Parlamentskorrespondenz Nr. 341 vom 20.05.1998

NEUES BUCH ÜBER DIE REVOLUTION 1848

Wien (PK) - Der Dritte Präsident des Nationalrats Dr. Willi BRAUNEDER stellte heute am späten Nachmittag ein weiteres Werk über die Revolution von 1848 vor. An der Veranstaltung nahmen u.a. Rechnungshofpräsident Dr. FIEDLER, sein Amtsvorgänger Dr. BROESIGKE sowie Bundesrat Mag. GUDENUS (F) teil.

In seinen Begrüssungsworten meinte Brauneder, es gebe mehrere Gründe, dieses Buch hier im Hohen Haus zu präsentieren. Zum einen sei am Cover des Werkes eine Szene aus der Frankfurter Paulskirche abgebildet, wo die erste freigewählte Nationalversammlung getagt habe. Von den 585 Abgeordneten stammten immerhin 115 aus Österreich, und es war auch ein Österreicher, Erzherzog Johann, welcher von diesem parlamentarischen Gremium zum Reichsverweser gewählt wurde.

Zum anderen aber "wären wir heute nicht hier, wenn es 1848 nicht gegeben hätte", so Brauneder weiter, der darauf hinwies, dass die Revolution von 1848 erst die Grundlagen für die Entwicklung des Parlamentarismus gelegt habe. Damals freilich hätte man noch nicht im heutigen Parlamentsgebäude tagen können, das erst in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts gebaut wurde, vielmehr fanden die Sitzungen in der Spanischen Hofreitschule statt, worauf ab 22. Juli auch eine Gedenktafel hinweisen werde.

Sodann sprach der emeritierte Universitätsprofessor Dr. Fritz FELLNER von der Bedeutung von Gedenktagen für die Geschichtswissenschaft. Geschichte sei jenes Bild, welches man sich von der Vergangenheit mache. Die Aufgabe des Historikers sei es, dieses Bild möglichst genau und akkurat zu gestalten. Dies sei gerade beim Thema "1848" geboten, war dies doch ein Jahr vieler Revolutionen, sowohl örtlich wie auch ideologisch. Gedenktage böten dabei die Gelegenheit, historisch überkommene Geschichtsbilder neu zu bewerten und das Publikum für die Ereignisse neu zu interessieren.

Fellner ging in der Folge auf die Hauptthesen von Lothar Höbelt ein, der in seinem Buch herausarbeite, dass die Revolution von 1848 in Mitteleuropa auch noch einen spezifisch nationalen Hintergrund gehabt habe. Die Revolution in Österreich lasse sich nicht trennen von jener in Deutschland, hätten doch an der Nationalversammlung in der Paulskirche, wo es um die Schaffung eines einheitlichen deutschen Nationalstaates gegangen sei, zahlreiche österreichische Abgeordnete teilgenommen. Die Wechselwirkung zwischen Wien und Frankfurt, das Spannungsverhältnis zwischen Preussen und Österreich, habe die Revolution in der Folge nachhaltig geprägt. Schliesslich stelle sich aber die Frage, ob die Revolution mit der Niederschlagung ihrer Radikalisierung tatsächlich gescheitert sei, wurden doch viele wichtige Anfangsziele in der Folge verwirklicht.

Abschliessend bedankte sich der Autor für die Gelegenheit, im Hohen Haus sein Buch präsentieren zu können. Der Umstand, dass alle drei Nationalratspräsidenten Universitätsprofessoren sind, komme hierbei der Wissenschaft sicherlich entgegen, wovon nun auch er profitiert habe. Univ.Prof. Dr. Lothar Höbelt, geboren 1956 in Wien, studierte ebendort Geschichte und wurde danach Assistent bei Professor Lutz. Seit seiner Habilitation lehrt er selbst an der Alma Mater Rudolphina. Daneben verfasste er mehrere Bücher und publiziert regelmässig in verschiedenen Zeitschriften und Magazinen. Sein Buch "1848 - Österreich und die deutsche Revolution" ist im Amalthea-Verlag erschienen, umfasst 336 Seiten und ist für 321 S im Buchhandel beziehbar. (Schluss)