Parlamentskorrespondenz Nr. 63 vom 04.02.2002
GUT UND BLUT FÜRS VATERLAND
Wien (PK) – Richtet man den Blick von den Götterstatuen in den Nischen des oberen Vestibüls etwas hinauf, so erkennt man ein Friesgemälde, das knapp unter der Decke die Wände ziert. Es umläuft nicht nur die Wände des Vestibüls und des anschließenden Atriums, sondern setzt sich auch in den beiden Korridoren fort.
Das insgesamt rund 100 Meter lange Fries wurde von Alois Hans Schram geschaffen und stellt im Treppenbereich die materiellen Segnungen des Friedens und im Vestibül die Bürgertugenden dar. Im rechten Korridor wird die Staatsidee von Sparta versinnbildlicht, links jene von Athen. Die Figuren sind scharf umrissen, was in dieser Komposition zu einem der wichtigsten künstlerischen Ausdrucksmittel zählt.
Hervorzuheben ist jener Teil des Frieses, der sich über der großen Eingangstür im Atrium, die zur Säulenhalle führt, befindet und der die Vaterlandsliebe zum Thema hat. Wie im Glasmosaikfries über dem Zentralportikus an der Außenseite des Parlamentsgebäudes steht auch hier die Verkörperung der Austria im Zentrum. Thronend nimmt sie den Treueeid der neben ihr knienden Krieger entgegen. Den Frauen ist dabei der weitaus friedvollere Part der Vaterlandsliebe zugedacht, denn sie huldigen Austria und opfern ihr Gaben. Das Konzept folgt dem Spruch: "Gut und Blut fürs Vaterland".
Alois Hans Schram gilt in Österreich als bedeutender Vertreter der Spätphase des Neobarock. Er stammt aus Wien und wurde dort als Sohn eines Postrats im Jahr 1864 geboren. Nach dem Besuch des Unterrealgymnasiums studierte er unter anderem bei Makart an der Akademie der bildenden Künste in Wien. Er erhielt zahlreiche Preise, zum Beispiel auch ein Staatsstipendium für sein Werk "Kaiser Maximilians Einzug in Gent", auf Grund dessen er sich einige Zeit in Rom aufhielt. Weitere Studienreisen führten ihn in die Niederlande, Frankreich, Griechenland, Türkei, Palästina bis nach Ägypten, nach Deutschland, Belgien, England und Spanien. Ab Mitte der 90er Jahre war er wieder in Wien tätig und insbesondere als Porträtist und Dekorationsmaler gefragt, so etwa für das Justizgebäude in Salzburg. Neben dem Fries im Parlamentsgebäude schuf er auch das Deckengemälde im Festsaal der Neuen Hofburg.
Schram war ab 1890 Mitglied der Genossenschaft der bildenden Künstler in Wien, der er auch seinen gesamten Nachlass widmete. Er beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen und wurde mehrfach mit hohen in- und ausländischen Orden und Medaillen ausgezeichnet. Ab 1917 trug er den Titel Professor. Hans Alois Schram starb 1919 in Wien. (Schluss)