Parlamentskorrespondenz Nr. 427 vom 08.06.2004
EIN GROSSER EUROPÄER UND PATRIOT, EIN BEGEISTERTER PARLAMENTARIER
Wien (PK) - "Die gesamte Republik" versammelte sich Dienstag Abend im Parlament, um in einer parteiübergreifenden Feier den 70. Geburtstag von Alois Mock zu feiern: Nationalratspräsident Andreas Khol begrüßte u.a. Bundespräsident Thomas Klestil, Altbundespräsident Kurt Waldheim, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Vizekanzler Hubert Gorbach sowie zahlreiche weitere Mitglieder der Bundesregierung und Bundesratspräsident Jürgen Weiss. Gekommen waren auch Vertreter der Höchstgerichte, die Volksanwälte Kostelka und Bauer, die Klubobmänner der parlamentarischen Fraktionen sowie, als Vertreter der Landeshauptleute, der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer. Unter den Gästen schließlich auch der kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader und der frühere albanische Staatspräsident Sali Berisha. Nationalratspräsident Khol würdigte den Jubilar als großen Europäer, als großen Patrioten und als begeisterten Parlamentarier, aber auch als großen Christdemokraten.
Bundeskanzler Wolfgang Schüssel erinnerte an die Zwei-Drittel-Mehrheit bei der EU-Volksabstimmung vor zehn Jahren und sah einen positiven Zusammenhang mit der Wahlniederlage der ÖVP im Jahr 1986, die vielleicht dem gemeinsamen Triumph der EU-Abstimmung den Weg bereitet habe. Alois Mock habe in seinen zehn Jahren als ÖVP-Obmann stets gesehen, dass Partei vom Wort pars komme und Teil des Ganzen sei. Jede Partei wolle das Beste für das Land, sagte der Bundeskanzler, und zitierte Julius Raab, dessen Wort sich Alois Mock verpflichtet gefühlt habe: Österreich wird sein, was wir daraus machen.
Der Zweite Präsident des Nationalrats Heinz Fischer würdigte Alois Mocks vorbildhafte Zielstrebigkeit und zeichnete einige der Stationen des politischen Wegs des Jubilars nach: 1968, noch keine 35 Jahre alt, Unterrichtsminister, 1970 ins Parlament gewählt, 1971 Nachfolger Maletas als ÖAAB-Obmann, 1978 Klubobmann. Stets habe man die "Handschrift" des Parlamentariers Alois Mock gespürt, sagte Fischer, der mit ihm fünf Jahre gemeinsam in der Präsidialkonferenz des Nationalrats war. Alois Mock habe eine "Politik mit Ecken und Kanten" gemacht, sei stets fähig zu Kompromissen gewesen und habe als Außenminister ein klares außenpolitisches Konzept verfolgt. So sei Alois Mock einer der entscheidenden Architekten auf dem Weg nach Europa geworden, sagte Fischer.
Auch Vizekanzler Hubert Gorbach würdigte Mock als "glühenden Europäer", für den Europa als Friedensprojekt "keine hohle Phrase" gewesen sei, sondern tiefstes Anliegen. Gorbach erinnerte an die Beseitigung des Eisernen Vorhangs, an Mocks Engagement für die Anerkennung Sloweniens. Mock habe stets Taten gesetzt und die Einigung Europas federführend betrieben. Zu den Freiheitlichen habe Mock stets einen offenen Dialog gepflogen und er sei in diesem Dialog ein aufrechter und grundsatztreuer Ansprechpartner gewesen.
Er habe bei seinen Klubkollegen ausnahmslos Wertschätzung für Alois Mock festgestellt, sagte der Grüne Klubobmann Alexander Van der Bellen in seiner Laudatio. Er würdigte ebenfalls die Gesprächsfähigkeit des Jubilars und erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass Mock vor der EU-Abstimmung seine Argumente für den Beitritt vor dem Grünen Bundeskongress dargelegt habe. Launig stellte Van der Bellen dann fest, dass zu Mocks runden Geburtstagen stets bedeutende europäische Ereignisse stattgefunden hätten: beim 55. Geburtstag das Durchschneiden des Eisernen Vorhangs, zum 60er die EU-Volksabstimmung, zum 70. Geburtstag die Erweiterung. "Was bereiten Sie für den 75., 80. usw. Geburtstag vor?" fragte der Klubobmann der Grünen.
Der kroatische Ministerpräsident Ivo Sanader überbrachte die Grüße von "Millionen Kroaten" und würdigte Mock als beständigen Freund und großen Europäer, dessen Name "mit goldenen Buchstaben in der Geschichte Kroatiens" stehe. Sanader dankte darüber hinaus der gesamten Staatsführung Österreichs für ihr Engangement.
Metternich, Renner, Figl - manche Namen seien dem kollektiven Gedächtnis eingeprägt, sagte Bundespräsident Thomas Klestil. Dies treffe auch für Alois Mock, den "Mr. Europa" zu, der mit dem Ende der Nachkriegsordnung und dem europäischen Friedens- und Wohlfahrtsprojekt Europa verbunden sei. Mock habe die fehlende Lebensfähigkeit des alten Jugoslawien erkannt und bewusst gemacht, führte Klestil aus. Gegen vermeintliche Sachzwänge in der Politik habe Mock Ernsthaftigkeit und Geradlinigkeit gesetzt und sich damit Anerkennung und Hochachtung erworben - ein "Christlichsozialer ohne Wenn und Aber".
Alois Mock forderte in seiner Dankansprache "Ausgewogenheit" ein und dankte in diesem Sinn allen, die ihn auf seinem Weg unterstützt hatten. Die europäische Integration sei eine einmalige Chance, für deren Gelingen es allerdings keine Garantie gebe. Österreich könnte mehr Selbstbewusstsein haben, aber auch stärkere Gesprächsfähigkeit über die Gegensätze hinweg. Nach einem Wort des Dankes an seine Gattin, die Schönes und Schweres mit ihm geteilt habe, rief Mock unter dem anhaltenden Applaus der Festgemeinde: "Es lebe unser Österreich!"
Abschließend würdigte ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer Mock als ein "Vorbild an Grundsatztreue". Sein Einsatz habe Alois Mock gefordert, aber auch gezeichnet. Dankbar müsse man Mock auch für dessen Reformpolitik sein. Mocks Antwort auf Kleinmut sei stets Großmut gewesen - auch als "Mut zum Großen", schloss Molterer. (Schluss)