News 29.04.2025, 12:48

Das Parlament im April 1945

Am 29. April übernahm die Provisorischen Staatsregierung in einem Festakt das Hohe Haus am Ring wieder als Parlament der Republik Österreich. Mit dabei waren zwei ehemalige Mitarbeiter aus der Zeit der Ersten Republik, die Stenographen Theodor Alt und Josef Meier. In den letzten Kriegswochen war das Parlamentsgebäude nur knapp der völligen Zerstörung entgangen. Seit 1938 hatten die Nationalsozialisten es als Wiener "Gauhaus" zweckentfremdet.

Die Säulenhalle wurde durch Bombentreffer beschädigt. Generell hatte während des Krieges 60 % der Bausubstanz im Parlament Schäden erlitten. 20 % des Hauses wurden als "schwer beschädigt", 15 % sogar als "völlig zerstört" befunden. Zudem war noch Munition im Hohen Haus gelagert. 

Die Suche nach alten und neuen Mitarbeiter:innen

Für eine Wiederaufnahme des parlamentarischen Betriebs im Haus am Ring fehlte im Frühjahr 1945 neben der Infrastruktur auch der notwendige Stab der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Bereits am 27. April 1945 meldeten sich zwei der wenigen früheren Mitarbeiter des Stenographenbüros, die das Kriegsende in Wien überlebt hatten, wieder zum Dienst. Theodor Rudolf Alt und Josef Meier, Veteranen der Parlamentsstenographie, wurden vorerst dem Präsidialdienst von Staatskanzler Karl Renner "zur vorläufigen Verwendung" zugeteilt. Bereits am 29. April kamen sie aber bei der formellen Übergabe des Parlamentsgebäudes an die Provisorische Staatsregierung zum Einsatz. Alt wurde beauftragt, ein neues Stenographenbüro aufzubauen.

Viele ehemalige Mitarbeiter des parlamentarischen Stenographenbüros der Ersten Republik waren von den Nationalsozialisten ermordet worden, andere kamen nicht mehr aus der Emigration zurück. Im neuen stenographischen Dienst des Parlaments kamen ab Dezember 1945 auch erstmals Frauen zum Einsatz.

Am 19. Dezember 1945 konnten der Nationalrat und der Bundesrat ihre konstituierenden Sitzungen bereits im Haus am Ring abhalten. Auch eine Frau war da schon im Team der Stenograph:innen. 

Mehr als die Hälfte des Hauses war beschädigt

Am 30. April gab Staatskanzler Renner dem langjährigen Mitarbeiter der technischen Gebäudeverwaltung Karl Albrecht den Auftrag, Aufräum- und Sicherungsarbeiten im Parlament durchzuführen. Bei seiner Bestandsaufnahme kam Albrecht zum Ergebnis, dass etwa 60 % der Bausubstanz Schäden erlitten hatte. 20 % des Hauses wurden als "schwer beschädigt", 15 % sogar als "völlig zerstört" befunden. Zudem musste noch für den Abtransport der "zu tausenden Stücken gelagerten Munition" gesorgt werden. Trotz dieser riesigen Herausforderungen konnten am 19. Dezember 1945 der Nationalrat und der Bundesrat ihre konstituierenden Sitzungen bereits im Haus am Ring abhalten.