Parlamentskorrespondenz Nr. 160 vom 14.03.1997
RECHNUNGSHOF: ERFOLGREICHE REFORM DER SALZBURGER FESTSPIELE
WIEN (PK) - "Das 1991/1992 neu bestellte Direktorium hat das Ziel einer Reform der Salzburger Festspiele überwiegend erreicht", lautet der Tenor des Rechnungshofberichtes über den Salzburger Festspielfonds. Mit neuen Spielplänen, Werken aus dem 20. Jahrhundert, mehr Schauspiel und szenisch neugestalteten Opern wurde neues Publikum gewonnen. Sprecher aller Fraktionen würdigten diese Leistung des Direktoriums. Abgeordneter WURMITZER (VP) brachte seinen Stolz darüber zum Ausdruck, in einem Land zu leben, in dem die Kultur "Exportartikel Nr. 1" sei. - Abgeordnete BINDER (SP) nannte die Salzburger Festspiele ein wesentliches Element im Kulturleben Österreichs.
Abgeordneter BÖHACKER (F) brachte aber auch den seiner Meinung nach hohen Preis dieses Erfolgs zur Sprache: Die Nutzung neuer Spielstätten mit geringer Platzkapazität, die ungenügende Auslastung und die Personalvermehrung haben zu einer Erhöhung des Abganges geführt. Daher schwänden die Fondsreserven wie "Schnee in der Sonne".
Demgegenüber wies die Präsidentin der Salzburger Festspiele, Dr. Helga RABL-STADLER, auf die hohe Umwegrentabilität der Festspiele hin. Sie zitierte eine Schätzung der Salzburger Handelskammer, die die Mehrumsätze in Folge der Festspiele für ganz Österreich mit 2,5 Mrd. S, für Salzburg mit 1,3 Mrd. S indirekt und 0,8 Mrd. S direkt beziffert. Darüber hinaus leisten die Salzburger Festspiele jährlich rund 130 Mill. S an Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen, mehr als die Summe der öffentlichen Zuwendungen ausmache.
Abgeordnete SILHAVY (SP) nahm die hohe Umwegrentabilität der Salzburger Festspiele zum Anlass, den Rechnungshof an die stärkere Berücksichtigung volkswirtschaftlicher Aspekte in seinen Prüfberichten zu erinnern. - Rechnungshofpräsident Dr. FIEDLER sagte eine Prüfung der von Präsidentin Rabl-Stadler vorgelegten Daten zu.
Der künstlerische Leiter der Festspiele, Dr. Gerard MORTIER, erinnerte an die schwierige und kostenintensive Aufgabe, das Repertoir der Festspiele zu erneuern und das Schauspiel aufzuwerten. Obwohl dieses Ziel erreicht wurde, konnte der Anteil von 75 Prozent an Eigenfinanzierung gehalten werden, ein Wert, der nur noch mit kommerziellen US-Festivals vergleichbar sei. Subventionen werden ausschliesslich für die Fixkosten bei Gebäuden und Gehältern eingesetzt; alle Produktionskosten können aus den Einspielergebnissen bestritten werden.
Kritik hatten die RH-Prüfer an der grossen Zahl unentgeltlich oder verbilligt abgegebener Presse-, Dienst-, Füll- oder Repräsentationskarten geübt. Dies veranlasste die Abgeordneten BÖHACKER (F), Mag. BARMÜLLER (L) und Ausschussobmann WABL, die Herausgabe der Liste mit den Namen der Persönlichkeiten zu verlangen, die Repräsentationskarten erhalten.
Präsidentin Dr. Helga RABL-STADLER informierte über die Vergabe dieser Karten nach wirtschaftlichen und künstlerischen Gesichtspunkten. Die verlangte Liste sei nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, es gelte zu verhindern, dass Persönlichkeiten, an deren Besuch die Salzburger Festspiele interessiert sind, blossgestellt werden. Denn es sei gut für Salzburg und für ganz Österreich, wenn sich im Sommer Staatsoberhäupter ein Stelldichein in Salzburg geben, unterstrich Rabl-Stadler. Die Kosten für die Pressekarten betragen lediglich 1 % des Gesamtbudgets. Sie kenne kein Unternehmen, das mit einem so geringen Werbeaufwand das Auslangen finde. Dienstkarten für Feuerwehrleute, Ärzte und Polizisten seien notwendig. Die Dienstloge der Stadt Salzburg sei zwar vertraglich vereinbart, werde jedoch von der Stadt nur selten in Anspruch genommen.
Ausschussobmann WABL meinte dagegen, Kultur sei Auseinandersetzung, nicht Geheimhaltung. Wenn man die Ausgabe von Freikarten rechtfertigen könne, solle man dies öffentlich tun, die Menschen werden die Gründe dafür verstehen. Der privilegierte Zugang zu Karten für eine Elite sei aber mit einer demokratischen Kulturpolitik nicht vereinbar.
Abgeordnete Dr. MOSER (VP) widersprach ihrem Vorredner: Mit Repräsentationskarten werde bei den Salzburger Festspielen sehr restriktiv umgegangen. Es sei aber wichtig für die Künstler, vor vollen Rängen zu spielen. Moser begrüsste die Einrichtung von Jugendabonnements und zeigte sich erfreut darüber, dass diese erfolgreiche Aktion im heurigen Festspielsommer ausgeweitet werde.
