Parlamentskorrespondenz Nr. 761 vom 29.07.2011

Wir gratulieren

Wien (PK) – Im August feiern folgende ehemalige Mandatare runde Geburtstage:

der ehemalige Abgeordnete Franz KÖCK (S) – 80. Geburtstag am 8. August,

der ehemalige Bundesrat Ing. Georg LEBERBAUER (V) – 85. Geburtstag am 10. August,

der ehemalige Bundesrat Ing. Siegfried KAMPL (o.F.) – 75. Geburtstag am 13. August,

der Staatssekretär a.D. und ehemalige Abgeordnete Ing. Gerulf MURER (F) – 70. Geburtstag am 19. August,

der Landeshauptmann und Landeshauptmann-Stellvertreter von Kärnten a.D. sowie ehemalige Bundesrat Dr. Peter AMBROZY (S) – 65. Geburtstag am 20. August,

der Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarats a.D. und ehemalige Abgeordnete Dr. Peter SCHIEDER (S) – 70. Geburtstag am 20. August,

der ehemalige Abgeordnete Prof. Sepp WILLE (S) – 85. Geburtstag am 20. August,

der ehemalige Bundesrat Ing. August EBERHARD (V) – 70. Geburtstag am 26. August,

der ehemalige Abgeordnete Otto KELLER (V) – 85. Geburtstag am 27. August.

Peter Schieder 70

Einer von Österreichs profiliertesten Außenpolitikern begeht am 20. August seinen 70. Geburtstag. Peter Schieder, 1970 erstmals zum Abgeordneten gewählt, wurde 1941 in Wien geboren. Nach der Volksschule wechselte er auf das Gymnasium und maturierte 1960, um sodann ein Jus-Studium zu beginnen. Wenn er dieses auch nicht beendete, so kam Schieder später doch zu akademischen Ehren, als er 2004 von der Universität Bukarest ein Ehrendoktorat für Politikwissenschaften verliehen bekam.

Schon früh zog es Schieder in die Politik, er trat der Sozialistischen Jugend bei, für die er alsbald journalistisch tätig wurde. 1962 übernahm er die Chefredaktion des Zentralorgans der SJ, "Trotzdem", dem er ein zeitgemäßes Image verpasste. Zwei Jahre später wurde er als Nachfolger von Peter Strasser und Heinz Nittel zum dritten Verbandsobmann in der Geschichte der SJÖ gewählt. Auch im internationalen Feld bewährte sich Schieder, der im Rahmen der Sozialistischen Jugendinternationale IUSY eine bedeutende Stellung einnahm.

Im März 1970 zog Peter Schieder als Jugendkandidat für die SPÖ in den Nationalrat ein, wo er sich alsbald auch als Umweltexperte einen Namen machte. Sein damaliger Klubobmann Leopold Gratz holte ihn denn auch 1973 in den Wiener Stadtsenat, wo Schieder das Amt des Umweltstadtrates übernahm, das er in der Folge elf Jahre lang ausübte. In seine Amtszeit fielen so bedeutende Maßnahmen wie die Errichtung der Donauinsel, die WIG 74, der Ausbau des Grüngürtels und die Hebung der Gewässerqualität.

Im September 1984 kam es zu einem umfangreichen Revirement in der SPÖ. Bundeskanzler Sinowatz bildete seine Regierung grundlegend um und holte Leopold Gratz als Außenminister in sein Kabinett, während der bisherige Unterrichtsminister Helmut Zilk Gratz als Bürgermeister nachfolgte. Peter Schieder schied gleichfalls aus der Stadtregierung aus und übersiedelte wieder in den Nationalrat, wobei er gleichzeitig des Posten des Zentralsekretärs der SPÖ übernahm. Dieses Amt übte er bis zum Parteitag im Mai 1988 aus, bei dem Sinowatz durch Franz Vranitzky als Parteiobmann abgelöst wurde.

Schieder konzentrierte sich ab diesem Zeitpunkt auf seine parlamentarische Arbeit. Er wurde stellvertretender Klubobmann der SPÖ und in der Folge außenpolitischer Sprecher seiner Partei. Seit 1994 hatte er im Außenpolitischen Ausschuss des Nationalrates den Vorsitz inne. Ein Jahr später wurde er zudem Fraktionsvorsitzender der sozialdemokratischen Mandatare im Europarat, eine Funktion, die er 2002 niederlegte, als er Präsident der Parlamentarischen Versammlung des Europarates wurde. Zudem vertrat er Österreich in der IPU und war lange Jahre Leiter der österreichischen Delegation bei der COSAC.

Innerhalb seiner Partei hatte Schieder zahlreiche wichtige Ämter inne, so gehörte er dem Bundes- und dem Wiener Landesparteivorstand an und amtierte viele Jahre als Vorsitzender der Penzinger SPÖ. Auch dem Journalismus blieb Schieder in vielerlei Formen verbunden, so war er unter anderem 27 Jahre lang Mitglied des ORF-Kuratoriums. 2006 schied Schieder aus seinem Amt, doch ging sein Name der Politik nicht verloren. Sein Sohn Andreas übernahm die Vertretung des Bezirks im Nationalrat und avancierte später zum Staatssekretär.

Sepp Wille 85

Einen runden Geburtstag feiert am 20. August auch Josef Wille, langjähriger Klubobmann der SPÖ. Geboren 1926 in Landeck, begann er nach Absolvierung der Pflichtschule eine Mechanikerlehre und wurde später Werkmeister. 1957 trat er in die Dienste des ÖGB, wo er für das Organ der Metaller verantwortlich zeichnete. Acht Jahre später wurde er leitender Sekretär der Gewerkschaft MBE, daneben fungierte er als Chefredakteur der zentralen Gewerkschaftszeitung "Welt der Arbeit". In den 60er Jahren war er zudem in etlichen Aufsichtsräten tätig, so unter anderem in der ÖIAG und in der ÖMV.

Im November 1971 wurde Wille als Kandidat der SPÖ in den Nationalrat gewählt, wo er sich bald als Experte für Wirtschafts- und Sozialfragen etablierte. Den Höhepunkt seiner politischen Karriere erlebte er jedoch nicht in der "Ära Kreisky", sondern in jener der "Kleinen Koalition", avancierte Wille doch als Nachfolger von Heinz Fischer, der in der Regierung Sinowatz den Posten des Wissenschaftsministers übernommen hatte, im Juni 1983 zum Klubobmann der sozialistischen Fraktion. In dieser Funktion kam ihm in den folgenden drei Jahren eine zentrale innenpolitische Rolle zu. Mit Ende der 16. Gesetzgebungsperiode zog sich Sepp Wille in die Pension zurück, wo er seitdem seiner Leidenschaft für die Literatur folgt. 1993 veröffentlichte Wille einen eigenen Lyrikband des Titels "Träume sind große Taten", 1996 folgte ein politischer Rückblick mit dem Titel "Jedem das Seine". (Schluss)

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