News 09.10.2026, 10:10
Strafvollzug, Krisenvorsorge

Nationalrat tagt am 14. und 15. Oktober

Die Abgeordneten könnten unter anderem eine umfangreiche Strafvollzugnovelle beschließen, mit der auch die Abschiebung ausländischer Häftlinge in ihr Heimatland erleichtert wird.

Dem Nationalrat liegen für die kommende Plenarwoche unter anderem mehrere Gesetzesvorhaben aus dem Justizbereich zur Beratung vor. So soll es künftig auch dann möglich sein, ausländische Straftäter und Straftäterinnen nach Verbüßung der halben Strafhaft in ihre Heimat abzuschieben, wenn keine Zustimmung der Betroffenen vorliegt. Zudem ist geplant, die Bestimmungen zum Haftaufschub zu erweitern, um eine Resozialisierung zu erleichtern. Auch strengere Sicherheitsvorkehrungen in Justizanstalten, Einschränkungen beim sogenannten "Hausarrest", ein besserer Informationsaustausch zwischen den Justizanstalten und der Sozialversicherung sowie zahlreiche weitere Maßnahmen gehören zum umfangreichen Strafvollzugspaket.

Darüber hinaus schlägt die Regierung vor, das Strafrecht im Bereich des Menschenhandels und des Organhandels zu verschärfen und beispielsweise Zwangsheirat, Leihmutterschaft und missbräuchliche Adoption ausdrücklich als Ausbeutung in Zusammenhang mit Menschenhandel zu werten. Zudem ist vorgesehen, neue Straftatbestände für finanziell motivierte Organentnahmen und die Verwendung unerlaubt entnommener Organe zu schaffen sowie Delikte in Zusammenhang mit Organhandel auch dann zu verfolgen, wenn die Taten im Ausland begangen wurden. Auch Personen, die wissentlich Dienstleistungen von Opfern des Menschenhandels in Anspruch nehmen, sollen in Hinkunft belangt werden können.

Im Bereich des Urheberrechts wollen die Koalitionsparteien mit einer Novelle zum Verwertungsgesellschaftengesetz sicherstellen, dass Verwertungsgesellschaften für Filmschaffende Einnahmen aus der Wiedersendung von Filmen auch an Schauspielerinnen und Schauspieler verteilen können.

Der Nationalrat könnte im Oktoberplenum mehrere Gesetzesvorhaben aus dem Justiz-, Finanz- und Wirtschaftsbereich beschließen.

Gewerbeordnungsnovelle, Krisenvorsorge

Der Wirtschaftsausschuss hat eine Gewerbeordnungsnovelle ans Plenum weitergeleitet. Sie sieht unter anderem bürokratische Erleichterungen bei der Errichtung von Photovoltaikanlagen und E-Ladestationen in Gewerbetrieben sowie längere Übergangsfristen zur Erfüllung aller Auflagen bei Betriebsübergaben ("Grace Period") vor. Ebenso soll der Einbau von Klimaanlagen in betrieblich genutzten Räumlichkeiten erleichtert werden. Auch etliche kleinere Punkte wie die Erlaubnis von Almwirtschaften, offene – und nicht nur in Flaschen abgefüllte – Getränke auszuschenken, sowie die Nutzung der ID Austria für Altersnachweise bei Automaten und Selbstbedienungskassen sind Teil des Pakets. 

Vorgesehene Änderungen im Versorgungssicherungsgesetz und in mehreren Energiegesetzen haben zum Ziel, Österreich besser für außerordentliche Krisenfälle zu rüsten. Dabei geht es etwa um die öffentliche Vorratshaltung bestimmter Waren außerhalb des Lebensmittelbereichs und die Erstellung eines Versorgungssicherheitskonzepts durch Ölraffinerien. Außerdem ist geplant, die Bestimmungen zur Gasbevorratung von Stromerzeugern und zu Energielenkungsmaßnahmen im Krisenfall bis April 2029 zu verlängern und das Netznutzungsentgelt für die strategische Gasreserve zu senken. Für diese Gesetzesvorhaben braucht es im Nationalrat allerdings eine Zweidrittelmehrheit, die Koalition muss damit zumindest noch eine Oppositionspartei gewinnen.

