Parlamentskorrespondenz Nr. 558 vom 27.07.1998
YASSIR ARAFAT BEI NATIONALRATSPRÄSIDENT HEINZ FISCHER
Wien (PK) - Im Rahmen seines Österreich-Besuches traf der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Yassir ARAFAT, heute mit Nationalratspräsident Dr. Heinz FISCHER zu einem Gedankenaustausch zusammen.
Eingangs überbrachte Fischer seinem Gast die Grüsse einer Schulklasse aus Gaza, die sich gegenwärtig in Tirol aufhalte, sowie auch die besten Empfehlungen von Altkanzler Vranitzky. Österreich, so Fischer, nehme nach wie vor grossen Anteil an den Entwicklungen in Palästina und in Israel, und in der gegenwärtig entscheidenden Phase des Friedensprozesses sei Österreich willens, seine Verantwortung im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft so gut wie möglich wahrzunehmen.
Präsident Arafat würdigte die historische Rolle Österreichs und seines damaligen Bundeskanzlers Kreisky als Initiator eines Nahost-Dialoges, beklagte aber gleichzeitig, dass der Friedensprozess gegenwärtig trotz mannigfacher internationaler Initiativen ins Stocken geraten sei. Kritik übte Arafat dabei an der Haltung des israelischen Premierministers Netanyahu, wobei er gleichzeitig darauf hinwies, dass es in Israel auch andere Sichtweisen und Standpunkte als die Netanyahus gebe.
Fischer erklärte, Österreich werde den Friedensprozess auch weiterhin nach Kräften unterstützen. Konkret bot der Präsident seinem Gast an, sich für eine klare Stellungnahme der EU-Parlamentspräsidenten für die Anliegen des Friedensprozesses einzusetzen. Auch das österreichische Parlament werde sich in diese Richtung engagieren, kündigte Fischer an.
Die palästinensische Seite wies auf die spezielle Rolle des US-Kongresses in dieser Frage hin und regte an, Österreich möge eine gemeinsame Delegation von Abgeordneten des israelischen und des palästinensischen Parlamentes zu Gesprächen einladen. Weiters brachten die Gäste die Idee vor, österreichische und palästinensische Städte, aber auch Hochschulen der beiden Länder könnten Partnerschaften eingehen. Konkret wurden dabei Bethlehem, wo ab Weihnachten 1999 besondere Feierlichkeiten anlässlich der 2000. Wiederkehr der Geburt Christi in Aussicht genommen seien, sowie die Jerusalemer Al Quds-Universität in Vorschlag gebracht. Präsident Fischer sagte zu, diese Ideen prüfen zu wollen. Abschliessend lud Präsident Arafat seinen Gastgeber zu einem Besuch des palästinensischen Parlaments ein. (Schluss)