Parlamentskorrespondenz Nr. 216 vom 14.04.1998

AUSSTELLUNG ÜBER DIE BRASILIANISCHE LANDLOSENBEWEGUNG IM PARLAMENT

Wien (PK) - Nationalratspräsident Dr. Heinz FISCHER eröffnete heute abend im Parlament gemeinsam mit Pater Gregor Henckel DONNERSMARCK vom Päpstlichen Missionswerke in Österreich eine Ausstellung mit Bildern des Fotografen Sebastiao Salgado über den Existenzkampf von Millionen landloser brasilianischer Bauern, die sich in der Bewegung "Movimiento Sem Terra" zusammengeschlossen haben. Die Fotos dokumentieren den ständigen Überlebenskampf dieser von den Grossgrundbesitzern vertriebenen und von der offiziellen Politik ausgegrenzten Menschen. Die Bilder zeigen die Armut der Landlosen und ihre Suche nach Arbeit, die sie meist in die Elendsviertel der Städte treibt. Sichtbar werden aber auch die Kraftquellen der brasilianischen Bauern, ihr religiöses Leben, ihre Landbesetzungsaktionen und ihre Hoffnung auf eine Landreform.

"Einmal sehen ist besser als hundertmal hören", sagte Präsident Fischer angesichts der beeindruckenden Bilder und dankte dem zahlreich erschienen Publikum, namentlich dem Präsidentes des Verfassungsgerichtshofes, Dr. Ludwig ADAMOVICH, sowie vielen Bundesräten und Abgeordneten für ihr Interesse und ihre Bereitschaft, "über den eigenen Garten hinauszuschauen und sich mit der wichtigen politischen Aufgabe der Entwicklungszusammenarbeit zu befassen." Der besondere Dank Fischers galt dem VP-Abgeordneten und niederösterreichischen Landwirt Josef SCHREFEL, der sich in Solidarität mit den brasilianischen Bauern dafür eingesetzt hat, diese Ausstellung in das Parlament zu bringen.

"Eigentum ist kein absolutes Recht, sondern verbunden mit sozialer Verantwortung", zitierte Pater Gregor Henckel DONNERSMARCK die katholische Soziallehre und unterstrich das Bemühen der "Missio Austria" und der brasilianischen Bischöfe um gerechte Lösungen in den oft gewaltsamen Konflikten zwischen den landlosen Bauern, den Grundbesitzern und den Behörden in Brasilien. An die Parlamentarier richtete der Pater den Wunsch, die Initiative zu ergreifen und für die Gerechtigkeit "zu trommeln".

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand der berührende Lebensbericht der Brasilianierin Maria CAVALCANTI-DOBER, die als Tochter eines Bauern aus dem Nordosten des Landes die Willkür eines Grundbesitzers gegenüber ihrer Familie, den Hungertod ihrer Geschwister, die Vertreibung und die Armut in einem städtischen Elendsquartier erlebt hat. Sie erzählte von ihren Erfahrungen mit Landbesetzungsaktionen und vom oft tödlichen Kampf der Bauern um die Existenzgrundlagen ihrer Familien. Cavalcanti-Dobers Ausführungen gipfelten in der Bitte um Unterstützung für die Bemühungen um eine brasilianische Landreform und um Rechtsberatung für die landlosen Bauern.

Für den musikalischen Rahmen der Veranstaltung sorgte die brasilianische Sängerin Celia MARA mit temperamentvollen Liedern aus ihrer lateinamerikanischen Heimat. - Die 45 Fotodokumente der Ausstellung "Terra - Situation der Landlosen in Brasilien", eine typische Landlosen-Hütte und charakteristische Gebrauchsgegenstände aus dem Leben der brasilianischen Bauern sind im Lokal VIII des Parlaments zu sehen. (Schluss)