Parlamentskorrespondenz Nr. 116 vom 07.02.2022
Neu im Budgetausschuss
Wien (PK) - Die Finanzschulden des Bundes erhöhten sich Ende 2021 im Vergleich zum Vorjahr von 238,0 Mrd. € auf 253,6 Mrd. €. Das Finanzministerium berichtet dem Budgetausschuss jährlich über den Stand der Finanzschulden und Währungstauschverträge. Der vorliegende Bericht zeigt die getätigten Finanzschuldaufnahmen und Währungstauschverträge im Finanzjahr 2021 (83/BA).
COVID-19-Krise beeinflusst Zinsen
Das Zinsumfeld war 2021 von einem Anstieg der Kapitalmarktzinsen geprägt, so das Finanzministerium. Die Renditen für 10-jährige österreichische Bundesanleihen stiegen im Jahresabstand von -0,46% p.a. (4.1.2021) auf +0,09% p.a. (31.12.2021) und pendelten sich im Jahresverlauf zwischen -0,46% p.a. und +0,19% p.a. ein. Die Geldmarktzinsen für Treasury-Bill-Emissionen bzw. die Kapitalmarktzinsen für Bundesanleihen mit Laufzeiten bis zeitweise 26 Jahren lagen im negativen Bereich, berichtet der Finanzminister. Wesentlichen Einfluss auf die Zinsen hatte weiterhin die COVID-19-Krise und die damit verbundenen erhöhten Finanzierungen der Staaten. In der zweiten Jahreshälfte 2021 führten steigende Inflationszahlen in Kombination mit einem sich aufhellenden Konjunkturumfeld zu Erwartungen hinsichtlich globaler Leitzinserhöhungen im Jahr 2022, heißt es in dem Bericht.
Österreichs Bonität weiterhin sehr hoch
Die Bonität der langfristigen Verbindlichkeiten der Republik Österreich wird von den führenden Ratingagenturen weiterhin sehr hoch bewertet. Die Ratingagentur DBRS bewertet Österreich derzeit mit einem AAA/Stable Rating, während die restlichen Agenturen die zweitbeste Einstufung von 22 Ratingkategorien (AA+ bzw. Aa1) vornehmen. Für kurzfristige Verbindlichkeiten (bis zu einem Jahr) habe Österreich von allen vier Agenturen das bestmögliche Rating. Ein wesentlicher Einflussfaktor bei der Beurteilung der Bonität durch die Ratingagenturen sei die Schuldentragfähigkeit, welche sich im Falle Österreichs 2021 weiter erhöht habe, so der Bericht.
2021 wurden Finanzierungen für den Bund von 54,60 Mrd. € getätigt. Davon entfielen 35,83 Mrd. € auf Anleihen, 18,36 Mrd. € auf Bundesschatzscheine und 0,40 Mrd. € auf Darlehen. Durch Wertpapiertransaktionen am Sekundärmarkt fanden 2021 Käufe von Bundesanleihen und Austrian Treasury Bills in Höhe von 2,52 Mrd. € statt.
Zusätzlich ist der Bund 2021 Kredite von 7,33 Mrd. € für Länder und Rechtsträger des Bundes eingegangen. Der größte Teil davon entfiel auf die ÖBB-Infrastruktur (3,22 Mrd. €) und das Land Wien (1,23 Mrd. €), analysiert der Bericht. In Summe wurden 2021 Finanzierungen (exkl. Wertpapiertransaktionen am Sekundärmarkt) über 61,93 Mrd. € getätigt. Das bedeutet eine Verringerung (1,16 Mrd. €) gegenüber dem Vorjahr (63,09 Mrd. €), liest man im Bericht.
Niedrige Verzinsung der Bundesschulden
Der Bund tätigte im Jahr 2021 seine Finanzierungen mit einer durchschnittlichen Rendite von -0,34% p.a. bei einer durchschnittlichen Laufzeit von 10,1 Jahren. Dazu betont das Finanzministerium, dass die durchschnittliche Begebungsrendite bereits zum dritten Mal in der Geschichte der Republik negativ war.
Der Effektivzinsaufwand sank 2021 von 4,00 auf 3,48 Mrd. €. Die Effektivverzinsung sank ebenfalls weiter und lag Ende 2021 bei 1,17% gegenüber 1,47% Ende 2020. Noch nie in der Geschichte der Republik Österreich waren die Bundesschulden so niedrig verzinst, heißt es dazu in dem Bericht.
Die durchschnittliche Restlaufzeit des Finanzschuldportfolios stieg von 10,13 auf 10,60 Jahre. Das Finanzministerium erklärt, dass die Strategie, eine relativ lange Restlaufzeit beizubehalten, dazu beiträgt, das Zins- und Refinanzierungsrisiko Österreichs zu begrenzen. In Kombination mit der gesunkenen Verzinsung des Finanzschuldenportfolios wirke sich diese Entwicklung zudem positiv auf die Schuldentragfähigkeit Österreichs aus.
Highlights der Emissionstätigkeit 2021
Mitte 2021 hat die Österreichische Bundesfinanzierungsagentur (OeBFA) dem Markt das neue Austrian Treasury Bill (ATB) Programm und die Umbenennung des bisherigen ATB-Programmes in Austrian Commercial Paper (ACP) Programm bekanntgegeben, wobei ATBs nun auch via monatlich stattfindenden Auktionen emittiert werden. 2021 wurden zudem an drei Terminen vier neue Syndikats-Anleihen begeben. Außerdem wurden neun verschiedene Anleihen durch Auktionen aufgestockt. (Schluss) gla
HINWEIS: Der Budgetdienst des Parlaments bietet ökonomische Analysen zur Budgetpolitik und zu Vorlagen des Bundesministeriums für Finanzen. Alle aktuellen Daten zum Budgetvollzug (Monatsberichte) finden Sie auf der Website des Finanzministeriums.