News 20.05.2026, 20:00
Plenarsitzung

Nationalrat ebnet Weg für Quotenregelung bei Familiennachzug

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Am ersten von zwei Sitzungstagen stand im Nationalrat das Thema Asyl und Migration im Fokus. Mit der Koalitionsmehrheit aus ÖVP, SPÖ und NEOS und teilweiser Zustimmung der Grünen setzte der Nationalrat am Mittwochvormittag den europäischen Asyl- und Migrationspakt um.

Die neuen Regeln:

  • Das bisherige Asyl-Zulassungsverfahren wird durch ein Screening ersetzt.
  • An den EU-Außengrenzen – in Österreich also an Flughäfen – werden längere Anhaltungen erlaubt sein.
  • Die Volksanwaltschaft wird die neuen Grenzverfahren kontrollieren und auf die Einhaltung von Menschenrechten achten. Für diese Änderung brauchte es eine Zweidrittelmehrheit, die Grünen stimmten dafür.
  • Künftig wird für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge schon ab dem Zeitpunkt ihrer Ankunft in Österreich die Kinder- und Jugendhilfe zuständig sein.
  • Der Familiennachzug wird vom Asyl- in das Niederlassungsrecht überführt. Durch Aufnahme in das dort vorgesehene Quotensystem soll eine Kontingentierung des Familiennachzuges umgesetzt werden.

Die Debatte über die Änderungen im Asylbereich verlief hitzig.

Die FPÖ sieht in der Umsetzung des Asylpakts eine "Unterwerfung unter die Europäische Union" und befürchtet, dass es künftig zu einer verpflichtenden "Verteilung" von Flüchtlingen innerhalb Europas kommen könnte. Die Grünen sehen Fortschritte bei Abschiebungen, kritisieren aber eine aus ihrer Sicht mangelhafte Integrationspolitik der Regierung.

Innenminister Karner: "Wir müssen harten Weg fortsetzen"

In der von der ÖVP beantragten Aktuellen Stunde zur europäischen Asylpolitik betonte Innenminister Gerhard Karner, dass er zeitnah weitere Schritte auf EU- Ebene erwarte: Bereits ab dem kommenden Jahr könnten abgelehnte Flüchtlinge auch in Drittstaaten abgeschoben werden können, auch wenn diese nicht ihre Herkunftsländer seien, aber zumindest in derselben Region liegen würden. Optimistisch zeigte sich der Innenminister außerdem hinsichtlich eines Vorhabens, Asylverfahren künftig in Drittstaaten durchzuführen.

Schärfere Regeln gegen Organhandel einstimmig beschlossen

Beschlossen wurden am Mittwoch auch strengere Werbe- und Gewinnverbote im Organtransplantationsgesetz. Künftig soll ausdrücklich verboten werden, auch die Vermittlung von Organen gewinnorientiert zu vermarkten. Ziel ist es, unlautere Praktiken von "Organtourismusunternehmen" und Vermittlungsplattformen zu unterbinden. Im Nationalrat erhielt die Gesetzesänderung die Zustimmung aller Abgeordneten.

Fluggastrechte und Energie auf Tagesordnung

Keine Mehrheit fanden am Mittwoch Entschließungen zur Sicherung der Flughafenstandorte Linz und Innsbruck und zu Fluggastrechten. Mit den Stimmen der Koalitionsparteien hat sich der Nationalrat für eine ausgewogene Weiterentwicklung der EU-Fluggastrechte ausgesprochen. Die FPÖ scheiterte mit einem eigenen Antrag gegen Abstriche bei den Rechten für Flugreisende.

Beendet haben die Abgeordneten den Sitzungstag mit Debatten über Anträge der FPÖ zu den Themen:

  • Umbenennung des Koralmtunnels in "Dr.-Jörg-Haider-Tunnel"
  • Wahrheitspflicht im Rechnungshof-Unterausschuss
  • Erweiterung des ORF-Transparenzberichts

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