Parlamentskorrespondenz Nr. 555 vom 15.06.2026

Südtirol-Bericht: Autonomie mit Zukunft

Wien (PK) – Ein von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger vorgelegter Bericht informiert über die Autonomieentwicklung Südtirols in den Jahren 2021 bis 2026 (III-348 d.B.). Die Bundesregierung bekenne sich zur fortgesetzten, verantwortungsbewussten Wahrnehmung der völkerrechtlichen Schutzfunktion Österreichs, zu der ein breiter, parteiübergreifender Konsens bestehe. Es sei die gemeinsame Verantwortung Österreichs und Italiens, die eigenständige Entwicklung Südtirols zu garantieren und in enger Abstimmung mit den Vertreterinnen und Vertretern der deutsch- und ladinischsprachigen Sprachgruppen weiterzuentwickeln, heißt es im Bericht. Diese sei ein internationales Vorbild für die Überwindung von minderheitsbezogenen Konflikten.

Weiterentwicklung der Autonomie

Ein wesentlicher Schwerpunkt im Berichtszeitraum war die zwischen Rom und Bozen ausverhandelte und seitens Österreichs unterstützte Revision des Autonomiestatuts, die im Juni 2026 in Kraft treten wird. Sie sieht die Wiederherstellung von legislativen Kompetenzen in wichtigen Bereichen vor, etwa dem Dienstrecht der Landesbediensteten, dem Handel und der Regelung öffentlicher Arbeiten, Dienstleistungen und Lieferungen inklusive der diesbezüglichen öffentlichen Verträge. Darüber hinaus enthält der Text auch Neuerungen mit dem Zweck, die Autonomie über das ursprüngliche Ausmaß von 1992 hinaus zu stärken. Zudem erhält Südtirol neue Kompetenzen in Bereichen wie Raumordnung, Umweltschutz und Wildtiermanagement. Weiters wird die Rolle der Region bei künftigen Änderungen des Autonomiestatuts aufgewertet.

Die Weiterentwicklung der Autonomie Südtirols beschränkte sich aber nicht nur auf die Revision des Autonomiestatuts. So wurden im November 2021 sowie im September 2023 Finanzabkommen zwischen der italienischen Regierung und der Region Trentino-Südtirol abgeschlossen, die wichtige finanzielle Aspekte beinhalteten. Das betrifft etwa die Modalitäten für die Begleichung von Schulden des Staates bei der Region und die Reduktion des Beitrags, den die Region zum Abbau der Staatsschulden sowie zum Staatshaushalt leisten muss.

Demographische und wirtschaftliche Entwicklung

Neben der politischen Entwicklung – die Südtiroler Volkspartei (SVP) blieb trotz ihres historisch schlechtesten Ergebnisses mit 34,5 % die mit Abstand stimmenstärkste Liste bei den Landtagswahlen im Jahr 2023 - befasst sich der Bericht auch mit dem demographischen und wirtschaftlichen Fortschritt. So stieg die Einwohnerzahl 2025 auf einen Höchststand von über 542.000 Personen. Die Sprachgruppenzählung 2024 zeigt stabile Verhältnisse: Rund 68,6 % der Bevölkerung sind der deutschen, 27 % der italienischen und 4,4 % der ladinischen Sprachgruppe zugehörig, informiert der Bericht. Zugleich nimmt der Anteil der Bevölkerung mit Wohnsitz im Ausland kontinuierlich zu. Seit 2014 ist dieser um 52,8 % gestiegen. Im Jahr 2024 waren insgesamt rund 57.000 Südtirolerinnen und Südtiroler im Ausland aufhältig. Davon leben fast drei Viertel in einem EU-Mitgliedstaat, wobei etwa 80 % auf den deutschsprachigen Raum entfallen (Österreich: 32,5 %). Bei der akademischen Mobilität bleibt Österreich weiterhin ein wichtiger Studienort. So waren im Studienjahr 2024/25 über 6.000 Südtiroler Studierende an heimischen Universitäten inskribiert. Davon entfielen 58 % auf Innsbruck, 29 % auf Wien und 7 % auf Graz.

Die wirtschaftliche Entwicklung Südtirols verlief in den letzten Jahren weiterhin positiv. So blieb die Region Trentino-Südtirol die reichste Region Italiens und eine der wohlhabendsten Europas. Im Jahr 2025 lag das BIP-Wachstum bei 0,9 %, für 2026 wird ein Wachstum um 1 % prognostiziert. Die Arbeitslosenquote blieb in den letzten Jahren auf einem niedrigen Niveau und lag 2025 bei 1,9 %, womit sie weiterhin deutlich unter dem EU-Durchschnitt liegt. Mit Exporten von 7,7 Mrd. € im Jahr 2025 (Importe: 7 Mrd. €) ist der Außenhandel ein wichtiges Standbein der Südtiroler Wirtschaft. Die wichtigsten Warengruppen unter den Exporten sind Nahrungsmittel, Elektrogeräte, Maschinen und Anlagen sowie Metallprodukte. Sowohl bei der Ein- als auch bei der Ausfuhr sind Deutschland und Österreich die wichtigsten Handelspartner außerhalb Italiens.

Der ganzjährige Tourismus, eine der wichtigsten Einnahmequellen des Landes, hat im Jahr 2025 mit mehr als 38 Mio. Übernachtungen einen neuen Rekord verzeichnet. Auch die Olympischen und Paralympischen Winterspiele 2026 hätten dazu positiv beigetragen, so der Bericht. Zudem wurde im Rahmen der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino die grenzüberschreitende Zusammenarbeit durch Projekte wie das Euregio-Ticket (ab 2026) oder einer gemeinsamen Jobbörse der drei Regionen weiter ausgebaut. (Schluss) med