Parlamentskorrespondenz Nr. 403 vom 24.05.2007

Klimawandel - Chancen und Herausforderungen für den Tourismus?

Wien (PK) – In einer Parlamentarischen Enquete befassten sich Abgeordnete, Bundesräte, Ministerialbeamte, ExpertInnen, Tourismusreferenten und Vertreter von Tourismus-Organisationen mit dem Thema "Klimawandel – Chancen und Herausforderungen für den österreichischen Tourismus?".

Staatssekretärin Marek: Schnee-unabhänigen Tourismus forcieren

Das Einleitungsreferat hielt in Vertretung von Wirtschaftsminister Bartenstein Staatssekretärin Christine Marek. Sie meinte, selbst die größten Kritiker könnten nicht mehr ignorieren, dass ein Klimawandel stattfindet. Es gebe keinen globalen Reduktionseffekt bei Emissionen, weil die Schwellenländer immer noch zu weltweiten Emissionssteigerungen beitragen. Der Anteil der EU an den Emissionsausstößen betrug 14,75 % im Jahr 2004 und werde im Jahr 2030 auf 10 % sinken. Daran erkenne man, sagte sie, dass andere Länder ihre Hausaufgaben noch zu machen haben. Der Klimawandel habe auch Auswirkungen auf den österreichischen Tourismus, nicht nur auf die Hotellerie und auf die Gastronomiebetriebe, sondern auf alles, was tourismusrelevant ist.

Für den Tourismus habe der Klimawandel mehrere Seiten, so Marek. Auf der einen Seite gelte es, Herausforderungen und Probleme im Wintertourismus zu lösen, aber auch für den Sommertourismus gebe es Chancen, die genutzt werden sollten. Laut einer bei der Tourismustagung in Werfenweng vorgestellten Studie habe Österreich neben der Einzigartigkeit der Landschaft vor allem aufgrund des Klimas eine internationale Wettbewerbsposition. Auf Grund des extremen Temperaturanstieges in den heute warmen Urlaubsländern eröffne sich für den Sommertourismus eine große Chance.

Die aktuellste OECD-Studie zum Klimawandel in den Alpen spreche davon, dass die Erwärmung der Alpen mit 2 bis 2,5 Grad bis zum Jahr 2040 doppelt so hoch ausfallen könnte wie der globale Durchschnitt. Dies führe zu einem Rückzug des Schnees in deutlich höhere Lagen und zu einer Reduktion der schneesicheren Schigebiete in den Alpen. Wenn also in immer höher gelegene Schigebiete ausgewichen werden muss, müsse entsprechend mehr investiert werden und das Buhlen um die Gäste würde sich nicht nur auf regionalem und nationalem Niveau, sondern massiv auf internationalem Niveau abspielen.

Zu der Frage, wie der Tourismus auf den Klimawandel reagieren könnte, führte die Staatssekretärin aus, dass der schneeunabhängige Wintertourismus (Städte-, Kur- und Gesundheitstourismus sowie Messe- und Kulturtourismus)forciert werden müsse. Weiters sollten Destinationen als Lifestyle-Marken aufgebaut werden. Man werde sich zudem stärker um neue Quellmärkte bemühen müssen. Auch die künstliche Beschneiung sei weiter auszubauen und die Kooperationen zwischen den Betrieben und Regionen müssten verbessert werden. Eher heikel sei die Frage der Erschließung der höheren Regionen für den Schitourismus.

Dem Sommertourismus biete der Klimawandel sehr viele Chancen, da werde es die Umlenkung von Reiseströmen geben, weil in vielen Regionen die Temperaturen zu hoch sind und Österreich auf Grund seines milden Klimas attraktiv für den Sommertourismus sein kann. Für die Ausflugsdestinationen sei die Saisonverlängerung im Sommertourismus sicher ein wichtiges Thema. Sauberes Wasser, saubere Luft und eine intakte Natur seien heute schon zentrale Wettbewerbsvorteile für Österreich, der Alpenraum biete noch ein großes Potenzial, meinte Marek abschließend.

