Parlamentskorrespondenz Nr. 818 vom 14.12.1998
BILDBAND DER LAGERGEMEINSCHAFT MAUTHAUSEN IM HOHEN HAUS VORGESTELLT
Wien (PK) - In Vertretung des Nationalratspräsidenten begrüsste Parlamentsdirektor Dr. Georg POSCH heute abend zahlreiche Gäste zur Präsentation des Buches "Erinnern" von Wolfgang J. Bandion, Stephan Hilge und Cathrine Stukhard, das von der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen herausgegeben wurde. Das Buch ist so aufgebaut, dass im Farbteil der 5. Mai, der Tag der internationalen Befreiungsfeier, miterlebbar wird. Bilder aus dem Lager und den Nebenlagern werden ergänzt durch - in fünf Sprachen übersetzte - Texte, die von Hans Marsalek, Wolfgang J. Bandion, Friederike Mayröcker, Ilse Aichinger, Simon Wiesenthal und Innenminister Schlögl stammen. Ein weiteres Kapitel ist Werken von Künstlern, wie Alfred Hrdlicka oder Adolf Frohner, gewidmet, die sich mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandersetzen. Das Vorwort dazu verfasste Bundespräsident Dr. Klestil.
Anlass für dieses Buch ist die Errichtung des Konzentrationslagers Mauthausen vor 60 Jahren meinte eingangs Hans MARSALEK, der Obmann der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen. Mauern, Türme und Denkmäler des Konzentrationslagers sind Zeugen der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und des namenlosen Sterbens, aber auch Zeugen nationaler und internationaler Solidarität, schreibt er in seinem Vorwort. Es waren vor allem die ehemaligen Häftlinge aus Frankreich und Österreich, die nach 1945 mit Hilfe der Bundesregierung zur Rettung der Objekte in Mauthausen und in den Nebenlagern beigetragen haben. Auf dem Gelände der Unterkünfte entstand eine Parkanlage mit zahlreichen Denkmälern. Die von namhaften europäischen Künstlern gestalteten steinernen Symbole des Widerstandes und des Leidensweges versinnbildlichen die Bereitschaft der europäischen Völker, vor der faschistischen Herrschaft nicht zu kapitulieren, und stellen zugleich nationale Kultstätten dar.
Wolfgang J. BANDION, Lehrbeauftragter an der Universität Wien für angewandte Kunst und Vorstandsmitglied der Österreichischen Lagergemeinschaft Mauthausen, betonte, dass der Titel "Erinnern" auf ein aktives Geschehen verweist und daher keinen abgeschlossenen Prozess darstellt. Vor 60 Jahren, am 8. August 1938, kam es nach einer schon im März desselben Jahres gefällten Entscheidung zur Errichtung eines Konzentrationslagers in Mauthausen. Damit wurde der Name dieser kleinen Ortschaft zu einem Synonym für Mord und Missachtung jeglicher Menschenwürde. In den von den deutschen Nazitruppen besetzten Ländern Europas verbreitete Mauthausen als "Mordhausen" Angst und Schrecken, denn Vernichtung durch Arbeit und Ausbeutung war das Ziel. Die meisten Nebenlager versorgten wichtige kriegswirtschaftliche Betriebe mit immer mehr Menschen. Arbeitssklaven, die beliebig ersetzt werden konnten, an deren Arbeit später nichts erinnern sollte. In einer künstlerisch einfühlsamen Weise setzt sich das vorliegende Buch mit dem heutigen Stand der Artefakte und Überreste des Lagers und seiner Nebenlager auseinander, wobei den Texten künstlerisch einprägsame Bilder gegenübergestellt werden. Da diese Fotos über einen Zeitraum von einem Jahr entstanden sind, ist dadurch der Jahresablauf von Winter und Sommer ablesbar. Es sind vor allem die kleinen und fast übersehbaren Dinge, die eine individuelle Geschichte erzählen.
In den knapp sieben Jahren seines Bestehens vom 8. August 1938 bis zum 5. Mai 1945 wurden im KZ Mauthausen an die 200.000 Menschen festgehalten - mehr als 105.000 von ihnen haben den Aufenthalt im Hauptlager oder in einem der 49 Nebenlager nicht überlebt. (Schluss)