Das dritte Krisenvorsorgegesetz, das Lebensmittelbewirtschaftungsgesetz, war bereits im Frühjahr dieses Jahres einstimmig modernisiert worden.

Geldwäscheprävention, Finanzmarktaufsicht

In Umsetzung einer neuen Geldwäscherichtlinie und einer neuen Geldwäscheverordnung der EU empfiehlt der Finanzausschuss unter anderem, das "Wirtschaftliche Eigentümer Registergesetz" zu adaptieren bzw. neu zu erlassen. Damit soll die Einsicht in das Register erleichtert und beschleunigt werden. Das Register wurde im Jahr 2017 zum Zweck der Verhinderung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung eingerichtet und beinhaltet Daten über die wirtschaftlichen Eigentümer von Gesellschaften, Stiftungen und Trusts.

Darüber hinaus ist vorgesehen, die Unabhängigkeit der Finanzmarktaufsichtsbehörde (FMA) zu stärken, Kreditinstituten ergänzende Pflichten in Zusammenhang mit Kryptowerten und Nachhaltigkeitsrisiken aufzuerlegen und den Informationsaustausch mit ausländischen Steuerbehörden auf die globale Mindeststeuer auszuweiten. Außerdem will Österreich heuer insgesamt 171,3 Mio. € für internationale Entwicklungshilfebanken bereitstellen und die Doppelbesteuerungsabkommen mit Katar und der Schweiz modernisieren. Ein neues Doppelbesteuerungsabkommen ist mit dem Fürstentum Andorra geplant.

Auch die Situation in der Landwirtschaft und im heimischen Tourismus stehen im Plenum zur Diskussion.

Schadensdatenbank für Naturereignisse

Zur Einrichtung einer neuen Schadensdatenbank für Naturereignisse bei der GeoSphere Austria soll das GeoSphere-Austria-Gesetz novelliert werden. Eine solche Datenbank sei wichtig für die Katastrophenvorsorge, die Katastrophenrisikobewertung, die Risikomanagementplanung, die Evaluierung von Präventionsmaßnahmen, die wissenschaftliche Forschung sowie die Erfüllung internationaler und unionsrechtlicher Berichtspflichten, wird dieses Vorhaben begründet.

Berichte und Entschließungen

Berichte der Regierung liegen dem Plenum zur Lage der Landwirtschaft, zur Entwicklung des Tourismus und zur Lehrlingsausbildung vor. Außerdem könnten die Abgeordneten eine Reihe von Entschließungen fassen, wobei für einige davon die Opposition den Anstoß gab. So sind den zuständigen Ausschüssen die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen, das Vorantreiben von Forschung für eine klimafitte Landwirtschaft, die Weiterentwicklung des Kinderschutzes, eine stärkere Reglementierung mobiler Goldankäufe im Sinne des Konsumentenschutzes und fairer Marktbedingungen sowie Nachbesserungen bei der EU-Verpackungsverordnung ein Anliegen. Geht es nach dem Forschungsausschuss, soll die Regierung überdies prüfen, inwieweit Gesetze zusätzlich zur herkömmlichen Form in maschinenlesbarer Form veröffentlicht werden können.

Die FPÖ drängt unter anderem darauf, Ausnahmen vom bevorstehenden EU-weiten Haltungsverbot für Sikawild zu erwirken. Auch die Wahl eines Mitglieds und eines Ersatzmitglieds der Parlamentarischen Versammlung des Europarats steht auf der Tagesordnung.

Für Donnerstag ist eine Fragestunde mit Innenminister Gerhard Karner anberaumt.

Fragestunde mit Innenminister Karner

Schließt der Immunitätsausschuss seine Beratungen zeitgerecht ab, könnte sich der Nationalrat überdies mit drei Auslieferungsbegehren befassen. Dabei geht es unter anderem um nicht gelöschte hetzerische Facebook-Postings und die Umwidmung einer Liegenschaft.

Die Sitzung am Mittwoch beginnt mit einer Aktuellen Stunde, in der es auf Wunsch der NEOS um die Rolle Österreichs in Europa und der Welt gehen wird. Am Donnerstag steht eine Fragestunde mit Innenminister Gerhard Karner auf dem Programm.