Schenn: Klimaänderung führt zu Änderung des Reiseverhaltens

Klaus Schenn (SPÖ-Referent) strich heraus, dass im Rahmen des Klimawandels kalte Witterungen seltener, warme Witterungen würden stark zunehmen und extrem warme Witterungen häufiger werden. Als Folge der Klimaänderung verändern sich die Jahreszeiten. Das Frühjahr beginne früher und werde wärmer, der Sommer werde wärmer und länger, der Herbst werde wärmer und ende später und der Winter werde milder und kürzer. Die Extremereignisse, bedingt durch Hitze und Trockenperioden, durch Niederschlagsextreme und Stürme, nehmen zu, auch die touristische "Verwundbarkeit" steige.

Mit dem Fortschreiten der Klimaänderung erfolge eine Veränderung des Reiseverhaltens, und zwar eine zeitliche, räumliche und eine aktivitätsorientierte. Dass man sich anpassen muss, war dem Referenten klar, diese Anpassung sollte durch Diversifikation, durch zeitliche Expansion des Angebotes, durch räumliche Expansion und durch den gemanagten Rückzug des Schitourismus erfolgen. Da es kein Patentrezept für eine Tourismusanpassung gibt, brauche man regionale touristische Klimafolgenanpassungsstrategien. Der Klimawandel, unterstrich Schenn, sei keine plötzlich auftauchende Einzelkatastrophe, sondern eine permanent stattfindende Veränderung der Umwelt. Daher müsse man den Klimawandel akzeptieren, sich laufend anpassen und am Klimaschutz aktiv teilnehmen.

Formayer: Klimawandel begünstigt Sommertourismus

Herbert Formayer (ÖVP-Referent) merkte an, dass die Entscheidungsträger beginnen, die Klimaänderung ernst zu nehmen. Der Redner befasste sich im Zusammenhang mit dem Wintertourismus mit der Variabilität der Witterung und auch mit den besonders gefährdeten Gebieten. Hiezu zählen Gipfel um 1.500 m, Schigebiete, die keine Mittelstation kennen. Die Abnahme der Niederschlagsmenge und der Niederschlagshäufigkeit seien günstige Bedingungen für den Sommertourismus, vor allem für den Seen-, Donau- und Alpentourismus. Die Hitzebelastung werde aber das Tourismusverhalten im Alpenraum beeinflussen, da die Leute aus den Städten flüchten und sich Veränderungen im Freizeitverhalten ergeben werden. Auch müsse der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre mitberücksichtigt werden, daher habe der Tourismus auch einen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen zu leisten, und zwar durch die thermische Sanierung von Hotels, durch Kraft-Wärme-Kopplungen in Wintersportorten, durch Nutzung der Solarenergie auch im Wellnessbereich und durch verstärkte Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

Hlavac: Tourismuswirtschaft als Opfer und als Täter des Klimawnadels

Christian Hlavac (Referent der Grünen) unterstrich: "Der Klimawandel findet statt, die Tourismuswirtschaft ist Opfer und Täter zugleich." Aufgrund des Klimawandels werde die Sommersaison in den Alpen länger und bedeutender und man werde in einigen Jahren, mutmaßte er, in den Alpen vor Liftruinen stehen. In der Schweiz seien derzeit über 60 Anlagen wirtschaftlich nicht mehr rentabel, aus diesem Grund wurde ein neues Seilbahngesetz beschlossen, das den Rückbau von stillgelegten Anlagen verlangt. Eine solche gesetzliche Regelung würde man nach Ansicht des Referenten auch in Österreich brauchen. Außerdem sollte es eine Klimaverträglichkeitsprüfung geben, und auch die touristische Mobilität vor Ort sei auszubauen. In Zukunft müsse das Motto "Urlaub von Anfang an" lauten. Als Beispiel einer geschlossenen Mobilitätskette nannte der Redner Werfenweng. Es habe sich gezeigt, dass die Nachfrage hiefür vorhanden ist, weil die Zahl der Übernachtungen zugenommen hat. Als notwendig sah er auch an, die Kostenwahrheit in den Verkehrssystemen einzuführen.

