Parlamentskorrespondenz Nr. 492 vom 01.06.2026

Bericht zur sozialen Lage von Studierenden 2025 zeigt weiterhin hohe Erwerbsquote

Wien (PK) – Seit 1975 erhebt das Wissenschaftsministerium "Materialien zur sozialen Lage der Studierenden in Österreich". Aktuell liegt dem Nationalrat der Bericht der Bundesministerin für Frauen, Wissenschaft und Forschung für 2025 vor. Er bietet Zahlen zur Entwicklung der Studienförderung und fasst die Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebung zusammen (III-338 d.B.).

Wie Bundesministerin Eva-Maria Holzleitner im Vorwort zum Bericht ausführt, haben im Sommersemester 2025 mehr als 36.000 Bachelor-, Master- und Diplomstudierende öffentlicher Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogischer Hochschulen, Privatuniversitäten und Privathochschulen in Österreich an der großflächig angelegten Umfrage teilgenommen. Der Bericht zeige auf, welche unterschiedlichen Problematiken sich für Studierende bei der Vereinbarkeit von Studium, Beruf, Betreuung oder Pflege ergeben. Daher sollte es laut Holzleitner das Ziel weiterer Anstrengungen sein, strukturelle Benachteiligungen auszugleichen, die Studierbarkeit für alle Gruppen systematisch zu verbessern und die Durchlässigkeit und Inklusion zu erhöhen.

Breite Palette an direkten und indirekten Ausbildungsförderungen

Der erste Teil des Berichts gibt einen Überblick über die Palette der Unterstützungsleistungen für Studierende. Dazu gehört zum einen die direkte Ausbildungsförderung nach dem Studienförderungsgesetz, also die Studienbeihilfe. Des Weiteren gibt es eine Reihe indirekter Ausbildungsförderungen. Mensen und Studierendenheime ergänzen das Angebot an Unterstützungen.

Im zweiten Berichtsteil werden die Ergebnisse der Studierenden-Sozialerhebung aus dem Sommersemester 2025 präsentiert. Im Zeitraum der Erhebung waren an österreichischen Hochschulen laut Hochschulstatistik rund 312.800 Personen in Bachelor-, Master-, Diplom- und Erweiterungsstudien inskribiert. Nach einem leichten Rückgang der Studierendenzahlen in den Wintersemestern 2020/21 und 2021/22 stiegen diese in den folgenden Wintersemestern wieder an und erreichten im Wintersemester 2024/25 einen neuen Höchststand. Zwischen den beiden letzten Wintersemestern betrug der Zuwachs der Studierenden an Pädagogischen Hochschulen und Fachhochschulen jeweils rund 3 %. An öffentlichen Universitäten sowie in Lehrverbünden waren es unter 1 %, während Privatuniversitäten erstmals seit dem Wintersemester 2005/06 einen Rückgang der Studierendenzahlen um rund 2 % zu verzeichnen hatten.

Geringer Anstieg von Wohnkosten

Die Umfrage konnte erheben, dass die durchschnittlichen Wohnkosten der Studierenden (exklusive der, die bei Eltern wohnen bzw. Fernstudien betreiben) sich auf rund 586 € pro Monat belaufen. Das entspricht einem Anstieg von 7 % seit 2023 bzw. um 51 % im Zehnjahresvergleich seit 2015. Bereinigt um die Inflation sind die Wohnkosten damit seit 2023 nur um 0,3 %) und seit 2015 um 9 % gestiegen. Im Gegensatz zu allen anderen betrachteten Wohnformen seien aber die Kosten in Wohnheimen in den letzten beiden Jahren auch inflationsbereinigt gestiegen, nämlich um 7 %. Dieser Kostenanstieg wird vor allem mit der wachsenden Anzahl von Wohnheimen privater, gewerblicher Betreiber in Verbindung gebracht, die im Vergleich teurer als gemeinnützige Wohnheimträger seien.

Die Wohnform ist einer der entscheidenden Faktoren für die Höhe der Wohnkosten. Am meisten geben Studierende aus, die allein wohnen (664 €) oder mit Partner bzw. Partnerin (634 €). Studierende in Wohngemeinschaften zahlen durchschnittlich 498 € und jene in Wohn- und Studierendenheimen 501 €

Betreuungspflichten von Studierenden

Detailliert geht der Bericht unter anderem auf Studierende mit Kindern ein. Zum Zeitpunkt der Erhebung haben 8 % der Studierenden angegeben, mindestens ein Kind unter 25 Jahren zu haben oder mit mindestens einem unter 25-jährigen Kind ihres Partners oder ihrer Partnerin im gemeinsamen Haushalt zu leben. Damit blieb der Anteil studierender Eltern gegenüber 2023 unverändert. Studierende mit Kindern sind im Durchschnitt 40 Jahre alt und somit deutlich älter als der Gesamtschnitt der Studierenden von 27 Jahren. Etwa jeder zehnte studierende Elternteil (0,9 % aller Studierenden in Österreich) ist alleinerziehend. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um alleinerziehende Mütter (85 %). Das Durchschnittsalter alleinerziehender Studierender liegt bei 42 Jahren. 47 % der alleinerziehenden Studierenden gaben an, von starken bis sehr starken finanziellen Schwierigkeiten betroffen zu sein.

