Parlamentskorrespondenz Nr. 69 vom 06.02.1998

BUNDESTHEATER WEITER AUF ERFOLGSKURS

Wien (PK) - "Als Beurteilungsmassstab für die laufende und die kommende Saison mag dabei durchaus jener künstlerische und wirtschaftliche Erfolg dienen, den die Österreichischen Bundestheater in der Spielzeit 1996/97 erzielen konnten: 1,427.782 Besucher erlebten 1.398 Vorstellungen im Burg- und im Akademietheater, in der Wiener Staatsoper und in der Volksoper Wien. 120 Werke aus dem Repertoire der Häuser wurden gespielt und durch 39 Neuproduktionen ergänzt. Zu den in dieser Saison somit tatsächlich gespielten 159 Repertoirestücken kamen noch zahlreiche Sonderveranstaltungen, in denen 68 verschiedene Programme - im Rahmen von Matineen, Off Opera, Die andere Burg usw. - geboten wurden. Diese Veranstaltungen und sechs Gastspiele brachten den Österreichischen Bundestheatern Gesamteinnahmen von mehr als 600 Mill. S." Diese erfreuliche Bilanz kann der Generalsekretär des Bundestheaterverbandes, Dr. Georg Springer, dem Bericht 1996/97 voranstellen, der dieser Tage dem Nationalrat zugeleitet wurde (III-113 d.B.).

GLANZVOLLE PREMIEREN

Auch im Berichtzeitraum erweiterten die Bundestheater ihr Angebot mit zum Teil aufsehenerregenden Werken, die teils ihre Premiere, teils gar ihre Uraufführung erlebten. Im Burgtheater wurde am 16.11.1996 Nestroys "Einen Jux will er sich machen" in einer Neuinszenierung gegeben, am 20.12.1996 hatte Ödön von Horvaths "Kasimir und Karoline" Premiere. Peter Handkes neues Stück "Zurüstungen für die Unsterblichkeit" erlebte am 8.2.1997 seine Uraufführung, ebenfalls neu auf dem Spielplan war Ibsens "Nora" am 30.4.1997 und Christa Wolfs "Medea. Stimmen" am 18.6.1997.

Das Akademietheater eröffnete den Premierenreigen mit "Germania" von Heiner Müller (21.9.1996), es folgten "Die letzte Nacht im September" von George Tabori (10.1.1997), "Die Heilige Johanna der Schlachthöfe" von Bert Brecht (27.3.1997), "Endlich Schluss" von Peter Turrini (7.6.1997) und "Die Unterrichtsstunde" von Eugene Ionesco (27.6.1997). Neu im Programm der Staatsoper waren "Stiffelio" von Verdi, Tschaikowskis "Schwanensee" und "Die schweigsame Frau" von Richard Strauss.

HIGHLIGHTS

Unumstrittener Publikumsmagnet des Burgtheaters ist immer noch Thomas Bernhards "Heldenplatz", das bei 95 Aufführungen eine durchschnittliche Auslastung von 94,5 % erlebte. Gleichsam auf den Plätzen folgen "Der Theatermacher" (ebenfalls von Bernhard) mit 78 Vorstellungen und bei 77,7 % Auslastung, Shakespeares "Romeo und Julia" (57 Aufführungen, 78,1 % Auslastung) sowie, als bestes Werk der Neuproduktionen, Nestroys "Einen Jux will er sich machen" mit 43 Vorstellungen und einer durchschnittlichen Auslastung von 86,6 %. Im Jahr seines 100. Geburtstags freut sich auch Bert Brecht ungebrochener Beliebtheit, folgen doch seine Stücke "Der kaukasische Kreidekreis" und "Die Dreigroschenoper" mit 39 respektive 37 Aufführungen.

Longseller im Akademietheater sind Gorkis "Kinder der Sonne", die bislang 108mal gezeigt wurden und eine durchschnittliche Auslastung von 95,9 % aufwiesen. Gleich danach folgt wieder Thomas Bernhard. Sein "Der deutsche Mittagstisch" brachte es bislang auf 104 Vorstellungen (bei 93,7 % Auslastung), sein "Ritter, Dene, Voss" steht mit 87 Vorstellungen und gar 99,9 % Auslastung zu Buche. Im Vergleich schon etwas abgeschlagen folgt Anton Tschechow mit "Der Kirschgarten" (46 Vorstellungen bei immerhin 99,6 % Auslastung) und "Platonov" (42 Aufführungen mit 92,2 % Auslastung).

Die "Dauerbrenner" der Wiener Staatsoper stammen nicht von einem österreichischen Komponisten, sondern von Giacomo Puccini. Seine "Tosca" erlebte bereits 433 Vorstellungen, nicht minder beeindruckend "Madame Butterfly", die in dieser Saison ihr 300. "Bühnenjubiläum" beging, und "La Boheme" mit 260 Aufführungen. Auch auf den Plätzen folgen Italiener: Rossinis "Der Barbier von Sevilla" ging 269mal über die Bühne, Verdis "La Traviata" immerhin noch 208mal. Erst dann kommt Mozarts "Figaro", für den sich bislang 173mal der Vorhang hob. Spitzenreiter unter den moderneren Komponisten ist Richard Strauss mit seiner Vertonung von Oscar Wildes "Salome", die es bis dato auf 152 Aufführungen brachte.