Huber: Förderungen für Tourismus-Kleinbetriebe im ländlichen Raum

Er komme aus Lienz, also einem typischen vom Klimawandel betroffenen Ort, erklärte einleitend Gerhard Huber (von der FPÖ nominierter Referent). In seinem Referat konzentrierte er sich auf die touristischen Familienbetriebe, die besonders unter den negativen Auswirkungen der klimatischen Veränderungen zu leiden haben. Es handle sich dabei um Klein- und Kleinstbetriebe mit maximal 30 bis 40 Betten, die unter die Kategorie 1- bis 3-Sterne fallen, oder um Vermieter von privaten und gewerblichen Ferienwohnungen bzw. –zimmern sowie um Urlaub am Bauernhof. Österreichweit gibt es davon rund 58.000 Betriebe mit 540.000 Betten, die jährlich – bei 39 Millionen Nächtigungen - 7,5 Millionen Gäste beherbergen; dies sei ein Drittel des österreichischen Tourismus. Es sei sehr wichtig, diese touristischen Familienbetriebe, von denen rund 200.000 Menschen abhängen, im ländlichen Raum zu erhalten, unterstrich Huber. Im Hinblick auf den Klimawandel solle man nicht vergessen, dass die Personen, die in diesen Betrieben tätig sind, ihren Arbeitsplatz zu Hause haben und somit auch keinen Verkehr verursachen. Huber forderte zudem die Politik auf, diesen Menschen zusätzliche Förderprogramme und Weitbildungsmaßnahmen anzubieten, um auf die neuen Verhältnisse reagieren zu können, sowie die Installierung einer gemeinsamen Interessenvertretung.

Steininger: "Die Alpen sind speziell verwundbar"

Der Grazer Universitätsprofessor Karl Steininger (vom BZÖ nominiert) ging in seiner Rede auf die volkswirtschaftlichen Aspekte des Klimawandels auf den Tourismus ein. Der direkte Wertschöpfungsanteil des Tourismus in Österreich betrage 6,5 %, bzw. wenn man die indirekten Effekte hinzuzählt sogar 9 %. Damit liege man im Vergleich zu den anderen Industrieländern an erster Stelle, was den Anteil des Tourismus am BIP angeht, hob Steininger hervor. Die Wetterbedingungen und die Schneelage im Winter hätten natürlich eine Auswirkung auf die Saison und auf die Arbeitslosenzahlen, zumal in einzelnen Gemeinden bis zu 80 % der Beschäftigten im Tourismus tätig sind. Die Freizeitwirtschaft müsse sich an die neuen Bedingungen anpassen, und zwar zunächst einmal auf die Niederschlagsänderungen sowie auf die Erwärmung um 0,2 Grad pro Dekade bis 2050. Danach hänge es davon ab, welche Maßnahmen heute ergriffen werden, erklärte Steininger, die Prognosen gehen von einer Temperaturerhöhung zwischen 1,8 und 4 Grad aus.

Im Alpenraum könne man davon ausgehen, dass es keine geschlossene Schneedecke unter 1.500 Meter mehr geben wird; eine Schneesicherheit (eine Schneedecke von 30-50 cm an zumindest 100 Tagen zwischen dem 1. Dezember und 15. April, in 7 von 10 Wintern) werde es nicht mehr unter 1.800 Meter geben. Gleichzeitig habe man festgestellt, dass die Gletscher (bis 3000 Meter) noch früher als man bisher dachte, und zwar bis zum Jahr 2035 wegschmelzen werden. Bezüglich der Auswirkungen auf den Sommertourismus gebe es noch nicht so viele Untersuchungen, räumte Steininger ein. Man wisse lediglich, dass die erwartete Temperaturerwärmung im Mittelmeerraum (teilweise über 40 Grad) dazu führen wird, dass der bisherige Tourismusstrom (vom Norden in den Süden) teilweise in den Norden, d.h. auch nach Österreich, umgelenkt wird.

