Parlamentskorrespondenz Nr. 350 vom 28.06.1999

PARLAMENTARISCHES ZWISCHEN WIEN UND BRATISLAVA

Wien (PK) - Auf Einladung des Dritten Präsidenten des Nationalrates Dr. Willi BRAUNEDER hielt heute im Hohen Haus Univ.Prof. Dr. Lothar HÖBELT einen Vortrag zum Thema "Parlamentarismus über Grenzen - Wien-Bratislava/Pressburg im Wandel der Zeit". Als Rahmenprogramm wurden Gemälde des niederösterreichischen Malers Hans EICHELMÜLLER gezeigt.

In seiner Einleitung meinte Brauneder, die Veranstaltung stimme ihn nostalgisch, zumal ihm Bratislava in seiner Jugend wie ein fremder Stern erschienen sei, zu dem er - ob des damaligen Eisernen Vorhangs - vielleicht nie hinkommen werde. Nun aber habe eine Normalisierung eingesetzt, welche die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Wien und Bratislava wieder hervorhebe. In Bratislava befinde sich die nächstliegende Universität, aber auch das nächstliegende Parlament. Im Rahmen parlamentarischer Freundschaftsgruppen gebe es regen Kontakt zwischen den beiden Gesetzgebungsorganen, was ihn als Vorsitzenden der österreichischen Freundschaftsgruppe auch auf die Idee zu dieser Veranstaltung gebracht habe.

Die Bilder Eichelmüllers sollten dabei die Landschaft zwischen den beiden Hauptstädten auch optisch näherbringen, so Brauneder, der sodann auf die Revolution von 1848 zu sprechen kam, wo der ungarische Landtag in Bratislava durch Kossuths berühmte Rede eigentlich den Vorspann zu den Ereignissen in Wien geliefert habe. Auch der Umstand, dass in Bratislava eine Verfassung für Ungarn verabschiedet worden war, habe Auswirkungen auf die Entwicklung in Österreich gezeitigt, was somit einen ersten Konnex auf parlamentarischer Ebene zwischen den beiden Städten herstellte.

Darauf kam auch Höbelt in seinen Ausführungen zu sprechen, der darauf verwies, dass sich in Bratislava jahrhundertelang der ungarische Landtag versammelte, wohingegen Wien noch für Goethe die Hauptstadt Deutschlands gewesen sei, auch wenn sich der deutsche Reichstag seit 1663 in Regensburg befand. Immerhin aber habe es in Wien den Landtag für das Land Österreich unter der Enns gegeben.

Höbelt beleuchtete sodann die Entwicklung der Beziehungen zwischen Bratislava und Wien im Laufe der Jahrhunderte, beginnend beim "Bruderzwist in Habsburg" über den Dreissigjährigen Krieg bis hin zur Revolution von 1848 und die Begründung des slowakischen Staates von 1939, dessen Präsident Tiso seine Ausbildung in Wien erhalten habe.

Zuvor hatte der Hainburger Gemeinderat Johann RAITHOFER den Maler Hans Eichelmüller und dessen Werk vorgestellt. Eichelmüller, der heute in Wolfsthal lebt und arbeitet, wurde 1932 geboren und besuchte 1957 bis 1960 die Akademie am Schillerplatz, wo er bei Professor Matejka-Feldern studierte. Sein Werk konzentriert sich nicht nur auf Gemälde, er schuf auch Lithographien, Glasfenster und Schmiedekunstwerke. Ausstellungen der Arbeiten Eichelmüllers waren in Deutschland, der Slowakei und Italien sowie in mehreren österreichischen Bundesländern zu sehen. Zu seinen bekanntesten Kunstwerken zählen die Bleiglasfenster in der Einsegnungshalle von Kittsee. Friedrich Heller nennt Eichelmüller einen "Grenzgänger im geographischen und stilistischen Bereich, ein Wanderer über den Fluss und in die Wälder und darüber hinaus in die Felder". Dem Bewunderer seiner Kunst bleibe die Verneigung angesichts des Wunderbaren. (Schluss)