7 % der Studierenden übernehmen laut der Erhebung regelmäßig Pflegeaufgaben für unterstützungsbedürftige Angehörige. Auch sie sind im Schnitt älter als alle Studierenden gemeinsam betrachtet (31 Jahre versus 27 Jahre). Mit dem Alter steigt sowohl die Häufigkeit als auch der Umfang der Pflege. Studentinnen und Studenten pflegen nahezu gleich häufig Angehörige (7 % vs. 6 %). Jedoch übernehmen Frauen in größerem Ausmaß Pflegeaufgaben und wenden im Durchschnitt 9,1 Wochenstunden für Pflegetätigkeiten auf, während es unter den Männern im Durchschnitt 7,5 Stunden sind. Besonders in der Gruppe mit einem Pflegeaufwand von über 20 Stunden pro Woche sind Frauen überrepräsentiert: Drei Viertel dieser stark belasteten Studierenden sind weiblich. 40 % der Studierenden mit Pflegeaufgaben merken an, besonders häufig von (sehr) starken finanziellen Schwierigkeiten betroffen zu sein, wobei dieser Anteil in der Gruppe, die über 20 Stunden Pflege leistet, auf 48 % steigt.

Während 8 % der Studierenden ohne Betreuungspflichten angeben, immer wieder ernsthaft darüber nachzudenken, das Studium ganz aufzugeben, sind es bei Studierenden mit Kinderbetreuungspflichten 12 % und bei solchen mit Pflegeverantwortung 14 %. Auch fühlen sich diese Studierenden deutlich seltener gut in das akademische Umfeld integriert (33 % gegenüber 20 %).

Erwerbstätigkeit von Studierenden

Zur Erwerbsquote und dem Erwerbsausmaß wurden im Rahmen der Studierenden-Sozialerhebung laut dem Bericht "alle Tätigkeiten gegen Entgelt" erfasst. Dazu zählen beispielsweise auch Praktika, Mithilfe im elterlichen Betrieb, Werkverträge oder andere Tätigkeiten als "neue Selbständige" sowie sonstige Tätigkeiten wie Babysitten oder Nachhilfeunterricht. Auch Tätigkeiten im Ausland, ob physisch oder online, wurden erfasst, da auch diese das Einkommen und Zeitbudget der Studierenden beeinflussen.

Demnach sind mehr als zwei Drittel der Studierenden (68 %) in einem durchschnittlichen Ausmaß von 20 Stunden pro Woche erwerbstätig. 55 % der Studierenden sind während des gesamten Semesters erwerbstätig und 12 % gelegentlich. Für mehr als die Hälfte von ihnen gilt laut eigenen Angaben, dass sie sich das Studium ohne Erwerbstätigkeit nicht leisten könnten (58 %, was 39 % aller Studierenden entspricht). Im europäischen Vergleich liegt die Erwerbsquote der österreichischen Studierenden im oberen Drittel und das durchschnittlich ausgeübte Erwerbsausmaß etwa im Mittelfeld.

Nach einem stetigen Anstieg in den letzten zehn Jahren ist der Anteil der erwerbstätigen Studierenden seit 2023 geringfügig gesunken. Auch das durchschnittliche Erwerbsausmaß sowie der Anteil der Vollzeit-Erwerbstätigen sind seit der letzten Erhebung leicht gesunken. Studentinnen sind nach wie vor etwas häufiger erwerbstätig als Studenten (69 % versus 66 %), arbeiten jedoch im Schnitt 2,5 Wochenstunden weniger (19,1 Stunden versus 21,6 Stunden). Diese geschlechtsspezifischen Unterschiede gleichen sich aber mit zunehmendem Alter an. Studierende, deren Eltern nicht studiert haben, sind häufiger und in einem höheren Ausmaß erwerbstätig als Studierende aus akademischen Elternhaushalten.

Gesundheitliche Beeinträchtigungen von Studierenden

Gegenüber der letzten Erhebung 2023 zeigt der Bericht bei der Selbstbewertung des Gesundheitszustandes einen leicht positiven Trend. 74 % aller Studierenden bewerteten in der Umfrage ihren allgemeinen Gesundheitszustand als sehr gut oder gut, 26 % schätzten diesen als mittelmäßig bis sehr schlecht ein. Die Einschätzung der Studierenden ähnle stark jener der vergleichbaren österreichischen Gesamtbevölkerung, merkt der Bericht an.

