Parlamentskorrespondenz Nr. 169 vom 15.03.2005
FEIER DES INTERNATIONALEN TAGS DER FRANCOPHONIE IM PARLAMENT
Wien (PK) - Die Säulenhalle des Parlaments bot heute den Rahmen für das Fest der Francophonie, zu dem sich auf Einladung von Nationalratspräsident Andreas Khol und der Vertretungen der francophonen Staaten zahlreiche Gäste aus den Bereichen Diplomatie, Politik und Kultur einfanden. Österreich, das im Jahr 2004 als beobachtendes Mitglied in die Internationale Organisation der Francophonie (OIF) aufgenommen wurde, konnte dabei erstmals im Kreis der französischsprachigen Länder den Internationalen Tag der Francophonie feiern.
Nationalratspräsident Andreas Khol unterstrich in seinen Begrüßungsworten die Bedeutung der Sprachenvielfalt und der Diversität und des Dialogs der Kulturen und erinnerte an den hohen Stellenwert der französischen Sprache in der österreichischen Geschichte. So sei französisch die Sprache des Hofes unter Maria Theresia gewesen, die Herrscherin habe sich in ihren Briefen an ihre Tochter Marie Antoinette der französischen Sprache bedient. Österreich habe immer das Ziel verfolgt, Teil der Internationalen Organisation der Francophonie zu werden und unterstütze deren Ziele, die neben der Pflege der Sprache auch die Bereiche Menschenrechte und Demokratie umfassen, in vollem Umfang, betonte Khol.
Béatrice Damiba, Botschafterin von Burkina Faso und Präsidentin der OIF, sah die Ziele der OIF vor allem auch unter dem Blickwinkel von Solidarität und Toleranz. Die Verbreitung des Friedens, der Demokratie und der Menschenrechte, die Förderung der Erziehung, der Bildung und der höheren Studien sowie die Zusammenarbeit für eine nachhaltige Entwicklung seien auch ein Beitrag, die Globalisierung humaner zu gestalten. Die Globalisierung braucht Francophonie, stand für Damiba fest. Die Botschafterin beglückwünschte Wien zum Beitritt zur OIF und meinte, Österreich bringe dadurch seine Verbundenheit mit den Idealen der Organisation und sein Bekenntnis zur Pluralität der Sprachen und Kulturen zum Ausdruck. Damiba schloss mit einem "Vive la solidarité au sein de la francophonie !"
Barbara Cassin, Philosophin und Forschungsleiterin am CNRS in Paris, wies auch ihrerseits auf die zunehmende Bedeutung der Vielfalt der Sprachen hin und meinte, vor dem Hintergrund der Globalisierung bestehe heute die Gefahr der Entwicklung einer vom Englischen abgeleiteten Einheitssprache, eines "globish". Sprache sei aber mehr als ein blosses Verständigungsmittel, sie sei auch und vor allem Ausdruck von kulturellen und politischen Realitäten. Cassin rief dazu auf, diese Realitäten in ihrer Pluralität vor der Gleichmacherei und Vereinheitlichung zu bewahren.
Einblick in eben diese Vielfältigkeit der francophonen Welt gaben im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung auch musikalische Darbietungen sowie zahlreiche kulinarische Spezialitäten aus den Mitgliedsländern der OIF. (Schluss)