Parlamentskorrespondenz Nr. 247 vom 31.03.2004
STEIRISCHES JAHRBUCH FÜR POLITIK 2003 IM PARLAMENT VORGESTELLT
Wien (PK) - Im Sprechzimmer des Parlamentsgebäudes versammelte sich heute Abend ein zahlreiches Publikum mit viel politischer Prominenz aus der Steiermark, um der Präsentation des "Steirischen Jahrbuches für Politik 2003" beizuwohnen. Eingeladen hatten Nationalratspräsident Andreas Khol und der steirische Landeshauptmann, Frau Waltraud Klasnic. Die Gäste begrüßte der Mitherausgeber des Jahrbuches, der steirische Bundesrat und ehemalige Präsident des Bundesrates, Herwig Hösele, der namentlich den oftmaligen Bundesratspräsidenten Herbert Schambeck, den Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes Karl Korinek, den ehemaligen Präsidenten des Verbandes der Sozialversicherungsträger Hans Sallmutter und nicht zuletzt - "den Steirer, Österreicher, Böhmen und Weltbürger" - den ehemaligen Kanzler des tschechischen Staatspräsidenten, Karl Schwarzenberg, herzlich willkommen hieß.
Nationalratspräsident Andreas Khol würdigte das "Steirische Jahrbuch für Politik 2003" seiner überaus lesbaren Beiträge wegen, die ihr Thema jeweils auf den Punkt bringen. "Nach der Nullnummer des Jahres 2000, dem Lehrlingsstück 2001 und dem Gesellenstück 2002 ist die Ausgabe 2003 das Meisterstück des Steirischen Jahrbuchs für Politik geworden", sagte der Nationalratspräsident. Khol streifte die interessanten Schwerpunkte steirischer Innenpolitik und die Darstellung der EU-Erweiterung aus der Grenzlandperspektive und zeigte sich von der Analyse des Phänomens "Europäische Kulturhauptstadt 2003" beeindruckt. Das Jahrbuch mache auf die sichtbaren Veränderungen, die dieses Ereignis für das kulturelle Leben und das gesamte Leben der Grazer Civitas gebracht habe, deutlich, sagte der Nationalratspräsident.
Die steirische Landesrätin für Jugend und Generationen, Schulen und Wissenschaft der Steiermark, Kristina Edlinger-Ploder, konzentrierte sich auf das Thema Bildung, mit dem sich die steirische Öffentlichkeit zuletzt intensiv auseinandergesetzt habe, wobei sie grundsätzlich festhielt, dass für sie Bildung weder Selbstzweck noch nur Vorbereitung auf des Erwerbsleben sei, sondern sinnvollen Umgang mit Wissen bedeute. Die Jugend lebe heute nicht nur in einer Friedens-, sondern auch in einer Wohlstandsgesellschaft und damit in einer Optionenvielfalt, die Entscheidungsstärke verlange. Schule sei für sie daher ein Ort der Leistung, ein Ort des Lernens, aber auch ein Ort des Lachens und der Lust. Denn Tradition bedeute nicht Anbetung der Asche, sondern Weitergabe des Feuers, schloss die Bildungslandesräten pointiert.
Die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic fühlte sich durch die Worte Edlinger-Ploders an ihre Gymnasialzeit im Stift Seckau und an viele Besuche dort erinnert, die in ihr die Überzeugung befestigt haben, wie leicht man lernen könne, wenn das Lernen mit Fröhlichkeit verbunden sei. Angesichts des Steirischen Jahrbuches gab Waltraud Klasnic ihrer Freude darüber Ausdruck, dass es Menschen gibt, die ihr Wissen nicht für sich behalten, sondern weitergeben, wobei sie ein nachdrückliches Bekenntnis zu einem Bildungsbegriff ablegte, der die ganze Vielfalt der Begabungen umfasst, womit sie noch einmal auf das Stift Seckau zurückkam, wo Gymnasiasten neben der Matura drei Handwerke, nämlich Tischler, Goldschmied und Fotograph lernen können. Das Kulturhauptstadtjahr 2003 sah auch die steirische Waltraud Klasnic als ein Jahr des Aufbruchs. Die Frage, was davon bleibe, nachdem die Kulturhauptstadt Europas nun nach Genua weiter gezogen sei, beantwortete Klasnic schlicht mit: die Kulturhauptstadt Graz, wobei sie anmerkte, dass ihr erst Menschen, die Graz nun nach vielen Jahren wieder aufsuchten, gesagt haben, um wie viel größer und offener die steirische Landeshauptstadt geworden sei, sagte Waltraud Klasnic nicht ohne Stolz.
DAS STEIRISCHE JAHRBUCH FÜR POLITIK
Das steirische Jahrbuch für Politik erscheint nunmehr zum vierten Mal und hat sich bereits als ein erfolgreiches Medium etabliert, das die steirische Politik und Zeitgeschichte dokumentiert, analysiert und kommentiert sowie darüber hinaus den österreichischen, europäischen und globalen Kontext berücksichtigt.
Eingeleitet wird das "Steirische Jahrbuch für Politik 2003" mit einem grundsätzlichen Beitrag des ehemaligen deutschen Bundespräsidenten Roman Herzog, der den Titel "Perspektiven der Zeit" trägt.
"Steiermark live" ist die Überschrift des ersten von drei Großkapiteln. Es enthält pointierte Analysen zu Politik und Zeitgeschichte des Jahres 2003. Themen sind die politische "Großwetterlage", die wirtschaftliche Entwicklung Österreichs, die Pensionsreform, der Österreich-Konvent, die Bildungsreformdiskussion, die Etablierung des Medienclusters, die Grazer Gemeinderatswahl und die Erfolgsstory Arnold Schwarzeneggers.
Das zweite Kapitel beleuchtet das Großereignis "Kulturhauptstadt 2003" aus den verschiedenen Blickwinkeln von Politik, Wissenschaft, Kunst und Medien. Dabei werden die Geschichte dieses Projekts, seine Stärken und Schwächen und die Frage der Nachhaltigkeit von "Graz 2003" aufgeworfen.
Die Erweiterung der Europäischen Union um zehn neue Mitglieder am 1. Mai, das europäische Großereignis des Jahres 2003, steht schließlich im Zentrum von Kapitel drei des Steirischen Jahrbuchs. Für die Steiermark als Zukunftsregion ist die EU-Erweiterung naturgemäß besonders wichtig, bedeutet sie für das Land doch einen Sprung von einer Randlage ins Zentrum Europas. Bei der Thematisierung der Erwartungen, Chancen und Risken dieser Entwicklung kommen im "Steirischen Jahrbuch für Politik 2003" auch Autoren aus den Beitrittsländern zu Wort.
Das "Steirische Jahrbuch für Politik 2003", herausgegeben von Herwig Hösele, Reinhold Lopatka, Wolfgang Mantl, Manfred Prisching, Bernd Schilcher und Andreas Schnider ist 2004 im Verein für steirische Politik und Zeitgeschichte in Graz erschienen. Das Buch hat 252 Seiten, ist farbig illustriert und kostet 18 €.
Für die schwungvolle musikalische Untermalung des Abends sorgte das Grazer Jazz-Quintett "Obsessions". (Schluss)