News in einfacher Sprache 24.07.2026, 14:58

Das war das erste demokratisch beschlossene Gesetz Österreichs

Nach der Märzrevolution 1848 tagte zum ersten Mal ein gewähltes Parlament. Ein junger Abgeordneter wollte das nutzen, um die Bäuerinnen und Bauern befreien.

Das Jahr 1848 prägt Österreich noch heute: Im März wagen Studierende einen Aufstand und fordern demokratische Mitbestimmung. Im Oktober kommt es zu schweren Kämpfen zwischen Revolutionären und den kaiserlichen Truppen. Dazwischen – im Sommer 1848 – hat Österreich plötzlich ein gewähltes Parlament.

Es ist das erste frei gewählte Parlament Österreichs. Es tagt in der Winter-Reitschule der Wiener Hofburg und fasst einen der wichtigsten Beschlüsse der österreichischen Geschichte: die Aufhebung der bäuerlichen Untertänigkeit. Bäuerinnen und Bauern waren bis dahin Untertanen: Grund und Boden gehörten dem Adel, sie mussten gehorsam sein und hatten keine Rechte. Der Antrag dazu kam von einem 22-jährigen Abgeordneten aus Schlesien. Der Name des Abgeordneten war Hans Kudlich.

Wahlrecht 1848

Die Regierung wollte, dass nur Menschen mit einem sehr großen Vermögen das Wahlrecht bekommen. Nach neuen Protesten kommt ein allgemeines Männer-Mahlrecht. Frauen dürfen nur in Ausnahmefällen wählen: wenn sie eigenständig sind und ein Vermögen haben. Hier gibt es mehr Informationen zur Geschichte der Demokratie in Österreich.

Freiheit für Bauern

Am 26. Juli 1848 findet die dritte Sitzung des "Constituierenden Reichstages" statt. Kudlich beantragt die Aufhebung des Untertänigkeits-Verhältnisses mit allen daraus entstehenden Rechten und Pflichten.

Die Hauptaufgabe der Abgeordneten war eigentlich, eine Verfassung auszuarbeiten. Doch sie gaben dem Antrag Vorrang. In einer Rede sagte Kudlich: Die Revolution des März habe den Bürgern Wiens Freiheit gebracht. Sie müsse aber endlich auch in den Provinzen ankommen: "Der Dom der Freiheit soll sich über das ganze Land wölben, nicht nur über Wien."

Der schlesische Abgeordnete Hans Kudlich brachte einen der wichtigsten Anträge des Constituierenden Reichstages ein.

Der Weg zum Beschluss war schwierig. In kurzer Zeit lagen 60 Verbesserungs- und Zusatzanträge vor. Die Debatte dauerte mehrere Wochen. Im Mittelpunkt stand die Frage nach Entschädigung: Sollten die Grundherren für den Verlust ihrer Einnahmen entschädigt werden? Bis dahin mussten die Bauern einen Teil ihrer Ernte an die Grundherren abgeben. 

Vertreter der Bauern und liberale Demokraten lehnten jede Entschädigung ab. Die Vertreter der Grundherren bestanden auf ihren Eigentumsrechten. Am Ende einigte man sich auf einen Kompromiss: Die Untertänigkeit der Person, also die Pflicht zur Arbeit für den Grundherren, wurde ohne Entschädigung aufgehoben. Für bestimmte vertraglich vereinbarte Abgaben erhielten die Grundherren eine "billige Entschädigung", zu der auch der Staat beitrug.

Historischer Beschluss im September

Am 7. September 1848 gab Kaiser Ferdinand seine Zustimmung zum Beschluss des Reichstags. Es war das erste Gesetz, das in Österreich von einer frei gewählten Volksvertretung in einem parlamentarischen Verfahren erarbeitet worden war.

Die Sitzungen des Parlaments fanden damals in der Winter-Reitschule statt.

Die Bauern waren damals die Mehrheit der Bevölkerung. Sie wurden von den Lasten gegenüber dem Adel befreit, aus "Untertanen" wurden Staatsbürger. Aus den früheren Patrimonial-Gerichten und Grundherrschaften wurden nach und nach staatliche Bezirkshauptmannschaften und Bezirksgerichte.

Die Auflösung des Parlaments

Das erste frei gewählte Parlament Österreichs war bald danach wieder Geschichte: Im Dezember 1848 kommt Franz Joseph auf den Thron und lässt den Reichstag wieder auflösen. Er stellt eine eigene Verfassung vor, an der keine Volksvertreter mitarbeiten durften.

Was geschah mit Hans Kudlich? Er erlebte die Umsetzung der Grundentlastung für die Bauern nicht in Österreich mit. Nach dem Scheitern des Wiener Oktober-Aufstandes floh er über Deutschland und die Schweiz nach Amerika. Dort war er als Arzt tätig. In Österreich wurde er in Abwesenheit zum Tod verurteilt. Er starb 1917 in Hoboken bei New York.