Parlamentskorrespondenz Nr. 672 vom 07.10.2002

PRÄSIDENT DER SYRISCHEN VOLKSVERSAMMLUNG KADDOURA TRIFFT FASSLABEND

Wien (PK) - Der Nahost-Konflikt und der von den USA angedrohte Angriff auf den Irak standen heute im Mittelpunkt eines Gesprächs zwischen dem Präsidenten der syrischen Volksversammlung Abdel Kader Kaddoura und Drittem Nationalratspräsidenten Werner Fasslabend im Parlament. Kaddoura, der sich derzeit an der Spitze einer syrischen Parlamentarierdelegation in Österreich aufhält, warnte vor jeder weiteren kriegerischen oder kriegsähnlichen Handlung in der Region, da, wie er sagte, die Lage dadurch nur verschlimmert würde und es zu einer Explosion mit unabsehbaren Folgen kommen könnte. Konkret wandte er sich in diesem Zusammenhang gegen weitere Aggressionsschritte Israels und einen Angriff der USA auf den Irak. Der Irak war nie und ist auch jetzt nicht in der Lage, Atomwaffen zu produzieren, zeigte er sich überzeugt.

In Bezug auf die Auseinandersetzungen zwischen Israel und den Palästinensern mahnte Kaddoura eine verstärkte Initiative Europas zur Lösung des Konfliktes ein. Europa sollte stärkeren Druck ausüben und klar machen, dass nur Verhandlungen und Gespräche zu Frieden führen werden, betonte er. Sowohl Kaddoura als auch Fasslabend bezweifelten jedoch, dass es in absehbarer Zeit zu einer Änderung der Haltung Israels kommen wird. "Die Tage des Friedens sind sehr weit entfernt", sagte Kaddoura. Fasslabend äußerte die Befürchtung, dass durch die Vorgehensweise Israels neue Gewalt gesät wird, die über eine Generation hinausgeht.

Von Fasslabend auf die Kurdenfrage angesprochen, vertrat Kaddoura die Auffassung, dass die irakischen Kurden nicht die Absicht hätten, einen eigenen Staat zu gründen, sondern lediglich eine gewisse Selbstverwaltung wollten. In Syrien selbst gibt es ihm zufolge überhaupt kein kurdisches Problem, da nie zwischen nichtkurdischer und kurdischer Bevölkerung unterschieden worden sei. Beispielsweise seien derzeit mehrere Minister und Generäle Kurden. Besonders hervorgehoben wurden von Kaddoura die seiner Ansicht nach hervorragenden Beziehungen zwischen Syrien und Österreich, nicht nur auf parlamentarischer, sondern auch auf anderen Ebenen. Österreich sei das einzige Land, das er innerhalb der letzten fünf Jahre zwei Mal besucht habe, unterstrich er. In Anspielung auf die traditionell freundliche Gesinnung Österreichs gegenüber den Palästinensern meinte er, es wäre höchste Zeit, wenn andere europäische Länder von Österreich dazulernen würden, wie man andere Völker behandelt. (Schluss)