Parlamentskorrespondenz Nr. 383 vom 25.05.2004
AFRIKANISCHE TROMMELN IN DER SÄULENHALLE
Wien (PK) - Der Zweite Präsident des Nationalrats, Heinz Fischer, und die österreichisch-afrikanische parlamentarische Freundschaftsgruppe luden heute Nachmittag zur Präsentation "Afrika im Parlament - Kultur.Entwicklung.Austausch - Uganda - Österreich" ein. Neben der Präsentation des Films "Inside Africa" von Ines Mitterer, der Eröffnung einer Fotoausstellung mit Arbeiten von Heribert Corn wurden den zahlreich erschienen Gästen noch musikalische und tänzerische Performances der Gruppe Ndere Troupe geboten.
Nationalratspräsident Fischer hieß die vielen interessierten Gäste "im Interesse einer sehr guten Sache" herzlich willkommen. Seiner Meinung nach sei es dringend notwendig, den Kontinent Afrika verstärkt ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken, weil es auf diesem Gebiet noch viele Defizite gebe.
Auch die Abgeordnete Petra Bayr (S), die Obfrau der österreichisch-afrikanischen parlamentarischen Freundschaftsgruppe ist, war der Auffassung, dass Afrika in den Fokus der Außenpolitik rücken sollte. Die Bevölkerung in Afrika habe auch ein Recht auf ein menschenwürdiges Leben und dies gehe uns alle an, betonte sie. Die G-Abgeordnete Ulrike Lunacek, die bei der Eröffnung des Ndere Cultural Centre in Kampala im Frühjahr dieses Jahres anwesend war, schilderte sodann ihre Eindrücke von dem Aufenthalt. Sie halte es für sehr wichtig, dass die Menschen in Österreich auch das kennen lernen, was es in Afrika noch gibt, außer Elend, Bürgerkriegen und Aids. Weiters sprachen noch Georg Lennkh (Leiter der Sektion Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium) sowie Emil Brix (Leiter der Sektion Auslandskultur im Außenministerium) über die bilaterale Zusammenarbeit im Bereich Kultur und Entwicklung zwischen Österreich und Uganda. Außerdem berichtete Stephen Rwangyezi, der Direktor des Ndere Cultural Centre, über die Entstehungsgeschichte des Zentrums sowie über die positiven Auswirkungen dieses kulturellen Bildungsprojektes in seinem Heimatland.
Seit nunmehr zehn Jahren wird von Seiten der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium und dem "Vienna Institute for Development and Cooperation" ein kulturelles Bildungsprojekt in Uganda durchgeführt, das als beispielgebend bezeichnet werden kann. 1984 wurde von Stephen Rwangyezi die Ndere Troupe gegründet, um künstlerisch talentierten Jugendlichen aus ärmlichen Verhältnissen die Chance zu geben, ihr Talent zu nutzen und ihnen dadurch Unterkunft, Essen und eine Ausbildung zu ermöglichen. Der einzige Weg, um in einem Land wie Uganda, wo es eine hohe Analphabetenrate und kaum Zugang zu Informationsmedien wie Fernsehen und Radio gibt, eine breite Öffentlichkeit anzusprechen und aufzuklären, ist das Medium des "Entwicklungstheaters". Durch das österreichische Engagement ist es nunmehr möglich, wichtige Inhalte wie Ökologie, Korruption, AIDS oder Gleichbehandlung in Form von Bildungstheater an die ländliche oder städtische Bevölkerung heranzubringen. Mittlerweile entwickelte sich daraus ein Netzwerk von mehr als 1300 Kulturgruppen, die unter dem Dach der UDTA (Uganda Development Theatre Association) ihre regionalen Kulturen pflegen und weiterentwickeln. Parallel dazu wurde in den letzten Jahren in Ntinda, einem Vorort der ugandischen Hauptstadt Kampala, mit österreichischer Unterstützung ein Kulturzentrum gebaut, das im Februar 2004 eröffnet wurde. (Schluss)