News 12.06.2023, 19:18

20 Jahre Österreichische Freunde von Yad Vashem

Nachdem das österreichische Parlament vergangenes Jahr eine Bildungskooperation mit der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem gestartet hat, wurde im Hohen Haus das 20-jährige Bestehen des Vereins "Österreichische Freunde von Yad Vashem" begangen. Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka lud gemeinsam mit der Organisation und der Holocaust-Gedenkstätte zu einer Festveranstaltung.

Es komme auf das Engagement der Zivilgesellschaft an, gegen Antisemitismus einzutreten, betonte Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka in seinen Eröffnungsworten. Denn die vom Parlament regelmäßig in Auftrag gegebene Antisemitismusstudie habe gezeigt, dass vor allem Bildung und Wissen über den Holocaust sowie über jüdisches Leben vor antisemitischen Einstellungen schützen. Das Parlament wolle dazu mit Initiativen wie dem Simon-Wiesenthal-Preis, Workshops in der Demokratiewerkstatt oder der Bildungskooperation mit der Gedenkstätte Yad Vashem beitragen, so Sobotka.

Die Erinnerung an die Millionen ermordeter Jüdinnen und Juden wachzuhalten, sei heute wichtiger denn je, zeigte sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Video-Grußbotschaft überzeugt. "Wir werden dem Andenken der Opfer der Shoah nur gerecht, wenn wir dafür sorgen, dass Menschenverachtung, Rassismus und Antisemitismus niemals wieder als politisches Instrument eingesetzt werden können", betonte Van der Bellen.

Der Zeitzeuge und Überlebende Heinrich Ehlers berichtete im Gespräch mit der Journalistin Renata Schmidtkunz von seiner Kindheit während der Nazizeit. Angesichts der Gefahr der Festnahme und Deportation des jüdischen Vaters und der Großmutter, versteckte sich seine Familie in einem Wiener Keller. "Wir wussten als Kinder nicht, was los ist", erklärte Ehlers. Bis zum Alter von sechs Jahren wusste er nur, dass er nicht reden und nicht laut sein dürfe und am besten nur sitzen sollte. Das gesamte Haus habe von dem Versteck der Familie gewusst und sie teilweise unterstützt und nicht verraten. Die Erfahrungen seiner Kindheit hatten lange Auswirkungen auf ihn. So habe er nicht in geschlossenen Räumen mit geschlossenen Fenstern schlafen können, erläuterte Ehlers. Mit 41 Jahren, Anfang der 1980er Jahre, sei das "Trauma der Eingesperrtheit" schließlich "raus gekommen" und er musste sich psychisch behandeln lassen. Auch heute noch seien die Wunden aus dieser Zeit offen.