Parlamentskorrespondenz Nr. 199 vom 01.04.1998
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Wien (PK) - Folgende (ehemalige) Mandatare werden im April runde Geburtstage feiern:
der ehemalige Bundesrat Dr. Peter KAPRAL (FP) - 65. Geburtstag am 8. April,
der ehemalige Abgeordnete Anton TÜRTSCHER (VP) - 65. Geburtstag am 10. April,
der ehemalige Bundesminister und Abgeordnete Karl BLECHA (SP) - 65. Geburtstag am 16. April,
der ehemalige Bundesrat Dr. Josef LAURITSCH (WdU) - 80. Geburtstag am 17. April,
der ehemalige Vizekanzler, Bundesminister und Abgeordnete Dr. Hannes ANDROSCH (SP) - 60. Geburtstag am 18. April,
der ehemalige Abgeordnete Regierungsrat Alois REICHT (SP) - 70. Geburtstag am 25. April,
die ehemalige Bundesrätin und Abgeordnete Dr. Erika SEDA (SP) - 75. Geburtstag am 26. April,
der ehemalige Abgeordnete Hermann HESSL (SP) - 60. Geburtstag am 30. April.
HANNES ANDROSCH 60
Am 18. April feiert der ehemalige Vizekanzler und Finanzminister Dkfm. Dr. Hannes Androsch seinen 60. Geburtstag. Der gebürtige Wiener schloss sich schon während seiner Schulzeit der Sozialdemokratie an und wurde alsbald Funktionär des Verbandes Sozialistischer Mittelschüler. 1956 maturierte er am Bundesgymnasium Wien XXI und begann an der Hochschule für Welthandel zu studieren, wo er 1959 sein Diplom, 1968 seinen Doktortitel erwarb. Dabei qualifizierte er sich auch als beeideter Buchprüfer und Steuerberater.
1960, mittlerweile im Verband Sozialistischer Studenten aktiv, wurde Androsch Wiener VSStÖ-Obmann, 1962 übernahm er den Bundesvorsitz dieser Organisation. Ein Jahr später trat er als Sekretär in den SPÖ-Parlamentsklub ein, in welcher Funktion er bis zu seiner Wahl als Abgeordneter zum Nationalrat im Oktober 1967 verblieb. Im Hohen Haus machte er sich schnell einen Namen als Finanzexperte, sodass er trotz seiner Jugend im April 1970 von Bundeskanzler Bruno Kreisky mit dem Finanzressort betraut wurde. In der Folge war Androsch massgeblich an der Umsetzung des Reformschubs in der ersten Hälfte der 70er Jahre beteiligt und schuf mit der Methode des "Deficit spending" die Grundlage für den "Austrokeynesianismus", der Österreich nicht nur in den Worten Papst Paul VI. zur "Insel der Seligen" machte.
Seinen politischen Höhepunkt erlebte Androsch am 1. Oktober 1976, als er im Kabinett Kreisky III zum Vizekanzler ernannt wurde. Spätestens ab diesem Zeitpunkt galt er als Kreiskys "Kronprinz", wurde doch allgemein damit gerechnet, dass der nächste Kanzler Androsch heissen würde. Und doch kam es zur Jahreswende 1979/80 zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen dem erfolgreichen Duo Kreisky-Androsch. Hatte der Kanzler das Gefühl, sein Vize wolle ihn "vor der Zeit" beerben, so geriet dieser wegen seiner Steuerberatungskanzlei "Consultatio" ins Kreuzfeuer oppositioneller Kritik. Als in der zweiten Jahreshälfte 1980 weitere Vorwürfe gegen den Finanzminister erhoben wurden, sah sich dieser gezwungen, Anfang Januar 1981 aus der Politik auszuscheiden.
Bis 1988 leitete Androsch sodann als Generaldirektor die Geschicke der Creditanstalt, ehe er sich dem Aufbau seines eigenen Unternehmens widmete. Politisch beschränkte er sich auf die Funktion des stellvertretenden Bezirksvorsitzenden der SPÖ Floridsdorf, wenn sein Name auch in regelmässigen Abständen mit einem Comeback in der "grossen Politik" in Verbindung gebracht wurde. Nunmehr sorgt Androsch vor allem als Unternehmer für Schlagzeilen.
KARL BLECHA 65
Ein weiterer ehemaliger sozialistischer Spitzenpolitiker feiert am 16. April seinen 65. Geburtstag. Karl Blecha wurde 1933 in Wien geboren und begann nach der Matura 1952 mit dem Studium der Soziologie und Psychologie, das er allerdings nicht abschloss. 1954 wurde er Bundesobmann des VSStÖ, von 1955 bis 1959 war er stellvertretender Vorsitzender der Österreichischen Hochschülerschaft.
Bis 1963 war Blecha in verschiedenen Berufen tätig, so als Werbeleiter der Büchergilde Gutenberg, als Geschäftsführer der Werbeagentur "Echo" und als Journalist bei der Zeitung "Neue Zeit", ehe er von 1963 bis 1975 das Meinungsforschungsinstitut IFES als Direktor leitete. Parallel dazu engagierte sich Blecha in der "Jungen Generation in der SPÖ", deren Vorsitz er bis 1970 innehatte. In diesem Jahr wurde er auch für die SPÖ Abgeordneter zum Nationalrat.
Gemeinsam mit Heinz Fischer, Hannes Androsch und Peter Schieder zählte er zum jungen Team um Bundeskanzler Bruno Kreisky, das die Modernisierung Österreichs einleiten sollte. Seine Erfahrungen in der Parteiarbeit führten dazu, dass Blecha 1975 Zentralsekretär der SPÖ wurde. Von 1977 bis 1989 wirkte er auch als Vorsitzender des Bundesbildungsreferats der SPÖ, und 1981 wurde Blecha als erster stellvertretender Parteivorsitzender hauptamtlich mit der Leitung der Parteigeschäfte betraut.
Nach der Wahlniederlage der SPÖ im April 1983 folgte Blecha im Kabinett Sinowatz Erwin Lanc als Innenminister nach, eine Funktion, die er auch in den Regierungen Vranitzky I und II innehatte. Ende 1988 jedoch sah sich Blecha zunehmend Kritik wegen der Affären Lucona und Noricum ausgesetzt, sodass er im Februar 1989 als Innenminister zurücktrat und im Laufe des Jahres auch alle Parteifunktionen zurücklegte. Im April 1989 schied Blecha aus dem Nationalrat aus und zog sich ins Privatleben zurück. (Schluss)