Parlamentskorrespondenz Nr. 768 vom 03.10.2006
Rosthorn-Medaillen 2006 und China-Buchpräsentation
Wien (PK) – Zweite Nationalratspräsidentin Barbara Prammer und Bundesrats-Vizepräsidentin Anna Elisabeth Haselbach luden heute aus Anlass der Verleihung der "Arthur von Rosthorn-Medaille 2006" im Rahmen der 2. Partnerschaftskonferenz mit China und der Vorstellung des Buches "Österreich und China in Anekdoten" von Gerd Kaminski zu einem Festakt in das Hohe Haus. Der Präsident des Verleihungskomitees Dr. Helmut Sohmen überreichte die Auszeichnung für Verdienste um die österreichisch-chinesischen Beziehungen an die diesjährigen sechs Preisträger, den Vorsitzender der Bundesratsfraktion der ÖVP, Ludwig Bieringer, Bundesminister a.D. Karl Blecha, den Vorsitzenden des Klubs der Sozialdemokratischen Parlamentsfraktion, Alfred Gusenbauer, den Direktor des Tiergartens Schönbrunn, Helmut Pechlaner, Richard Trappl vom Institut für Ostasienwissenschaften an der Universität Wien und Zhu Liang, Minister a.D. des chinesischen Parteiaußenministeriums. An der Festveranstaltung nahmen unter anderem ehemalige Minister und Abgeordnete sowie der Botschafter der VR China in Österreich teil.
Vizepräsidentin Haselbach begrüßte die anwesenden Gäste und meinte, jeder der hier Anwesenden habe eine besondere Beziehung zu China und auf mannigfache Weise freundschaftliche Kontakte geknüpft und die bilateralen Beziehungen vertieft. Das Außenministerium hat 2006 zum "China-Jahr" erklärt, ein Jahr in dem sich Österreich und China verstärkt bemühen, Treffen und Veranstaltungen in den Dienst der gemeinsamen Beziehungen zu stellen. Haselbach dankte insbesondere den Freundschaftsgesellschaften in beiden Ländern und der chinesischen Botschaft für ihr Engagement und rief dazu auf, auch in Zukunft weitere Kontakte anzubahnen und aufzubauen. "Österreich hat schon immer Menschen gehabt, die Brücken bauen konnten", schloss die Vizepräsidentin des Bundesrats.
Laudator Gerd Kaminski würdigte Engagement und Verdienste der Preisträger für die chinesisch-österreichischen interkulturellen Beziehungen. Kaminski ging in seiner Rede unter anderem auf die einzelnen Lebensläufe der Preisträger ein und stellte fest, den heute ausgezeichneten Persönlichkeiten sei das Bestreben gemeinsam, sich in ihrem persönlichen Wirken, in ihren persönlichen Kontakten, für die Überwindung von kulturellen und wirtschaftlichen Barrieren einzusetzen. Für den krankheitshalber verhinderten Minister Zhu Liang übernahm der chinesische Botschafter in Österreich die Ehrung.
Namens der Ausgezeichneten dankte Bundesminister a. D. Karl Blecha für die sehr festliche Überreichung der Rosthorn-Medaille, wobei er insbesondere Dr. Sohmen und Gerd Kaminski für deren persönlichen Einsatz dankte. Bei dieser Gelegenheit führte Blecha aus, dass alle Ausgezeichneten sich seit Jahren bemühen, "die chinesische Mauer niederzureißen", um das gegenseitige Verständnis zu fördern. Die Preisträger würden auch mithelfen, ein Element in die österreichisch-chinesischen Beziehungen einzubringen, das ihnen in früheren Zeiten fehlte, nämlich die Kontinuität. Pointiert schloss Blecha: "Als Freunde Chinas sagen wir, wo man unsere Hilfe wünscht, sind wir immer zugegen!"
Arthur von Rosthorn
Arthur von Rosthorn (1862-1945) wird bis heute als dominierende Persönlichkeit der österreichisch-chinesischen diplomatischen Beziehungen und als kultureller Mittler beider Länder angesehen. Er studierte in Wien und Oxford Sprachen, Sinologie und Wirtschaft, ging 1883 nach China und wurde 1896 von Kaiser Franz Joseph I. zum ersten Geschäftsträger in China ernannt. Während seiner Zeit als Botschafter in China erwarb sich Rosthorn einen hervorragenden Ruf und bis heute ist sein Name Synonym für ausgezeichnete österreichisch-chinesische Beziehungen. Auch nach seiner Rückkehr nach Wien machte er sich um den interkulturellen Dialog in hervorragender Weise verdient. In Erinnerung an seine Verdienste um die bilateralen Beziehungen zwischen Österreich und China wurde die Rosthorn-Medaille gestiftet.
Buchpräsentation "Österreich und China in Anekdoten"
In Anschluss an die Preisverleihung wurde das neueste Werk von Gerd Kaminski "Österreich und China in Anekdoten – Die Skurrilitäten in den Beziehungen" präsentiert. Die einleitenden Worte zur Vorstellung des Buchs sprach Kurt Seinitz, Leiter der Auslandsredaktion der "Kronen-Zeitung". Er stellte einleitend fest, in diesem Buch finde man eine Ansammlung von Skurrilitäten, die bis in die hohe Politik reiche. Das Verhältnis zwischen den beiden Ländern charakterisiere jedoch Tiefe, Beständigkeit und Belastbarkeit, befand er, und das sei eine gute Basis für die Zukunft.
Österreich und China – warum ein Buch in Anekdoten? Anekdoten, Momentaufnahmen der Geschichte, vermögen oft Eindrücke und Vorgänge besser zu fokussieren als umfangreiche historische Abhandlungen und erlauben dennoch einen souveränen Blick auf das Detail, schreibt Kaminski im Buch einleitend.
Kaminski gelingt es mit seinem neuesten Buch, "einen Strauß von Anekdoten als Geburtstagsgebinde anlässlich von 35 Jahren österreichisch-chinesischen diplomatischen Beziehungen und der ebenso langen Zeit der Existenz der Österreichisch-chinesischen Gesellschaft zu binden".
Gerd Kaminski
Gerd Kaminski wurde 1942 geboren und leitet das Ludwig Boltzmann-Institut für China- und Südostasienforschung in Wien. Seit ihrer Gründung gehört er der Österreichisch-Chinesischen Gesellschaft an, er ist Universitätsdozent an der Universität Wien, zudem absolvierte er Gastprofessuren in den USA und in der VR China. Er ist Autor von rund 40 einschlägigen Büchern und zahlreichen Artikeln.
Zum Abschluss des Festakts las die Schauspielerin Louise Martini Anekdoten aus dem Werk. (Schluss)