In einzelnen Jahren würden bestimmte Tourismusformen auch empfindlich auf die zunehmenden extremen Wetterereignisse, z.B. Hitzewellen, Hochwasser, Lawinen, Muren etc. reagieren. Da die Betroffenheit in den einzelnen Gebieten sehr unterschiedlich ist, gelte es, spezifische Adaptionsstrategien und Gesamtkonzepte für die Regionen zu entwickeln, wünschte sich Steininger. Auch im Rahmen des Energie- und Klimafonds sollte es eine Programmlinie geben, die spezielle Förderungen für Anpassungsmaßnahmen vorsieht. Abschließend stellte er fest, dass die Alpen speziell verwundbar sind, dass der Einfluss des Klimawandels in verschiedenen Dimensionen bereits feststellbar sei, dass sich die beobachteten Trends verstärken werden, dass die Verluste im Wintertourismus durch Zugewinne im Sommertourismus ausgeglichen werden können, aber nur dann, wenn wirksame Anpassungsmaßnahmen durchgeführt werden.

Die Statements der Tourismussprecher

Abgeordnete Melitta Trunk (S) sprach von einem dringenden Handlungsbedarf der Politik auf allen Ebenen im Sinne einer nachhaltigen, ökologischen, sozialen und ökonomischen Werteorientierung in der Freizeitwirtschaft. Die Experten haben heute ganz klar auf die sichtbaren Auswirkungen des kontinuierlichen nachlässigen Umgangs mit der Umwelt im globalen Zusammenhang hingewiesen. Nunmehr gehe es darum, die Konsequenzen zu ziehen und Maßnahmen zu setzen, die von der Evaluierung und Änderung von Förderrichtlinien, einer sehr klaren Prioritätensetzung im Bereich der Infrastruktur bis hin zur Erstellung eines Masterplans für die österreichische Freizeit- und Tourismuswirtschaft reichen.

Die Debatte über den Klimawandel in den letzten Monaten schwankte je nach Interessenlage zwischen Hysterie und Verharmlosung, konstatierte Abgeordneter Franz Hörl (V). Die Einschätzung sei manchmal auch schwierig, da Schigebiete, die im Winter gar nicht in Betrieb waren, Schiregionen gegenüberstehen, die enorme Umsatzsteigerungen aufweisen. Aus seiner Sicht sei es auch kein großes Problem, wenn in den nächsten 20 Jahren der Wintertourismus zahlenmäßig den Sommertourismus überhole; diese Entwicklung habe Tirol in den letzten 20 Jahren bereits durchgemacht. Es sei auch sachlich falsch, dass das Wetter in den letzten Jahren viel extremer geworden ist. Seiner Auffassung nach gehe es vor allem darum, den Unternehmen mehr Freiheiten einzuräumen und sie von Bürokratie zu entlasten, damit sie in der Lage sind, die jeweiligen Probleme zu lösen. Außerdem müssen mit der gebotenen Gelassenheit und Konsequenz jene ökologischen Maßnahmen gesetzt werden, die der Erderwärmung entgegensteuern. Da es sich allerdings um ein globales Problem handelt, könnten die österreichischen Aktivitäten nur symbolischen und bewusstseinsbildenden Charakter haben. Der Klimawandel könne jedoch als Chance für den Tourismus und auch für die österreichische Wirtschaft, die gerade auf dem Sektor der Umwelttechnologie zu den innovativsten der Welt gehöre, gesehen werden; dieser Wirtschaftszweig wachse mit 7,3 % pro Jahr.