Rund ein Viertel der Studierenden gab an, durch ihre gesundheitlichen Beeinträchtigungen bzw. Behinderungen auch im Studium eingeschränkt zu sein. Nach einem deutlichen Anstieg zwischen den Erhebungen 2019 und 2023 (von 12 % auf 21 %) zeigte sich damit ein Zuwachs studienerschwerender Beeinträchtigungen um knapp 3 Prozentpunkte gegenüber der letzten Sozialerhebung. Dieser Anstieg wird hauptsächlich auf eine Zunahme psychischer Erkrankungen laut Selbstauskunft der Studierenden zurückgeführt. Insgesamt gaben 15 % aller Studierenden an, eine studienerschwerende psychische Erkrankung zu haben (2023: 12 %). 13 % aller Studierenden berichteten, dass eine entsprechende psychische Erkrankung ärztlich diagnostiziert wurde. Eine Depression wurde von 9 %, eine Angststörung von 6 % und AD(H)S von 5 % aller Studierenden genannt. Im Vergleich zu 2023 gaben Studierende insbesondere AD(H)S häufiger als studienerschwerende psychische Erkrankung an. Mit Ausnahme von Persönlichkeitsstörungen zeige sich aber auch bei allen anderen Formen psychischer Erkrankungen ein Anstieg, führt der Bericht aus.

Auch der Anteil der Studierenden, die eine Behinderung angaben, ist erneut gestiegen (2025: 1,6 %, 2023: 1,3 %). 13 % aller Studierenden gaben eine chronisch-somatische Erkrankung, 6 % eine Allergie/Atemwegserkrankung, 3 % eine Teilleistungsstörung, 2 % eine Sehbeeinträchtigung, 1,4 % eine Mobilitätsbeeinträchtigung und 0,7 % eine Hör-/Sprach-Sprechbeeinträchtigung an.

Die Unterstützungs- und Servicestellen der Hochschulen, die Studierende und Studieninteressierte mit Beeinträchtigung oder Behinderung beraten und unterstützen, sind der Mehrheit der Studierenden mit studienerschwerenden Beeinträchtigungen laut eigenen Angaben unbekannt (70 %). Auch die Nutzungsquote der Psychologischen Studierendenberatung ist recht gering: Von allen Studierenden haben 9 % diese Studierendenberatung jemals im Laufe ihres bisherigen Studiums genutzt, 7 % in Zusammenhang mit psychischen Problemen.

Studierende mit studienerschwerenden Beeinträchtigungen haben ihr Studium deutlich häufiger (offiziell oder inoffiziell) für mindestens ein Semester unterbrochen (19 % versus 10 %). Studienunterbrechungen von Studierenden mit studienerschwerenden Beeinträchtigungen werden oft durch unvorhergesehene Ereignisse wie zum Beispiel durch Krankheitsschübe verursacht. Vermehrt berichten Studierende mit studienerschwerenden Beeinträchtigungen auch von Problemen mit zeitlichen Vorgaben in Prüfungssituationen bzw. mit Abgabefristen.

Ebenso ist der Anteil der Studierenden, die ernsthaft über einen Studienabbruch nachdenken, unter Studierenden mit studienerschwerenden Beeinträchtigungen höher als unter jenen ohne (12 % versus 7 %). Studierende mit Mehrfachbeeinträchtigungen (16 %), Hör-, Sprach- oder Sprechbeeinträchtigungen (15 %) und psychischen Erkrankungen (13 %) weisen am häufigsten eine Studienabbruchsintention auf.

Finanzielle Schwierigkeiten wirken sich auf Studienerfolg aus

Die Betroffenheit von finanziellen Schwierigkeiten ist laut der Studierenden-Sozialerhebung gegenüber 2023 leicht zurückgegangen. Zu den Auswirkungen von finanziellen Schwierigkeiten hat die Umfrage ergeben, dass etwa drei Viertel der Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten ihre mentale Gesundheit stark oder sehr stark durch die finanziellen Schwierigkeiten beeinträchtigt sahen. Rund die Hälfte sah auch ihre körperliche Gesundheit leiden. Mehr als die Hälfte der entsprechenden Gruppe gab an, dass sich die Studiendauer aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten verlängere, und 38 % meinten, dass ihre Noten deswegen schlechter seien, als sie sein könnten.

Laut dem Bericht gaben immerhin 44 % der Studierenden mit finanziellen Schwierigkeiten an, ihre Mahlzeiten im Umfang und/oder in der Vielfalt einschränken zu müssen. Rund ein Viertel konnte nicht alle wesentlichen Rechnungen pünktlich bezahlen und brauchte wohl auch finanzielle Unterstützung durch andere. Diese Studierendengruppe neigt auch stärker zum Studienabbruch und hat es nach eigenen Angaben insgesamt schwerer, sich im akademischen Umfeld zurechtzufinden. Die Betroffenen sind mit ihren Studien weniger zufrieden und haben ein höheres Gesamtarbeitspensum. Der Bericht geht davon aus, dass eine Art "Trade-Off" zwischen finanzieller Armut und Studienerfolg stattfindet. Die Studierenden nehmen entweder finanzielle Schwierigkeiten in Kauf nehmen oder eben unter anderem das Risiko einer längeren Studiendauer. (Schluss) sox