Parlamentskorrespondenz Nr. 405 vom 12.07.1999

KUNST, DIE ZUM NACHDENKEN ANREGT

Wien (PK) - Eine Ausstellung der besonderen Art wurde heute Abend in der Säulenhalle des Parlaments eröffnet. Werke der 66jährigen Malerin und Schriftstellerin Ceija STOJKA wurden gleichsam audiovisuell präsentiert. An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur und Politik teil.

In seiner Begrüssung meinte Nationalratspräsident Dr. Heinz FISCHER, diese Ausstellung finde in einer Woche statt, in der dieses Haus sehr frequentiert sein werde, weshalb viele Politiker, Journalisten und Experten Gelegenheit haben werden, die Bilder von Frau Stojka zu betrachten. Erfreut zeigte sich Fischer darüber, dass so viele Personen an einer Exhibition Interesse bekundeten, die er für sehr wichtig halte.

Diese Ausstellung sei einer bestimmten Volksgruppe und einem bestimmten Zweck gewidmet. In ihr werde an das Schicksal der Roma ebenso erinnert wie an die grösste Tragödie in der Geschichte Europas. Dabei verwies Fischer auf den Satz, dass zwar alle Juden Opfer des Nationalsozialismus wurden, aber nicht alle Opfer dieses Terrorregimes Juden waren.

In diesem Zusammenhang nahm der Präsident auf ein Zitat Ceija Stojkas - "Es ist schon lange her, aber damals geschah es doch" - bezug, das zeige, das künstliche Ziehen eines Schlussstrichs ändere nichts daran, dass die Halbwärtszeit dieser Schrecken, dieser Verbrechen nicht willkürlich gezogen werden könne. Präsident Fischer erinnerte schliesslich daran, dass nicht zum ersten Mal im Hohen Haus Kunst der Roma präsentiert werde und dankte der Vorsitzenden des Kulturausschusses für ihre Initiative zu dieser Ausstellung.

Die Vorsitzende des Kulturausschusses des Nationalrats Dr. Heide SCHMIDT kam sodann auf ihre erste Begegnung mit der Künstlerin zu sprechen. Sie habe damals ein Interview mit Ceija Stojka mit dem Titel "Meine Angst ist in Auschwitz geblieben" gelesen, welches sie tief berührt und in ihr den Wunsch entstehen habe lassen, diese aussergewöhnliche Frau auch persönlich kennenzulernen.

Schmidt ging auf das bewegte Schicksal Stojkas ein und sagte, es sei beeindruckend, wie es Stojka trotz allem gelungen sei, ihre Identität zu bewahren und dabei stets ihre zentrale Botschaft nach der unbedingten Beachtung der Menschenwürde zu verkünden.

Als Rahmenprogramm spielte der Musiker Tibor BANDRI Auszüge aus dem "Concerto de Aranjuez", Krista STADLER las aus Texten von Ceija Stojka.

Ceija Stojka wurde 1933 in Kraubath als Kind einer fahrenden Rom-Familie vom Stamm der Lovara geboren. 1943 wurde die Familie nach Auschwitz-Birkenau verschleppt, wo die Nationalsozialisten ihren Vater und einen Bruder ermordeten. Die Mutter und die übrigen Kinder überlebten in der Folge noch zwei weitere Konzentrationslager, Ravensbrück und Bergen-Belsen. Nach dem Krieg nahm die Familie das Leben der Fahrenden wieder auf, ehe sie 1960 in Wien sesshaft wurde. 1988 veröffentlichte Ceija Stojka ihr erstes Buch, "Wir leben im Verborgenen", 1992 folgte "Reisende auf dieser Welt". Ausstellungen ihrer Bilder waren u.a. in Österreich, Deutschland, Ungarn und der Schweiz zu sehen. (Schluss)