Parlamentskorrespondenz Nr. 734 vom 13.07.2026

Zahl der Lehrlinge und Lehrbetriebe im Jahr 2025 auf Tiefstand

Wien (PK) – Die Lehre ist und bleibt eine der größten Erfolgsstorys Österreichs, hält Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer in der Einleitung zum Bericht über die Situation der Jugendbeschäftigung und Lehrlingsausbildung in Österreich 2024 und 2025 (III-370 d.B.) fest. Rund 36 % der Schülerinnen und Schüler einer 10. Schulstufe würden sich für diesen Bildungsweg entscheiden. Die Ausbildungsbetriebe würden einen unverzichtbaren Beitrag zur Fachkräftesicherung und zum wirtschaftlichen Erfolg Österreichs leisten. In den letzten Jahren seien neue Lehrberufe, ein durchgängiger und qualitätsgesicherter Bildungsweg geschaffen und die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung gestärkt worden.

Lehre als bewährte Grundlage für Einstieg ins Berufsleben

Trotz herausfordernder Entwicklungen bleibe die Lehre eine bewährte Grundlage für den Einstieg ins Berufsleben und ein zentraler Bestandteil der beruflichen Ausbildung in Österreich, so der Bericht. Die analysierten Daten würden zeigen, dass eine abgeschlossene berufliche Erstausbildung das Risiko von Arbeitslosigkeit erheblich reduziere.

Allerdings habe sich angesichts einer schwachen und überwiegend rückläufigen wirtschaftlichen Entwicklung in den Jahren 2024 und 2025 die Zahl und der Anteil der Lehranfängerinnen und Lehranfänger im Jahr 2025 ebenso wie die Zahl der Lehrbetriebe auf einem Tiefststand befunden. Konkret sei der Anteil von Jugendlichen, die eine Lehre beginnen, innerhalb weniger Jahre von rund 40 % auf unter 35 % bzw. 30.652 Lehrlinge im ersten Lehrjahr Ende 2025 gesunken. Die Gesamtlehrlingszahl sei Ende Dezember 2025 in Österreich bei 102.878 Lehrlingen gelegen, was den niedrigsten Wert in den letzten 50 Jahren darstelle. Besonders starke Rückgänge seien in den Sparten "Information & Consulting" (-11,5 %) sowie im Handel (-7,7 %) zu verzeichnen.

Die Arbeitslosenquote der Unter-25-Jährigen sei 2025 auf 7,3 % gestiegen, die Zahl der Lehrbetriebe auf rund 25.000 gesunken. Mittelfristig werde der Rückgang an Jugendlichen, Lehrlingen und Lehrbetrieben in den letzten Jahrzehnten auch den Fachkräftemangel in Österreich verstärken, so der Bericht.

Handlungsbedarf ortet der Bericht dahingehend, die Ausbildungsmöglichkeiten und Ausbildungsbereitschaft von Jugendlichen, besonders auch jener mit Migrationshintergrund, zu steigern. In Österreich würden rund 16 % der 20- bis 24-Jährigen und rund 10 % der 25- bis 29-Jährigen über keinen über die Pflichtschule hinausgehenden Bildungsabschluss verfügen.

Maßnahmen zur Attraktivierung der Lehre

Um die Lehrlingsausbildung für Jugendliche und Lehrbetriebe attraktiver zu machen und die Jugendarbeitslosigkeit zu reduzieren, werden im Bericht eine Reihe von Maßnahmen vorgeschlagen. So brauche es neue und flexiblere Ausbildungskonzepte, um neue, auch benachteiligte Zielgruppen zu erschließen. Für besonders benachteiligte und ausbildungsferne Jugendliche und Erwachsene wäre zudem die Einführung von sogenannten "Praktikerberufen" mit verkürzten Berufsausbildungen hilfreich, so die Empfehlung. Ausgebaut werden sollten demnach auch im Hinblick auf Mangelberufe die Angebote zur bedarfsorientierten Vorqualifikation etwa für Asylwerbende und Asylberechtigte. Empfohlen wird auch ein stärkerer Ausbau der begleitenden Mentoringprogramme zur Integration.

Zielgerichtete Lehrlingsstipendien oder Ausbildungsbeihilfen etwa für den überregionalen Einstieg in die duale Ausbildung zählen ebenso zu den vielschichtigen Empfehlungen wie die Praxisorientierung im gesamten Bildungswesen zu steigern, vor allem in der Pflichtschule.

Die entsprechende Studie zum Bericht wurde im Auftrag vom Wirtschaftsministerium vom Österreichisches Institut für Berufsbildungsforschung und dem Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft erstellt. (Schluss) mbu

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