frage, aber ich muss sagen, ich war nicht gleich bei den ersten dabei.
HAIPL: Miteinander reden… genau, das hat es auch einmal gegeben..
Und am Ende nochmal ein Sprung zurück, zu Olga Viklicky und warum sie sich so gefreut hat, dass sie im Ruhestand nichts mehr mit Computern zu tun haben muss:
VIKLICKY: Was uns auch so fertig gemacht hat, alle Schreibkräfte, war, wenn wir etwas wirklich endlich gut beherrscht haben, kam schon wieder ein anderes Programm. Oder: Wir haben begonnen, ohne Maus zu arbeiten, plötzlich hat es geheißen, jetzt ist es aus mit diesem System, wir müssen jetzt mit Maus arbeiten. Na ja, am Anfang haben wir uns gedacht, macht ja nichts, der Bildschirm bleibt ja gleich und auch die Tastatur, aber es war so schwierig in Verbindung mit dieser Maus – rechte Maustaste, linke Maustaste, und die Verbindung eben zur Tastatur –, es geht da auch um die Formate, es war so schwierig. Kaum haben wir das gekonnt, hat es wieder geheißen: Jetzt gibt es das neue Windows! Also, es wurden dann wieder neue Programme erstellt und verbessert, und trotzdem waren immer wieder Abstürze. Es waren immer wieder Abstürze, und ich muss ehrlich sagen, das hat mir auch meine Nerven gekostet. Ich habe immer sehr, sehr gern gearbeitet, aber wenn du dann einen ganzen Tag arbeitest und am Abend sind zwei Drittel davon weg, und du bist aber nicht schuld, sondern: "Er hot si‘ aufg’hängt!" Der EDV-Mann sagt: "Ja, da könn‘ ma nix machen, der hot si‘ hoit heute aufg’hängt!" Also, wenn man so genau arbeitet und so viel Herzblut da hineintut, und das war dann für die Katz‘ sozusagen, war das schon demotivierend. Das war auch der Grund, weshalb ich dann gerne in Pension gegangen bin, das sage ich ganz ehrlich. Ich war dann so glücklich, und ich habe bis heute keinen Computer, das kommt mir nicht ins Haus, geht mir nicht ab, ich brauche es nicht. Meine Schulkollegin sagt immer – sie ist genauso alt wie ich –: "Wie kannst du ohne Internet leben?" Darauf sage ich: "Sehr gut!" (Lacht.)
HAIPL: Ganz ohne Internet lebt sie also sehr gut. Und was ist mit diesem wunderbaren Podcast? Wie hört sie den dann? Über Fax? Klingt dann ca. so:
(Faxgeräusch)
Falls Sie den Podcast jedoch weiterhin in allerbester Klangqualität, klar verständlich, unterhaltsam aber doch auch lehrreich hören möchten, würden wir uns sehr freuen, wenn Sie eine Bewertung hinterlassen oder uns abonnieren.
Ach ja und nur zur Info: ganz am Anfang dieser Folge hat ausnahmsweise tatsächlich die KI die Moderation übernommen. Ich hoffe, Sie verzeihen.
Ideen und Anregungen können Sie jederzeit an podcast@parlament.gv.at schicken. Vielleicht gibt es ja ein Thema, das Sie besonders interessiert.
Und weitere Informationen rund ums Parlament und seine Geschichte finden Sie auf den Social-Media-Kanälen des Parlaments bzw. auf der Webseite www.parlament.gv.at. Ich danke Ihnen fürs Zuhören, freue mich aufs nächste Mal, wünsche bis dahin eine gute Zeit und alles Liebe, ciao, ciao.