Parlamentskorrespondenz Nr. 506 vom 29.06.2004
LUPAC-DEMOKRATIEPREIS IM PARLAMENT AN DAS IBC HETZENDORF VERLIEHEN
Wien (PK) - Im Rahmen eines feierlichen Festaktes wurde heute Vormittag im Sitzungssaal des Parlaments der Demokratiepreis der Margaretha Lupac-Stiftung an das International Business College Hetzendorf verliehen. Zum Andenken an die 1999 verstorbene Wienerin Lupac, die ihr gesamtes Vermögen der Republik Österreich für Zwecke des Parlaments vererbt hat, wurde eine Stiftung gegründet, die heuer zum ersten Mal diesen Preis vergibt. Nationalratspräsident Andreas Khol begrüßte die zahlreichen Gäste, unter ihnen den zukünftigen Bundespräsidenten Heinz Fischer, und zeigte sich erfreut darüber, dass der Preis "an diesem zentralen Ort der Demokratie" an eine öffentliche Schule überreicht wird.
Die Vorsitzende der Jury, die ORF-Generaldirektorin Monika Lindner, gratulierte der ausgezeichneten Schule, die bei all ihren Projekten Wert darauf gelegt habe, Wissen und Bildung über die Grenzen hinweg zu vermitteln. Einstimmig sind die Jurymitglieder zur Auffassung gelangt, dass die Aktivitäten des IBC Hetzendorf den Stiftungszielen, nämlich der Förderung und Festigung von Demokratie, Parlamentarismus und Toleranz im Diskurs über Fragen der Politik, der Kunst und der gesellschaftlichen Entwicklungen, im hohen Maße verpflichtet sind. Sie stehe daher auch stellvertretend für alle Schulen in Österreich, die sich an diesen Prinzipien orientieren.
Es werde viel über politische Bildung gesprochen, meinte Bundesministerin Elisabeth Gehrer, aber es stelle sich die Frage, wie sie umgesetzt wird. Das International Business College Hetzendorf habe bewiesen, wie viel Ideenreichtum und Kreativität es in den Schulen gibt und auf welche Weise die "soft skills", wie Konfliktlösungskompetenzen, Diskussionskultur, Toleranz etc., nicht nur theoretisch, sondern auch in der Praxis eingeübt werden können. Neben einem bilingualen Unterricht, der Teilnahme am europäischen Jugendparlament, Reisen in die EU-Hauptstadt Brüssel und zahlreichen Projekten gebe es eine gelebte Mitbestimmung in der Schule. "An ihrer Schule werde Politik gemacht, und zwar eine Politik der Toleranz und des gegenseitigen Verständnisses", hob Gehrer hervor.
Laudator Hugo Portisch ist überzeugt davon, dass das Urteil der Jury ganz und gar im Sinne der Stifterin Margaretha Lupac sei. Er bezog sich in seiner Rede vor allem auf den Schwerpunkt Europa, auf den im IBC großer Wert gelegt werde. Wenn man sich an den letzten Europawahlkampf erinnere, der von so vielen Nebenthemen dominiert wurde, dann wäre es besser gewesen, diese jungen Menschen für Wahlaufrufe zu engagieren, meinte er. Denn sie begreifen das neue Europa als Chance und als Möglichkeit, ihr Leben selbst zu gestalten im Sinne der Menschenrechte, der Gerechtigkeit und Toleranz. In ihren Arbeiten gehe es um den Kern des europäischen Einigungsprozesses, nämlich den Frieden. Dieses Europa könne es aber nur dann geben, wenn es überzeugte Europäer gibt, "und das üben Sie in Ihrer Schule ein", schloss Portisch.
Dieter Wlcek, der Direktor des IBC Hetzendorf, dankte für die Auszeichnung; er empfindet den Preis als Motivation, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Damit verbunden sei aber auch die Bitte an den Gesetzgeber und die Schulbehörden, die Schulautonomie auch in Zukunft zu fördern, damit das große Potential an Expertise und Energie der SchülerInnen und LehrerInnen unter demokratischer Einbindung aller Beteiligten in die Entscheidungs- und Entwicklungsprozesse erfolgreich genutzt werden könne.
Schließlich wurde eine Ausstellung der Künstlerin Johanna Kandl (geboren 1954 in Wien) durch den Intendanten des Landesmuseums Joanneum, Peter Pakesch - er fungiert als Kunstkurator der Lupac-Stiftung - eröffnet. Aus den Mitteln der Stiftung wurde ein Bild der Künstlerin angekauft, das eine Filiale der Firma BauMax zeigt. Dieses Bild ist Teil einer Reihe von Werken, die mit "Betriebsbesichtigung" betitelt sind. Kandl möchte sich auf diese Weise mit dem Thema Arbeitsplätze und dem Image von Unternehmen, besonders mit deren Rolle in der Öffentlichkeit, auseinandersetzen. Pakesch verwies auf das mannigfaltige Schaffen von Kandl: Die Anliegen der Frauen zählen genauso dazu wie die Fragen der Globalisierung und deren Auswirkungen. Die Wirtschaft und mit ihr der Handel als Medium des Austausches haben für sie eine besondere Bedeutung.
Margaretha Lupac, die 1910 in Wien geboren wurde, war während des Zweiten Weltkrieges als Rot-Kreuz-Helferin und Sachbearbeiterin für wehrwirtschaftliche Angelegenheiten tätig. Die Kriegserlebnisse, aber auch das soziale Elend, die Arbeitslosigkeit und die wirtschaftliche Not in der 1. Republik haben aus Margaretha Lupac eine Patriotin gemacht, die Leopold Figls Appell vom "Glauben an Österreich" zu ihrem Lebensmotto erhob. Sie starb am 17. Februar 1999 und vermachte ihr gesamtes Vermögen in der Höhe von rund 1,5 Millionen €, das sie durch Ersparnisse und Erbschaften aufgebaut hatte, der Republik Österreich für Zwecke des Parlaments. Der Demokratiepreis wird alle zwei Jahr ausgeschrieben; im nächsten Jahr werden Wissenschaftler für ihre Arbeiten ausgezeichnet.(Schluss)