Da es den Klimawandel immer gegeben habe und auch immer geben werde, geht es für Abgeordnete Gabriela Moser (G) vor allem darum, einerseits auf die Auswirkungen richtig zu reagieren und andererseits die Energieeffizienz zu erhöhen. Angesichts der Energieengpässe sei es ein Gebot der Stunde, auch die Tourismusindustrie fit für die Zukunft zu machen und bei Investitionen Klimaverträglichkeits-Prüfungen durchzuführen. Weiters sprach sich Moser für die Förderung des Inlands- und Nachbarschaftstourismus, der sanften Mobilität sowie für kreative Lösungen und Modelle in Bezug auf die Anreise zum Urlaubsort aus. Sie könnte sich auch vorstellen, dass der Staatspreis für Tourismus an jene Betriebe verliehen wird, die innovative Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel entwickelt haben.

Auch für Abgeordneten Gerald Hauser (F) steht es außer Streit, dass der Klimawandel stattfindet und eine Herausforderung für die Freizeitwirtschaft darstellt. Die Politik sei nun aufgefordert, die negativen Auswirkungen einzubremsen und die Betriebe durch zusätzliche Förderungen zu unterstützen, damit vor allem die kleinen Familienunternehmen die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur vornehmen können.

Österreich sei an einer Wegscheide angekommen und es sei nun der richtige Zeitpunkt, den heimischen Tourismus grundsätzlich und strategisch völlig neu auszurichten, meinte Abgeordneter Josef Bucher (B). Wenn man sich die Wortmeldungen der Experten anhört, dann stehen für ihn vor allem drei Maßnahmen im Vordergrund. Erstens gehe es um die Erstellung eines Masterplans für die nächsten zehn Jahre, der die gesamtheitliche Betrachtung des Tourismus mit einschließt. Dieses Vorhaben könnte in einem Unterausschuss vorbereitet werden, schlug Bucher vor, und letztlich in einem Bundestourismusgesetz seinen Ausdruck finden. Es sollte seiner Meinung nach auch eine Koordinationsstabstelle eingerichtet und gewisse Kompetenzen von den Ländern an den Bund übertragen werden. Drittens schlug Bucher als kurzfristige Maßnahme "eine Auffettung" des Budgets der Österreich-Werbung vor.

Der Geschäftsführer des Klimabündnisses Österreich Wolfgang Mehl bezeichnete den Klimawandel als die größte Herausforderung für Gesellschaft und Wirtschaft in der ersten Hälfte dieses Jahrhunderts. Aus dieser großen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umstellung könnten jene, die zuerst handeln, riesige Vorteile ziehen. – Die Schlagworte für den anzustrebenden Ökotourismus seien „sanft“, „mobil“, „bio“ und „fair“.

Verwundert zeigte sich der Meteorologe Reinhard Böhm, wie amateurhaft an die Probleme des Klimawandels herangegangen werde. Die naturwissenschaftliche Forschung könne auf Grund neuester Erkenntnisse in diesem Bereich sehr wohl bereits eine nachhaltige Basis für Entscheidungen liefern; der Wissenschafter warnte jedoch davor, zu glauben, dass bereits alles klar sei. Quantitativ müsse die Forschung noch viel mehr ins Detail gehen.

Landschaftsökologe Christian Baumgartner äußerte Besorgnis darüber, dass der Standort Österreich vor allem im Wintertourismus durch Mangel an Kreativität und auf Grund fehlender Anpassungsstrategien im Hinblick auf Klimaveränderungen an Attraktivität zu verlieren drohe.

Als Inhaber eines Reisebüros erlebe er gegenwärtig immer wieder, schilderte Joseph Reitinger-Laska, dass die Menschen auf Grund der Medienberichte über den Klimawandel durchaus umdenkbereit seien. Die Reisebüros seien nun gefordert, entsprechende Angebote im Sinne von ökologischem Tourismus zu unterbreiten, was allerdings auch der politischen Förderung bedürfe.

Zusammenfassend betonte Sepp Schellhorn von der Österreichischen Hoteliervereinigung in der anschließenden Debatte, dass die notwendige Umstellung auf einen 365‑Tage‑Tourismus eine große Chance und Herausforderung darstelle, für die von Seiten der Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen.

