News 09.11.2023, 19:35

Gedenkveranstaltung zu Novemberpogromen: "Nie wieder ist jetzt!"

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurden jüdische Synagogen in ganz Österreich angegriffen und in Brand gesteckt, jüdische Geschäfte geplündert und zahlreiche jüdische Bürgerinnen und Bürger misshandelt. Diese gewalttätigen Übergriffe waren Teil einer koordinierten Aktion des nationalsozialistischen Regimes. Die Novemberpogrome markierten einen ersten Höhepunkt der antisemitischen Verfolgung in Österreich und ebneten den Weg für weitere Verbrechen gegen die Menschlichkeit, die in der Shoah gipfelten.

85 Jahre später gedachte das österreichische Parlament in einer Gedenkveranstaltung der Novemberpogrome, um die Erinnerung an die Opfer zu wahren und die Verpflichtung zu betonen, sich gegen Antisemitismus sowie Ausgrenzung und Hass in jeder Form zu stellen. Dabei nahmen Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Oskar Deutsch auch Bezug auf das von der Hamas am 7. Oktober in Israel verübte Massaker und bekräftigten: "Nie wieder ist jetzt!". Die Hamas-Terroristen würden – wie seinerzeit die Nationalsozialisten – alle Juden vernichten wollen. Dagegen gelte es entschieden aufzustehen. Auch der Präsident der israelischen Knesset, Amir Ohana, hob in einer Videobotschaft die Bedrohung der gesamten westlichen Gemeinschaft durch die Hamas hervor.

Zeitzeugengespräch mit Benno Kern

Historische Hintergründe kamen in einer Präsentation von Bob Martens von der Technischen Universität Wien und Herbert Peter von der Akademie der bildenden Künste zur Sprache, die sich mit den zerstörten Synagogen Österreichs und ihrer virtuellen Rekonstruktion befasste. Weiters wurden Passagen der ORF-Dokumentation "Alter Hass - neuer Wahn" zur Geschichte des Antisemitisms vorgestellt.

Die Moderatorin der Veranstaltung, Lisa Gadenstätter, führte außerdem ein Zeitzeugengespräch mit dem Shoah-Überlebenden und ehemaligen Auschwitz-Häftling Benno Kern, der als Elfjähriger die Ereignisse des November 1938 noch selbst miterlebt hat. Er hat damals eine jüdische Schule in der Wiener Leopoldstadt besucht und fand diese am 10. November verwüstet vor. "Der Direktor und 28 Lehrer lagen halb totgeschlagen auf dem Boden. Von allen Stockwerken hat man Schulsachen aus den Fenstern heruntergeworfen und auf einem Scheiterhaufen verbrannt", schilderte er schon davor in einem Interview mit dem Newsroom der Parlamentsdirektion.