News 06.11.2023, 15:41

Gedenkveranstaltung zu Novemberpogromen mit Zeitzeugen Benno Kern

In der Nacht von 9. auf 10. November 1938 und in den darauffolgenden Tagen stürmten Nationalsozialisten jüdische Einrichtungen im gesamten Deutschen Reich. Sie plünderten und zerstörten Geschäfte sowie Wohnungen von Juden und Jüdinnen, steckten Gebetshäuser in Brand und misshandelten die jüdische Bevölkerung.

Die sogenannten Novemberpogrome jähren sich heuer zum 85. Mal. Anlässlich dieses Jahrestages lädt Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka zu einer Gedenkveranstaltung ins Hohe Haus, an der unter anderem der 95-jährige Shoah-Überlebende Benno Kern teilnimmt.

"Schulsachen wurden auf einem Scheiterhaufen verbrannt"

Benno Kern war elf Jahre alt als die Pogrome stattfanden. Er lebte mit seiner Familie am Wiener Karmelitermarkt und besuchte die jüdische Talmud-Thora-Schule. Als er am 10. November 1938 in seiner Schule ankommt, findet er diese verwüstet auf. "Der Direktor und 28 Lehrer lagen halb totgeschlagen auf dem Boden. Von allen Stockwerken aus hat man Schulsachen aus den Fenstern heruntergeworfen und auf einem Scheiterhaufen verbrannt", so Benno Kern. Schon in den Monaten zuvor war die jüdische Bevölkerung "Freiwild" gewesen, beschreibt der 95-jährige in einem Gespräch mit dem Newsroom der Parlamentsdirektion, das ganze Interview sehen sie unten.

Trotz mehrfachen Versuchen der Verfolgung zu entkommen, wurde Benno Kern schließlich nach Auschwitz deportiert. Heute ist es ihm wichtig, seine Erfahrungen zu teilen: "Ich bin der einzig lebende Zeuge meiner Familie, deshalb möchte ich meine Geschichte weiteren Generationen mitteilen. Ich fühle mich diesbezüglich auch verpflichtet." Bei der Gedenkveranstaltung am 9. November wird die Moderatorin Lisa Gadenstätter ein Zeitzeugengespräch mit Benno Kern führen.

Eröffnet wird die Veranstaltung von Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka und mit einer Videogrußbotschaft vom Präsidenten der israelischen Knesset, Amir Ohana. Anschließend sind die zerstörten Synagogen Österreichs und ihre virtuelle Rekonstruktion Mittelpunkt einer Präsentation von Bob Martens von der Technischen Universität Wien und Herbert Peter von der Akademie der bildenden Künste. Danach spricht der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien Oskar Deutsch bevor eine Filmeinspielung zur ORF-Dokumentation "Alter Hass - neuer Wahn" gezeigt wird.

Die Veranstaltung kann in der Mediathek live ab 17 Uhr mitverfolgt werden und ist später in der Mediathek langfristig verfügbar. Medienvertreter:innen werden gebeten, sich für die Gedenkveranstaltung unter medienservice@parlament.gv.at anzumelden.