BESUCHERSTATISTIK

Sowohl hinsichtlich der Aufführungen als auch in bezug auf die Besucher verzeichneten die Bundestheater in der Saison 1996/97 gegenüber der vorangegangenen ein bemerkenswertes Plus. Folgten

1995/96 insgesamt 1,360.115 Zuschauer 1.303 Vorstellungen, so lauten die Zahlen für den Berichtszeitraum 1,427.782 Besucher und 1.398 Aufführungen. Hauptverantwortlich für dieses Plus ist das Burgtheater, das 1996/97 gleich 68 Veranstaltungen mehr bot als noch in der Saison zuvor. Demgemäss war auch die Besucherzahl um rund 64.000 Personen höher als noch 1995/96. Ingesamt fanden im Berichtszeitraum 276.339 (gegenüber 212.108) Menschen zu den 286 (218) Vorführungen. Ein leichtes Minus verbuchte hingegen das Akademietheater, deren Vorstellungen mit 313 gegenüber 341 ebenso zurückgingen wie die Besucherzahl, welche von 148.799 auf 134.565 schrumpfte.

Neuerlich steigern konnte sich die Staatsoper, deren 313 Vorstellungen von 636.944 Personen besucht worden waren, bei fünf Darbietungen mehr ein Zuschauerplus von knapp 23.000 Personen gegenüber der Saison 1995/96. Die Volksoper wiederum verzeichnete einen Rückgang. Ihren 291 Veranstaltungen (gegenüber 301 in der vorangegangenen Saison) folgten 355.961 Zuseher, ein Minus von knapp 12.000 Personen.

PERSONAL

Dass hinter einer erfolgreichen Produktion nicht nur Regisseure, Schauspieler und eventuell Souffleure stehen, belegt der Bericht des Bundestheaterverbandes ebenfalls. So standen 1996/97 immerhin 288 Orchestermusiker, 171 Chormitglieder, 121 Balletttänzer und 190

-schüler in den Diensten der Bundestheater. Das Werkstättenpersonal umfasste 222, das Vorstellungspersonal 870 Beschäftigte. Weiters sorgten 140 Costumiers und 249 technische Bedienstete für den reibungslosen Kulturbetrieb an den vier Häusern, deren 23 Lehrlinge immerhin fünf Preise bei Berufswettbewerben erringen konnten. Nicht zuletzt sorgt der Bundestheaterverband auch für seine insgesamt 2.144 pensionierten Mitarbeiter.

KARTENVERKAUF

Auch bei den Nettoeinnahmen aus dem Kartenverkauf schlägt sich der Besuchertrend entsprechend nieder. So konnten Burg und Staatsoper ihre Einnahmen um 13,8 Mill. S bzw. 13,2 Mill. S erhöhen, während Akademietheater und Volksoper ein Minus von 0,1 Mill. S bzw. 2,1 Mill. S verzeichnen mussten. Konkret beliefen sich die Einnahmen der Burg auf 45,23 Mill. S, jene des Akademietheaters auf 20,32 Mill. S, während die beiden Opernhäuser 334,37 Mill. S bzw. 105,34 Mill. S in ihre Kassen bekamen.

NEUSTRUKTURIERUNG DER BUNDESTHEATER

Seit dem Sommer 1996 wurden auf Initiative des Ministeriums und des Kulturausschusses des Nationalrates erste Schritte einer Ausgliederung der Bundestheater aus dem Bundesbereich gesetzt. Im März 1997 bestätigte das Bundeskanzleramt, zu dem der Bundestheaterverband nunmehr ressortiert, diesen Kurs und beauftragte eine Firma für Unternehmensbetreuung mit der konkreten Umsetzung der diesbezüglichen Pläne. Im Juli 1997 wurden die Ergebnisse gemeinsam präsentiert. Der Bundestheaterverband soll nun in vier selbständige Gesellschaften mit beschränkter Haftung und eine Holding zergliedert werden. Bis Anfang 1999 sollen demnach Burg- und Akademietheater, Staatsoper und Volksoper drei Gesellschaften mit beschränkter Haftung bilden, eine vierte ist mit der Theaterservicegesellschaft vorgesehen, in der die "zentralen" Funktionseinheiten - Kostüm- und Dekorationswerkstätten, Kartenverkauf, Werbung, Gebäudeverwaltung, EDV - zusammengefasst werden. Eine Theaterholding, ebenfalls als GmbH organisiert, wird die Eigentumsanteile an den vier Gesellschaften halten.

Eine umfassende Chronik des Theatergeschehens und detaillierte Personallisten der jeweiligen Ensembles runden den umfangreichen Bericht ab. (Schluss)