Leicht übermüdet saßen einige Schüler:innen Freitagfrüh im Sitzungssaal des Nationalrats. Zwar hatten sie – zumindest betonten sie das - ihre Ankündigung vom Vortag, noch das Wiener Nachtleben zu erkunden, nicht wahr gemacht: „Aber wir waren halt schon ein bisschen länger wach“, hielt eine Schülerin fest. Dieser Zustand sollte jedoch nicht lange anhalten, ganz im Gegenteil. Richtig aufgeweckt debattierten über 100 Schüler:innen aus Wien und dem Burgenland über eine Reform des Schulunterrichtsgesetzes: Sollte statt mit Schulbüchern und Arbeitsblättern ab dem kommenden Schuljahr nur mehr digital gelernt und gearbeitet werden? Darüber musste das Jugendparlament debattieren und entscheiden.
Das Jugendparlament veranstaltete die Parlamentsdirektion zum mittlerweile 24. Mal. Wie es sonst Nationalrat und Bundesrat tun, sollten Schulklassen der 5. und 6. Schulstufe den Gesetzgebungsprozess miterleben – inklusive Besprechungen in Klubs, Ausschusssitzungen und einer Plenardebatte. Die Gelegenheit zur Demokratiebildung nutzten Klassen des Gymnasiums am Augarten, der Modeschule Hetzendorf, der HTL Pinkafeld, des BG/BRG Mattersburg und der Akademie der Wissenschaft Neusiedl. Bunt durchmischt bildeten die Schüler:innen vier Klubs: Violett, Orange, Weiß und Gelb.
Es war wirklich Demokratie in Reinform, die schlussendlich zu einem beschlossenen Gesetz führte. Und wie im echten Leben beruhte einiges auch auf informellen Gesprächen. So berichteten die jungen Abgeordneten von Regierungsverhandlungen während dem Mittagessen in der Säulenhalle. Fast zwischen Tür und Angel fanden der orange und der violette Klub zu einer Art „großen Koalition“ zusammen. Sie einte die Verwunderung über einen Vertreter des weißen Klubs, der in der ersten Ausschusssitzung vorgeschlagen hatte, bisher ausgedruckte Schulbücher doch einfach zu verbrennen, um den Weg für digitale Materialien zu ebnen.