Parlamentskorrespondenz Nr. 768 vom 23.07.2026

Tourismus in Österreich: Erneut steigende Nächtigungszahlen und sinkende Aufenthaltsdauer

Entwicklungen im Nahen und Mittleren Osten bringen neue Unsicherheiten für die Branche

Wien (PK) – Mit 157,3 Mio. Nächtigungen im heimischen Tourismus wurde im Vorjahr ein neuer Höchstwert erreicht. Der Wert von 2024 wurde damit um 1,9 % übertroffen und lag auch über dem Vorkrisenniveau von 2019. Dies geht aus dem von Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Tourismus-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner vorgelegten Bericht "Tourismus in Österreich 2025" hervor (III-359 d.B.). Die Wertschöpfung der Tourismusbranche wurde für das Jahr 2025 mit 33,1 Mrd. € berechnet – dies entspricht rund 6,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Die unmittelbare Wertschöpfung der Freizeitwirtschaft dürfte Schätzungen des WIFO zufolge laut Bericht auf 26,1 Mrd. Euro (+2,9 %) gestiegen sein. In Hotellerie und Gastronomie unselbstständig beschäftigt waren im Vorjahr 228.634 Menschen.

Mehr Gäste aus dem In- und Ausland

Eine steigende Nachfrage im heimischen Tourismus gab es im Vorjahr sowohl von inländischen Gästen (40,5 Mio. Übernachtungen, +0,5 %) als auch von Gästen aus dem Ausland (116,8 Mio.,+2,4 %). Während auch die Zahl der Ankünfte einen Anstieg von 3,1 % auf 48,2 Mio. verzeichnete, ging die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der Gäste pro Unterkunft weiter zurück. Demnach verweilte im Durchschnitt ein Gast 3,27 Nächte (2024: 3,30 Nächte) in derselben Unterkunft. Die Zahl an touristischen Unterkünften und Betten stieg zum vierten Mal in Folge, auch die Auslastung verbesserte sich und näherte sich damit langsam dem Vorkrisenniveau an. Seit Jahren zeichnet sich bei den Unterbringungsformen eine strukturelle Verschiebung zugunsten gewerblicher Ferienwohnungen ab, heißt es im Bericht. Hotels, Gasthöfe und Pensionen machten 2024/25 nur noch 14,7 % aller Unterkünfte aus.

Eine EU-Verordnung zur Kurzzeitvermietung ist 2024 in Kraft getreten. Es gibt eine zweijährige Übergangsfrist, zudem handelt es sich um eine Opt-in-Verordnung. Eine nationale Umsetzung ist daher nicht verpflichtend. Die Verordnung zielt darauf ab, durch Registrierungsverfahren mehr Transparenz bei der Abwicklung von Vermietungsangeboten über Online-Plattformen zu schaffen. Ein zentrales Instrument dafür ist eine einheitliche digitale Zugangsstelle für den Datenaustausch. An einer solchen wird laut Bericht seitens des Wirtschaftsministeriums derzeit gearbeitet. Die Entscheidung ob und wann die Verordnung umgesetzt wird, liegt bei den einzelnen Bundesländern. Ab 2027 könnten erste Bundesländer die nötigen Voraussetzungen für eine Umsetzung der Verordnung schaffen.

Deutschland weiterhin größter Herkunftsmarkt

Auf deutsche Gäste entfielen im Vorjahr 50,1 % aller ausländischen bzw. 37,2 % der gesamten Nächtigungen. Zweitwichtigster ausländischer Herkunftsmarkt war die Niederlande (11,3 Mio. Nächtigungen). Die stärksten Zuwächse an ausländischen Gästen wurden aus Polen, der Slowakei, aus Slowenien, der Tschechische Republik und aus Ungarn sowie aus Portugal verzeichnet. Einen Rückgang gab es bei Gästen aus Norwegen und der Schweiz.

Die Fernmärkte entwickelten sich im Jahr 2025 laut Bericht zum "eigentlichen Wachstumsmotor" des österreichischen Tourismus, mit einem Gesamtzuwachs von 11,5 %. Allerdings liegt ihr Anteil an den ausländischen Nächtigungen mit 5,3 % noch einen Prozentpunkt unter dem Wert von 2019. Beachtenswerte Zuwächse verzeichneten Japan (+18,9 %), China (+14,7 %), Indien (+14,6 %), Saudi-Arabien (+15,0 %), die Vereinigten Arabischen Emirate (+13,9 %) und die USA (+7,9 %).

Kriege im Nahen und Mittleren Osten beeinträchtigen die Branche

Als bekannte mittel- und längerfristige Herausforderungen der heimischen Tourismusbranche nennt der Bericht die Arbeitskräfteknappheit, die "wirtschaftliche Situation vieler Betriebe in Beherbergung und Gastronomie", Übertourismus sowie den Klimawandel. Nun wirke sich auch das Kriegsgeschehen im Nahen und Mittleren Osten auf die Branche aus, heißt es im Bericht. Die touristische Nachfrage aus dieser Region sei bereits deutlich gesunken. Gleichzeitig dürfte auch die Nachfrage von europäischen Touristinnen und Touristen nach Reisen in arabische Länder zurückgehen, ist dem Bericht zu entnehmen. In welchem Ausmaß Österreich als "Ersatzreiseziel" davon profitieren könne, bleibe derzeit noch offen. Aufgrund der durch die Konflikte steigenden Energiepreise, könnte Österreich als nahe gelegenes Reiseziel für Gäste aus den Nachbarländern an Attraktivität gewinnen. (Schluss) bea


Suche in den Meldungen der Parlamentskorrespondenz:

Abo-Themen


Verwandte Inhalte

Gesamte Website durchsuchen: