News 18.09.2024, 19:05

Nationalratsbeschlüsse zum Finale vor der Wahl

In Reaktion auf die Hochwasserkatastrophe hat der Nationalrat in der letzten regulären Sitzung vor der Nationalratswahl kurzfristig den sogenannten "Wohnschirm" um 40 Mio. € aufgestockt. Die Mittel stehen in den Jahren 2024 bis 2026 zur Verfügung, um in besonderen Härtefällen jenen Menschen zu helfen, die ihr Haus oder ihre Wohnung unwetterbedingt nicht nutzen können, und daher – vorübergehend oder dauerhaft – eine Ersatzunterkunft brauchen. Der Beschluss erfolgte in Form eines Abänderungsantrags zum Progressionsabgeltungsgesetz. Thema war das Hochwasser auch in einer Erklärung von Bundeskanzler Karl Nehammer und Vizekanzler Werner Kogler.

Mit dem Progressionsabgeltungsgesetz 2025 hat der Nationalrat festgelegt, wie jene 651 Mio. € verteilt werden, die infolge der Abschaffung der kalten Progression im kommenden Jahr für variable Entlastungen der Steuerzahler:innen zur Verfügung stehen. Alle Absetzbeträge und damit zusammenhängende Beträge wie Alleinverdienerabsetzbetrag, Pensionistenabsetzbetrag und Sozialversicherungs-Rückerstattung werden vollständig an die Jahresinflation von 5 % angepasst und das amtliche Kilometergeld auf 50 Cent erhöht. Einkommensschwache Alleinerzieher:innen und Alleinverdiener:innen erhalten außerdem über das Jahr 2024 hinaus eine monatliche Sonderzahlung von 60 € pro Kind.

Pensionserhöhung, Dienstrechtsnovelle und Bundesrechnungsabschluss

Die notwendige Zweidrittelmehrheit und damit einen Beschluss gab es auch zum Thema Pensionen. Somit wird die gesetzlich vorgesehene Pensionserhöhung um 4,6 % für Bezieher:innen besonders hoher Pensionen – einschließlich Sonderpensionen – mit monatlich 279 € gedeckelt. Außerdem erhalten Pensionsneuzugänge auch im kommenden Jahr eine außerordentliche Gutschrift auf ihr Pensionskonto.

Eine Dienstrechtsnovelle bringt zahlreiche Neuerungen für den öffentlichen Dienst. Sie reichen von einer verpflichtenden Management-Ausbildung für Führungskräfte über Maßnahmen zur Korruptionsbekämpfung bis hin zu einer besseren Bezahlung von Gesundheits- und Pflegepersonal in Justizanstalten bzw. im Maßnahmenvollzug.

Beschlossen hat der Nationalrat außerdem den Bundesrechnungsabschluss für das Jahr 2023, aus dem hervorgeht, dass das Budgetdefizit im vergangenen Jahr mit 8,01 Mrd. € deutlich geringer ausfiel als erwartet. Über die aktuelle Budgetsituation und notwendige Reformen diskutierten die Abgeordneten auch in einer Aktuellen Stunde zu Beginn der Sitzung mit Finanzminister Magnus Brunner.

Parlamentarisches Datenschutzkomitee wurde gewählt

Die Jurist:innen Gerhard Baumgartner, Christian Bergauer, Philipp Grasser, Sandra Huber und Eva Souhrada-Kirchmayer wurden zu Mitgliedern des Parlamentarischen Datenschutzkomitees gewählt, das ab 2025 als Aufsichtsbehörde des Parlaments in Angelegenheiten des Datenschutzes fungiert.

Beschlossen hat der Nationalrat außerdem die Auslieferung des FPÖ-Mandatars Markus Leinfellner, gegen den die Staatsanwaltschaft Graz wegen des Verdachts der Verhetzung ermitteln will.

Im Rahmen einer Ersten Lesung tauschten die Mandatar:innen ihre Positionen zu den vier Volksbegehren "Kein NATO-Beitritt", "Essen nicht wegwerfen!", "Glyphosat verbieten!" und "Nein zu Atomkraft-Greenwashing" aus.

Weil zahlreiche Abgeordnete bei der Nationalratswahl am 29. September nicht mehr kandidieren, war die Sitzung auch geprägt von Abschiedsworten. Mit Karlheinz Kopf (ÖVP) verabschiedete sich auch der längstdienende Mandatar nach fast 30 Jahren im Nationalrat.