News in einfacher Sprache 18.09.2026, 12:48

Piraten: demokratischer als man glaubt

Zur Zeit der Piraten waren viele Länder Monarchien. Es gab klare Regeln, wer über wen bestimmt. Forschungs-Ergebnisse zeigen jetzt, dass Piraten anders gelebt haben.

Oft denkt man: Piraten waren brutale Männer, die sich nicht an Gesetze gehalten haben. Sie hatten einen Kapitän, der rücksichtslos alles bestimmt hat.

Oder man denkt an Captain Jack Sparrow aus dem Film "Fluch der Karibik".

Die Forschung zeigt jetzt aber, dass Piraten ganz anders waren. Im 17. Jahrhundert gab es auf vielen Piraten-Schiffen Regeln, die erstaunlich demokratisch waren:

  • Piraten haben ihren Kapitän gewählt.
  • Es gab eine schriftliche Verfassung.
  • Die Macht war auf mehrere Personen aufgeteilt.
  • Es hat sogar eine Art Unfall-Versicherung gegeben.

Wer waren Piraten überhaupt?

Die meisten Piraten gab es von den 1650er- bis zu den 1730er-Jahren. Sie waren vor allem in der Karibik und im Atlantik unterwegs.

Viele Piraten waren davor einfache Matrosen. Sie haben auf Handels-Schiffen oder Kriegs-Schiffen gearbeitet. Die Bedingungen dort waren oft sehr schlecht. Es gab einen Kapitän, der die ganze Macht hatte und ungerecht entschieden hat. Oft gab es auch Prügel zur Strafe.

Als die Matrosen Piraten wurden, wollten sie das nicht mehr. Deshalb haben sie sich für ihre Schiffe etwas anderes überlegt.

"Sprich wie ein Pirat"-Tag

Der 19. September ist seit 1995 ein Spaß-Feiertag: der Internationale "Sprich wie ein Pirat"-Tag. Das ist ein guter Anlass: Man kann sich ansehen, welche demokratischen Ideen es schon im 17. und 18. Jahrhundert gegeben hat.

Die Verfassung am Schiff

Auf Piraten-Schiffen war der Piraten-Kodex sehr wichtig. Das waren schriftliche Regeln. Auf Englisch nennt man sie "Articles of Agreement".

Die Piraten haben die Regeln vor der Reise gemeinsam festgelegt. Jede Person musste zustimmen.

In den Regeln ging es zum Beispiel um Folgendes:

  • Wie wird Beute aufgeteilt?
  • Welche Strafen gibt es bei schlechtem Verhalten?
  • Wie gehen die Piraten mit Alkohol und Waffen um?
  • Welche Entschädigungen gibt es, wenn jemand verletzt wird?

Ein Kapitän namens Charles Johnson hat schon 1724 über die Piraten-Regeln geschrieben.

Alle entscheiden mit

Kapitän

Wir glauben oft, dass nur der Kapitän bei den Piraten entscheiden durfte. Aber in Wirklichkeit haben die Piraten ihren Kapitän gewählt.

Wenn die Mehrheit dafür war, wurde der Kapitän auch wieder abgesetzt. Zum Beispiel, wenn er zu feig oder zu brutal war.

Quartier-Meister

Die Piraten haben meistens auch einen Quartier-Meister gewählt. Er hat in bestimmten Bereichen die Entscheidungen getroffen. So hatte nicht nur der Kapitän alleine Macht.

Der Kapitän hat vor allem beim Kämpfen und bei der Verfolgung von Beute-Schiffen entschieden.

Der Quartier-Meister war für das Verwalten und Verteilen der Beute zuständig. Außerdem hat er gegenüber dem Kapitän die Interessen der Piraten vertreten.

Wirtschaftliche Vorteile

Peter Leeson ist Wirtschafts-Experte aus den USA. Er sagt: Piraten haben sich anders organisiert und ein neues System geschaffen, weil das wirtschaftlich gut für sie war.

Leeson nennt das "Checks and Balances". Das bedeutet: Kapitän und Quartier-Meister haben sich gegenseitig kontrolliert und ausgeglichen. Die Macht war aufgeteilt.

Leeson sagt auch, dass das mehr als 50 Jahre vor der amerikanischen und der französischen Revolution war. Bei den Revolutionen hat es zum ersten Mal ähnliche Ideen für Länder gegeben.

Neue Art des Zusammenlebens

Marcus Rediker ist Geschichts-Experte. Er sagt, Piraten haben das neue System nicht wegen wirtschaftlichen Vorteilen geschaffen. Sie wollten bewusst anders zusammenleben.

Piraten-Mannschaften waren sehr durchmischt. Die Männer kamen aus unterschiedlichen Ländern. Es gab ehemalige oder geflüchtete Sklaven. Es gab Männer, die nicht im Militär ihres Landes kämpfen wollten. Und es gab Männer, die man aus ihren Ländern vertrieben hatte.

Am Schiff haben diese Menschen dann ein gerechteres System geschaffen: Alle durften mitentscheiden. Sie haben Offiziere gewählt und die Beute gerecht verteilt.

Nicht alles war gut

Schlimme Überfälle

Die Geschichts-Expertin Claire Jowitt sagt aber: Wir sehen in der Forschung, dass Piraten demokratische Ideen hatten. Aber wir dürfen nicht denken, dass bei den Piraten alles toll war.

Piraten hatten keine perfekte Demokratie. Außerdem haben sie Überfälle gemacht, um an Geld zu kommen. Dabei haben sie Menschen verletzt und getötet. Claire Jowitt warnt: Wir dürfen nicht denken, dass alles an Piraten toll war.

Nicht so vielfältig wie gedacht

Elaine Murphy ist Geschichts-Expertin an der Universität Plymouth in England. Auch sie sagt, dass wir vorsichtig sein müssen. Viele Menschen denken: Es gab auch viele Piratinnen und alle Piraten waren gleich viel wert, egal, woher sie kamen.

Aber das stimmt nicht. Es hat ein paar Piratinnen gegeben, aber sie waren die Ausnahme.

System war einfach nötig

Ein Piraten-Schiff war also keine perfekte Demokratie. Aber es haben sich Ideen entwickelt, die zu Demokratie und Sozialstaat passen. Das ist eher zufällig passiert, weil es den Piraten Vorteile gebracht hat. Diese Ideen hat es in vielen europäischen Ländern erst viel später gegeben.

Es gab kein System, das auf allen Piraten-Schiffen gleich war. Die Regeln haben die Piraten auf jedem Schiff extra vereinbart.

Piraten wollten damit nicht bewusst ein besonders tolles System schaffen, sondern das System war notwendig. Denn Piraten waren eine Gemeinschaft von Männern mit Waffen, die sich nicht an Gesetze und andere Vorgaben gehalten haben. Das hätte ohne ihr System nicht funktioniert.