Staatssekretär Dr. WITTMANN erläuterte die Umstellung des Repräsentationskartensystems bei den Bundestheatern auf ein System des Vorkaufsrechts. - Ein solches Vorkaufsrecht sollten auch die Salzburger Festspiele einführen, schlug Rechnungshofpräsident Dr. FIEDLER vor.
Auf Detailfragen eingehend, meinte Dr. Helga RABL-STADLER, von Abgeordnetem Böhacker werde übersehen, dass die Salzburger Festspiele der einzige funktionierende Wirtschaftsmotor in Salzburg sei. Wenn er von "dahinschmelzenden Reserven" spreche, dann muss er daran erinnert werden, dass 14 Mill. S bewusst eingesetzt werden, um das Schauspiel aufzuwerten.
Die Zusammenarbeit mit den Osterfestspielen bezeichnete Rabl-Stadler als gut. Sie wies auf die Oper "Wozzeck" im heurigen Sommer und auf "Simone Boccanegra" im Jahr 2000 hin. Es sei aber nicht geplant, bei den Salzburger Festspielen nur noch Opern der Osterfestspiele aufzuführen.
Die von Rechnungshofpräsident Dr. FIEDLER in der Debatte wiederholte Empfehlung, die Fixkosten der Festspiele möglichst weitgehend den Kosten der einzelnen Produktionen zuzurechnen, wies Festspiel-Präsidentin RABL-STADLER zurück. Sie verstehe das Anliegen, Overhead-Kosten zu reduzieren. Eine derartige Kalkulationsmethode würde aber dazu führen, erfolgreiche Produktionen von weniger erfolgreichen nicht mehr unterscheiden zu können. Dies sei aber für die wirtschaftliche Führung der Festspiele notwendig.
Zur Steigerung des Abganges sagte Dr. MORTIER, sie resultiere aus den zunehmenden Produktionskosten, die man in Kauf nehmen konnte, da höhere Sponsorenbeiträge zugeflossen seien. So werde das künftige US-Gastspiel, das Mortier hinsichtlich der noch wenig ausgeschöpften Besucherkapazitäten in den USA für eine sehr wichtige Werbeaktion hält, zur Gänze von einem Sponsor finanziert.
Besonders wichtig für die Zukunft der Salzburger Festspiele seien auch die 2.000 Jugendabos pro Jahr, sagte Mortier. Die grosse Zahl an jungen Besuchern, die immer wieder zu den Salzburger Festspielen kommen, zeige, dass es möglich ist, ein junges internationales Publikum für die Festspiele zu begeistern. Die Preise für Jugendabo-Karten machen rund 10 Prozent des Normalpreises aus. Sie werden in erster Linie für Aufführungen vergeben, deren Auslastung bei 80 % liegt, zusätzlich aber auch für besonders attraktive Aufführungen wie etwa die "Zauberflöte".
Wichtig seien ferner die neuen Spielstätten, weil sie viel zum spezifischen Charakter der Salzburger Festspiele beitragen, nur so könne man in der international wachsenden Festival-Konkurrenz langfristig bestehen. Die Werbekosten der Salzburger Festspiele liegen bei 7 Mill. S pro Jahr, bei einem Gesamtbudget von 550 Mill. S ein sehr niedriger Wert, betonte Mortier.
Der kaufmännische Leiter der Festspiele, Prof. Dr. Hans LANDESMANN, machte darauf aufmerksam, dass die Salzburger Festspiele ihre Budgetvorgaben mit Stand Ende 1996 100prozentig erfüllt haben. Der Verein "Zeitfluss" wurde 1989 gegründet, seine Aktivitäten und Gebarung werden streng kontrolliert. Es gehe darum, die Jugend mit Aufführungen zeitgenössischer Musik anzusprechen, was in hohem Ausmass gelungen sei. Für besonders erfreulich hält Landesmann den zu beobachtenden Cross-Over zwischen dem traditionellen und dem Zeitfluss-Publikum, der bei allen Festspielveranstaltungen beobachtet werden könne.
Auf die Herkunft der Festspielbesucher angesprochen, teilte Landesmann mit, 60 % der Gäste stammen aus dem deutschen Sprachraum, 8 bis 10 % aus Italien, 6 bis 7 % aus den Benelux-Ländern bzw. aus Frankreich und 3 % aus Grossbritannien. Die USA seien noch ein Hoffnungsmarkt der Salzburger Festspiele.
Der Ausschuss vertagte einstimmig die Beratungen über den Tätigkeitsbericht des Rechnungshofes über das Verwaltungsjahr 1995.
LADUNG VON AUSKUNFTSPERSONEN
Für die Behandlung des Kapitels "Panzergrenadierbataillone" beschloss der Ausschuss einhellig die Ladung folgender Auskunftspersonen: Korpskommandant MITTERBAUER, Brigadier WEINGAST, Brigadier ENTACHER, Oberst des Generalstabs DERMAN und Oberstleutnant ROTTER.
Für die Debatte der Prüfberichte über das Pädagogische Institut des Bundes in der Steiermark, des Landesschulrats für Steiermark und des Bezirksschulrats Graz-Stadt nominierte der Rechnungshofausschuss folgende Auskunftspersonen: die Abteilungsleiter Dr. ECK, Mag. GABER, Dr. SCHMUT und Mag. GMOSER sowie den Amtsführenden Präsidenten des Landesschulrates für die Steiermark Mag. STADLER. (Schluss)