Parlamentskorrespondenz Nr. 417 vom 17.05.2013

Uraufführung der Wiener Festwochen im historischen Sitzungssaal

Wien (PK) - Der historische Sitzungssaal im Hohen Haus wird heute Abend zum Schauplatz einer besonderen Uraufführung der Wiener Festwochen. Der Aufführungsort für das Musik- und Theaterprojekt "Letzte Tage. Ein Vorabend" von Christoph Marthaler ist bewusst gewählt. Das Stück, das nationalistische und rassistische Tendenzen in Europa thematisiert, stellt Bezüge zum vielsprachigen Abgeordnetenhaus der Donaumonarchie her, dessen Sitzungen bekanntlich oft turbulent und chaotisch verliefen. Die nationalistischen Streitigkeiten im Hohen Haus am Ring gingen dem großen Epochenbruch des Ersten Weltkriegs voraus, dessen Beginn sich 2014 sich zum 100. Mal jährt.

Mit Blick auf dieses Datum hat Christoph Marthaler mit SängerInnen, SchauspielerInnen und InstrumentalistInnen ein außergewöhnliches Musik- und Theaterprojekt erarbeitet. "Letzte Tage" setzt sich thematisch und politisch mit dem Vorabend des Ersten Weltkriegs und den Folgen auseinander und thematisiert den damaligen wie den gegenwärtigen Rassismus und Nationalismus. Derzeit zeigt sich in Europa vielerorts eine Rückbesinnung auf nationale Partikularinteressen. Die Verteidigung alter Besitzverhältnisse mit nationalistischen und rassistischen Argumenten scheint weit größere Popularität zu genießen als das transnationale Projekt des aufgeklärten europäischen Bürgers.

Ideologisch wie tagespolitisch braute sich bereits in den Jahren vor 1914 zusammen, was bald darauf in zwei Weltkriege und den Holocaust mündete. Das Projekt ist deshalb der aus Wien und Nazideutschland vertriebenen Musik gewidmet. Zurückgegriffen wird dabei auch auf Musik von verfolgten jüdischen Komponisten. Einige der Kompositionen sind im Konzentrationslager entstanden. Der Musiker Uli Fussenegger vom Klangforum Wien hat diese Werke gesammelt und bearbeitet.

Nähere Informationen zu dieser Produktion sind zu finden unter www.festwochen.at. (Schluss) sox

Format