Zu beachten sei, wie Manfred Pils vom Umweltdachverband festhielt, dass es im Zuge der Veränderungen im Hinblick auf den Klimawandel im Tourismus nicht nur zu Neuerungen und Anpassungen, sondern auch zur Vermeidung gewisser traditioneller Methoden kommen müsse. So sei vor allem der vermehrte Einsatz von Beschneiungsanlagen in höheren Regionen letztlich ausschließlich kontraproduktiv.

Abgeordnete Beate Schasching (S) wies darauf hin, dass eine wichtige Aufgabe der Politik nunmehr insbesondere die Erarbeitung eines Förderungskatalogs für den Tourismus sei. Dabei müsse vor allem überprüft werden, inwieweit die Fördervoraussetzungen den aktuellen Erkenntnissen entsprechen.

Auf die Frage der Abgeordneten Rosemarie Schönpass (S), inwieweit sich die Österreich Werbung bereits auf den Klimawandel und dessen Begleitumstände eingestellt habe, berichtete Generaldirektorin Petra Stolba, dass die Aufgabe ihrer Organisation als Mittlerin zwischen Angebot und Nachfrage nun vor allem darin bestehe, die Sensibilität in den Märkten im Rahmen der Wissensvermittlung weiterzugeben und in dieser Hinsicht auch bei der Vermarktung des Tourismuslandes Österreich entsprechend zu reagieren.

Christoph Müller (Bundeskanzleramt) wies darauf hin, dass Klimaschutz alle angehe und daher auch alle Bereiche daran beteiligt werden müssten. In Österreich werde daher eine diesbezüglich kohärente Vorgangsweise von Bund, Ländern, Gemeinden und Interessenvertretungen angestrebt.

Gemessen an den globalen Klimaveränderungen könne Österreich, wie Bundesrat Franz Perhab (V) bemerkte, nicht allzu viel bewirken. Dennoch sei es wichtig, dass man hier darauf im Rahmen der österreichischen Dimensionen reagiere und insbesondere im Tourismus auch die Chancen wahrnehme.

Der Paläoklimatologe Markus Fiebig hielt fest, dass ein bekannter New Yorker Kollege mit seinem Ausspruch „Das Klima ist eine Bestie!“ die völlige Unberechenbarkeit des Klimas exakt auf den Punkt gebracht habe. – Dem könne nur durch bessere Erforschung der vielfältigen Phänomene, auch zum Wohle des Tourismus, begegnet werden.

Elisabeth Udolf-Strobl vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit berichtete, dass man darauf bedacht sei, in Anbetracht des Klimawandels in ihrem Ressort eine Grundlagenstrategie auch für den Tourismus aufzubauen, um der starken Wetterabhängigkeit in diesem Bereich mit einem differenzierteren Angebot entgegen zu wirken.

Hans Embacher von der Landwirtschaftskammer Österreich stellte die Handreichungen, die die Landwirtschaft zur Pflege der österreichischen Landschaftskulisse anbieten könne, die für Tourismus sehr wichtig sei, in den Vordergrund seiner Betrachtungen. Seine Vision sei es, dass Österreich in Zukunft den am besten regional integrierten und vernetzten Tourismus EU-weit aufweist.

Kritisch merkte Abgeordneter Gabriel Obernosterer (V) an, dass der Gedanke der Regionalisierung im Tourismus offenbar an den Grenzen der Länder stehen geblieben sei, und regt an, in der Politik dafür zu sorgen, dass die aufgewendeten Fördergelder effizienter eingesetzt werden, um Doppel‑ und Dreigleisigkeiten zu vermeiden.

Auf die Frage der Abgeordneten Anita Fleckl (S), warum sich die Forschung bezüglich Klimawandel um mehrere Jahre geirrt habe, führte Karl Steininger aus, dass es zu einer Diskrepanz der Prognosen gekommen und man nunmehr von der Annahme einer linearen Entwicklung abgegangen sei. (Schluss)